Software: Das Tablet als Bauhelfer

Smartphone und Tablet sind allgegenwärtig – zunehmend auch auf der Baustelle. Häuselbauer finden in den App-Stores eine Vielzahl kleiner Helfer für Planung und Ausführung.

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Die Zukunft gehört den mobilen Anwendungen – niemand nimmt einen PC auf die Baustelle mit, Smartphone oder Tablet schon“, sagt Markus Hofer, Fachgruppengeschäftsführer Bau bei der WK Oberösterreich. Dabei hat er vor allem professionelle Anwendungen im Sinn, wie etwa die im Vorjahr von der Landesinnung OÖ veröffentlichte Bau-App. Diese ermöglicht vor Ort die rasche Berechnung von Wärmedämmungen (U-Wert), bietet Zugriff auf Normblätter und hat einige praktische Tools wie die Grundstücksvermessung mittels GPS integriert. Letzteres ist eine der Funktionen, die laut Hofer auch für private Bauherren von Nutzen sein kann. Prinzipiell steht die App jedem Bauinteressierten kostenlos zur Verfügung, lediglich die Normenabfrage ist an einen Gewerbeschein gebunden.
Primär an Profis richtet sich auch DefectRadar. Die seit etwa einem Jahr erhältliche App wurde konzipiert, um Baumängel zu dokumentieren und deren Behebung zu managen. Sie wird aber auch allgemein zur Koordination von Bauvorhaben genutzt, berichtet Domagoj Dolinsek von DefectRadar. Vor allem die Chat-Funktion sowie der Umstand, dass alle Beteiligten dabei auf dieselben Unterlagen zugreifen können, sind Funktionen, die auch für private Häuselbauer hilfreich sein können. Sollte ein Partner nicht über Smartphone oder Tablet verfügen, kann er auch via Web-Browser am PC einsteigen. Die monatliche Gebühr von 69 Euro fällt nur für einen Koordinator an, die anderen Beteiligten können es gratis herunterladen. Eine abgespeckte, auf Einfamilienhäuser zugeschnittene Version ist angedacht. Bis dahin empfiehlt Dolinsek Evernote. Die bekannte App zum Sammeln und Teilen von Unterlagen und Notizen eignet sich auch zur Dokumentation und Koordination von Bauvorhaben.

Filialen und Farbtöne finden

Für Häuselbauer gibt es auch jede Menge spezialisierter Helfer am Handy oder Tablet. Baumärkte wie Hornbach oder OBI bieten – nicht ganz uneigennützig – Gratis-Apps, mit denen das Sortiment durchstöbert (Hornbach) oder die Kundenkarte auf das Handy gebracht werden kann (OBI). Filialfinder und diverse Servicebeiträge inklusive. Obi bietet zudem eigene Apps zu den Themen Kamin und Pflanzen sowie einen Farbfinder. Das Thema Farben wird auch – im Rahmen des eigenen Sortiments – erschöpfend von der Brillux-App abgehandelt. Neben der Produktübersicht und einer Farbpalette kann vor allem der mit der Handykamera gekoppelte Farbtonscanner hilfreich sein. Wie die Farbe an der Wand dann tatsächlich wirkt, darauf geben Apps wie Paint Tester, Tap Painter oder Wall Painter Lite einen Vorgeschmack. Das Prinzip ist immer dasselbe: Auf einem Foto des jeweiligen Raumes können Wände virtuell neu ausgemalt werden. Ähnliches bietet die Hagenbau-Fassaden-App für den Außenbereich.
Zum Thema Inneneinrichtung gibt es zahllose Apps. Zwar ist deren große Stunde erst nach Abschluss der Bauphase gekommen, ein grober Eindruck, wie die Räume möbliert aussehen, kann aber auch hilfreich sein, um den Bauplan auf Praxistauglichkeit zu testen und Entscheidungshilfen zu geben. Tipp: Die kleinen Handy-Displays überfordern mitunter die Vorstellungskraft. Aktuelle Smartphones können ihren Display-Inhalt mit Funktionen wie Miracast auf – ebenfalls aktuellen – Smart-TVs darstellen.
Wer nicht nur planen, sondern auch Hand anlegen will, wird dabei ebenfalls vom Smartphone unterstützt. Etwa durch Hersteller-Apps wie die des Mörtel- und Baumaterialherstellers Saint-Gobain Weber. Die Weber-App präsentiert die Produktpalette und gibt auch Infos zur Verarbeitung.

Messen mit dem Smartphone

Viele Apps widmen sich dem Thema der Vermessung. Schier zahllos sind die Wasserwaagen-Apps, die oft in größere Apps integriert sind, wie bei der eingangs erwähnten Bau-App. Ausgefeilte Vertreter wie Clinometer nutzen zusätzlich zu den Lagesensoren die Kamera. Zudem gibt Clinometer die Neigung auf Wunsch in im Baugewerbe üblichen Einheiten an.
Steht zumindest schon ein Rohbau, so können auch Raum-Vermessungs-Apps hilfreich sein. RoomScan etwa erstellt Grundrisspläne, indem man ein iPhone gegen die Wände hält. MagicPlan gelingt dieses Kunststück anhand von Fotos der eingebauten Kamera. Zudem kann man die Räume auch mit Einrichtung bestücken. Die Genauigkeit dieser Apps reicht zwar nicht aus, um Bauarbeiten zu planen oder eine Einbauküche danach zu bestellen. Sehr wohl aber kann damit der Materialbedarf bei Renovierungsarbeiten abgeschätzt werden. Die vom Handy generierten Pläne eignen sich auch für Immobilieninserate. Etwa, wenn man vor dem Umzug in das neue Haus die alte Wohnung verkaufen will.

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