Medientraining: „Die Message rüberbringen“

Ob hinterm Mikrofon oder vor der Kamera – ausgelernt hat man beim Umgang mit Medien nie. Einige Möglichkeiten, sich entsprechend zu positionieren.

(c) Bilderbox

Für viele Menschen ist ein Job in der Medienbranche ein lang gehegter Traum. Ob Moderator, Kameramann oder Medienmanager – eine Vielzahl an Anbietern deckt hier ein breites Spektrum an Themen ab. Ebenso umfangreich ist das Angebot an Weiterbildungsmöglichkeiten für all jene, die bereits ihr Ziel erreicht haben und ihre Kompetenzen stärken oder erweitern wollen.

Denn auch der Umgang mit Medien will gelernt sein: Und das heißt derzeit nicht, richtiges Zuhören oder gar Humorfähigkeit zu trainieren, sondern „seine Message rüberzubringen“, wie es TV-Journalistin Regina Preloznik auf den Punkt bringt.

 

Fit für die Zukunft

Die Fachhochschule St. Pölten bietet eine breite Palette zum Thema an. Wer sich etwa für das Masterstudium „Media Management“ entscheidet, wird unter anderem auf das Management von Redaktionen oder die Verwaltung von Medienplattformen in Medienhäusern vorbereitet. Um TV- und Videoproduktionen, angewandte Medieninformatik oder experimentelle Medien geht es in „Digitale Medientechnologien“. Mit dem zweisemestrigen Lehrgang „Videojournalismus und –Gestaltung für TV, Online und PR“ sollen wiederum Journalistinnen, Kameramänner und PR-Fachleute angesprochen werden. Hintergrund ist der Umstand, dass das Internet das Fernsehen als Leitmedium sukzessive ablöst. Egal für welches Studium oder welchen Lehrgang man sich letztlich entscheidet, mit dem CR 94,4 Campus Radio, das als größtes Ausbildungsradio Österreichs gilt, haben alle Studenten in St. Pölten die Möglichkeit, in die Welt der Medien reinzuschnuppern bzw. Medienkompetenz-Skills zu entwickeln.

Auf die Entwicklung von Medienkompetenz hat sich auch die Wiener Eloquenz TV-Akademie spezialisiert. Konkret bildet sie all jene aus, die eine Karriere als Fernsehmoderator anstreben. Ebenfalls zur Zielgruppe gehören bereits im Job stehende Moderatoren, die sich verbessern wollen, oder Unternehmenssprecher und Führungskräfte, die oft vor größeren Menschengruppen sprechen müssen. Betreut werden sie von einem Team von Trainern mit Medienerfahrung, erklärt Alex Stranig. Der Kärntner, seit vielen Jahren als Sprecher und Moderator tätig ist, ist für den sprechtechnischen Teil der Ausbildung zuständig.

Dazu gehört die Vermittlung gewisser Grundregeln – etwa, wie Endungen richtig ausgesprochen oder die „Sprechwerkzeuge“ Zunge, Gaumen und Kiefer mit Übungen vor Jobs fit gemacht werden. Selbst all jenen, die mit regionaltypischen Akzenten gesegnet sind, wie dem legendären „Meidlinger L“, verspricht er Heilung. Sein Rezept: Sogenannte „Artikulationsmuskelübungen“. Dazu gehört es, mit einem Korken im Mund zu sprechen. „Das schaut zwar blöd aus, bewirkt aber viel“, so Stranig.

 

Königsdisziplin Interview

Für jene Personen, auf die die Mikrofone und Kameras der Journalisten gerichtet sind, eignet sich das Programm der langjährigen TV-Journalistin Regina Preloznik. In Coachings und Seminaren versucht sie, Unternehmen und Einzelpersonen – „derzeit eine bunte Mischung aus Bankern, Medizinern, Juristen und Technikern“ –, die dringenden Nachholbedarf in puncto Medienkompetenz haben, dafür fit zu machen. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei auf das Thema Interview gelegt.

„Ein Interview ist eine Riesenchance, wenn man sich medial platzieren muss oder will“, sagt Preloznik. Umso wichtiger sei es daher, „journalistische Fallen“ zu vermeiden. Dazu gehöre es, sich ja nicht provozieren zu lassen. „Man darf nicht vergessen, dass bei einem TV- oder Radio-Interview die Fragen des Journalisten weggeschnitten werden. Antwortet man in einem unfreundlichen Tonfall auf eine Frage, so hat man zu 100 Prozent verloren“, so Preloznik. Besonderen Wert legt sie darauf, ihren Kunden zu vermitteln, wie wichtig eine gute Vorbereitung ist. Dazu gehöre es „zu lernen, mit kurzen Statements zu antworten. Schließlich können Antworten, die nur 20 bis 30 Sekunden dauern, schwieriger geschnitten werden“.

Auch Gregor Fauma, Leiter der Trainings-Unit bei der PR-Agentur bettertogether, betont die Rolle der Vorbereitung im Kontakt mit Medien. „Die Erfolgsformel lautet Trainieren, trainieren und nochmals trainieren“, sagt er. Als studierter Verhaltensbiologe ist er weniger auf sprachliche Finessen spezialisiert, als auf die Körpersprache seiner Kunden, zu denen neben Topkräften aus der Wirtschaft auch Politiker gehören. Erst durch das Zusammenspiel von verbaler und non-verbaler Kommunikation sei es möglich, seine Message überzeugend zu kommunizieren, sagt er.

Aber nicht nur die richtige Körpersprache ist essenziell, sondern auch die Optik – sprich, die Kleidung sollte sorgfältig ausgewählt werden, wie Preloznik erklärt. „Die Verpackung ist ein ganz wichtiger Punkt. Wer das nicht versteht, wird es schwer haben“, so die Medienexpertin. Schließlich sei ein Fernsehauftritt in der Regel sehr kurz. Dementsprechend müsse alles passen. „Dazu gehört auch, dass die Farben und Muster aufeinander abgestimmt sind“, sagt sie. Nachsatz: „Ist das nicht der Fall, besteht die Gefahr, dass ein Flimmern entsteht, was letztlich vom Inhalt des Gesprächs ablenkt.“ Oder dass man die zu vermittelnde Message mit dem falschen Sakko konterkariert.

Auf einen Blick

Ob vor oder hinter der Kamera: Beim Kontakt mit Medien gilt es zu vergegenwärtigen, dass alles Gesagte, Geschriebene und Gezeigte öffentlich ist – und bleiben wird. Daher sollte man schon vorher gut überlegen, was die Kernaussage sein soll, wie man sie vermitteln will und wie man dabei wirken möchte. Dabei hilft: Üben, üben und selbstkritisch sein.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.fhstp.ac.at, www.media-trainer.at, www.bettertogether.at,
www.tv-akademie.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2012)

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