Bausteine für die smarte Farm

Drohnen, Sensoren, Traktoren, die autonom fahren: Die Digitalisierung ist auch im Agrarbusiness nicht mehr aufzuhalten.

Getreideernten werden schon jetzt teilautonom durchgeführt. Im Bild eine solche im deutschen Mecklenburg-Vorpommern.
Getreideernten werden schon jetzt teilautonom durchgeführt. Im Bild eine solche im deutschen Mecklenburg-Vorpommern.
Getreideernten werden schon jetzt teilautonom durchgeführt. Im Bild eine solche im deutschen Mecklenburg-Vorpommern. – APA/dpa-Zentralbild/Jens Büttner

Während die Landwirtschaft in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch als rein „analoges“ Business wahrgenommen wird, hat die Digitalisierung auch hier längst Einzug gehalten. Beispiele finden sich zuhauf: Autonom fahrende Traktoren und Mähdrescher, Drohnen, die punktgenau sähen und düngen, oder Sensoren, die über Ohrmarken die gesundheitliche Verfassung von Nutztieren überwachen, gehören dazu. In der breiten landwirtschaftlichen Praxis angekommen seien solche Anwendungen aber noch nicht, sagt Thomas Haase, Rektor der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien: „Die Digitalisierung befindet sich in der heimischen Landwirtschaft in vielen Bereichen noch in der Implementierungsphase“, betont er. Dennoch – oder gerade deswegen – würde an seiner Hochschule dieser Entwicklung Rechnung gezollt, und zwar in zweierlei Hinsicht: „Einerseits fließen sowohl die praktische Umsetzung in der Landwirtschaft als auch neue Forschungserkenntnisse in die Lehre ein. Andererseits nutzen wir die Digitalisierung in der Methodik und Didaktik, indem wir die Möglichkeiten des E-Learnings in Form von elektronischen Skripten, Lernvideos oder von Online-Diskussionsforen anbieten.“

 

Digitaler Weinbau

Ein landwirtschaftlicher Bereich, in dem die Digitalisierung schon breiteren Raum einnimmt, ist der Weinbau: „Aktuell sind dort viele Projekte rund um Automatisierung und Robotik am Laufen – vor allem in Bereichen, in denen es fast unmöglich ist, Arbeitskräfte zu finden“, sagt Albert Stöckl, Leiter des englischsprachigen Bachelorstudiengangs International Wine Business, der von der IMC Fachhochschule Krems angeboten wird. Schon länger etabliert seien digitale Technologien in der Kellerwirtschaft. „In vielen heimischen Betrieben wird die Gärführung und Temperaturkontrolle von Sensoren gesteuert“, erläutert der Experte. Als weiteres Beispiel führt er die digitale Erfassung der Weingartenflächen an: „Die Einführung eines Weinbaukatasters beziehungsweise einer einheitlichen Datenbank schafft unter anderem Nachvollziehbarkeit und Transparenz für die Konsumenten.“ Im Studiengang International Wine Business werden den Teilnehmern betriebswirtschaftliche, rechtliche, weinbauliche und önologische Aspekte vermittelt. „Die Digitalisierungsaspekte kommen dabei in mehreren Lehrveranstaltungen zur Sprache, etwa in ,Viticulture‘ ,Wine Processing‘ oder ,Wine Law‘“, erläutert Haase.

 

Forschungsprojekte

An der Universität für Bodenkultur (Boku) beschäftigen sich diverse Forschungsarbeiten unter anderem mit der Entwicklung von Sensoriken zur Erfassung von Boden-, Pflanzen-, Tier- und Umweltinformationen und deren Auswertung. „Andere Projekte befassen sich mit der Entwicklung von Algorithmen, die diese Informationen nutzen, um Steuerbefehle auszugeben, die dann von Maschinen und Geräten ausführt werden“, berichtet Andreas Gronauer, Leiter des Instituts für Landtechnik. Als „Labor“ hierfür nutzen die Forscher den Boku-eigenen 140 Hektar großen Versuchsbetrieb. Daneben arbeitet laut Gronauer in seinem Haus eine eigene Arbeitsgruppe daran, das Thema Digitalisierung künftig verstärkt in Forschung und Lehre zu verankern. Ein Resultat davon ist der von Gronauer geleitete Universitätslehrgang Advanced Technologies in Smart Crop Farming, der im kommenden März startet. Erst kürzlich wurde von der EU das Projekt „Usage“ bewilligt, in dessen Rahmen ein berufsbegleitendes Masterprogramm zum Thema Smart Agricultural Engineering mit vier europäischen Partnerländern aufgebaut werden soll. Die Digitalisierung wird – wie in nahezu allen Bereichen – auch in der Landwirtschaft zu Veränderungen führen, gibt sich Gronauer überzeugt: „Schlussendlich wird ein landwirtschaftlicher Betrieb ein landwirtschaftlicher Betrieb bleiben. Es wird aber ein Miteinander zwischen Mensch und Maschine geben.“ Das biete durchaus Vorteile: „Die Digitalisierung kann die Arbeit in der Landwirtschaft wieder attraktiver und weniger zeitaufwendig machen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2019)

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