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Der große "Presse"-Berufseinstiegsguide

Alles für den Karrierestart

  • Wunsch: Was Einsteiger vom ersten Job erwarten
  • Wirklichkeit: Was Einsteiger im ersten Job bekommen
  • Wege zum Job: Was Eintsteiger tun müssen

Zusammengestellt von Andrea Lehky, Teresa Wirth und Michael Köttritsch

Wunsch

Wünsch Dir was

Jobeinsteigern sind attraktive Arbeitsaufgaben, freundliche Kollegen, Anerkennung im Job und Entwicklungsmöglichkeiten wichtig. Weniger Wert legen sie auf einen Arbeitsplatz, der Status und Prestige bringt.

Was wir wirklich wollen

Sinn im Job finden, etwas weiter bringen, aber in der Freizeit nicht an die Arbeit denken müssen. Das steht auf dem Wunschzettel vieler Jobeinsteiger.

Zeit zum Surfen. Oder um Gitarre zu spielen. Die Oma zu betreuen. Oder mit Freunden abzuhängen. Kurz: Freizeit ist das Zauberwort. Das wollen junge Jobeinsteiger.

Gut, natürlich wollen sie auch viel verdienen, flexibel und mobil arbeiten und sich weiterbilden können. Alles wichtig. Aber unterm Strich muss genügend Zeit bleiben, die eben nicht Arbeitszeit ist. Zu diesem Ergebnis kommen so gut wie alle Befragungen der vergangenen Monate unter Jobeinsteigern.

In den Befragungen zeigt sich auch, dass nur jeder Zweite glücklich mit der Anzahl der Arbeitsstunden ist. Rund die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten würde ihr Pensum gern reduzieren. Bei 40 Wochenstunden Arbeit Beruf und Familie/Hobbys/andere Interessen miteinander zu vereinbaren, das gelingt nur weniger als einem Drittel der Befragten.

Für den Großteil wäre es ideal, weniger Zeit im Job verbringen zu müssen. Oder sich die Arbeitszeit und den Arbeitsort flexibel einteilen zu können. Denn, und auch das zeigt sich: Jobeinsteiger wollen intensiv arbeiten und etwas weiterbringen – und in ihrer Freizeit nicht an den Job denken.

Gut und Teuer

Stunden zu reduzieren ist für 33 Prozent der Vollzeitbeschäftigten jedoch eine Geldfrage, sie können es sich nicht leisten, weniger zu arbeiten. Denn mit dem Einstieg ins Berufsleben steigen auch die Fixkosten: Gut, die Miete war auch schon vorher zu bezahlen, aber mit einem Schlag fallen sämtliche Ermäßigungen weg, auf die Studierende Anspruch haben.

Und das kann sich mitunter beträchtlich auswirken: Fahrkarten, Eintrittskarten etc. werden mit einem Schlag teurer. Und auch die Ansprüche steigen, sobald das Gehalt regelmäßig auf dem Konto eintrudelt. Das ist eine Alterserscheinung – auch bei Mittzwanzigern.

Sinn Suchen

Was der überwiegende Teil der jungen Mitarbeiter außerdem will: Für Unternehmen tätig sein, die nicht nur auf reine Gewinnmaximierung ausgerichtet sind, sondern ihrer Tätigkeit auch einen übergeordneten Sinn geben. Für mehr als die Hälfte ist der tiefere Unternehmenszweck auch einer der Hauptgründe für die Jobwahl.

 

Studierende, was wünscht ihr euch? Studierende, was wünscht ihr euch?

Fünf Studierende, fünf Berufsziele, fünf Wunschzettel. Alle fünf sehr individuell. Was sie eint, ist ein Anspruch an den künftigen Job: Er muss Spaß machen.

Was erwarten sich die jungen Studenten wirklich vom Arbeitsleben? Ist es der schnelle Aufstieg in die Managerposition, der sie antreibt? Das Traumbüro mit Hightech-Ausstattung und Wuzzlertischzur Entspannung zwischendurch in der „lounge area“? Oder sind die meisten ohnehin froh, wenn sie nach dem Studium irgendjemand einstellt, egal, was es zu tun gilt?

Wir haben fünf Studierende gefragt und fünf verschiedene Meinungen gehört. Und doch ergibt sich ein Bild: Sie alle wollen Karriere machen, aber nicht um jeden Preis. Überstunden sind selbstverständlich, zumindest, solange keine Kinder da sind. Ins Ausland gehen, flexibel sein, sich weiterentwickeln, besser werden – das ist es, was zählt. Denn langweilig darf der Job nicht sein. Der Spaß ist das Wichtigste. Viel wichtiger als das Geld.

Anna Krenn, 23 Jahre

Master Klinische Psychologie und Psychologisches Diagnostizieren, Sigmund Freud Privatuniversität

Anna Krenn
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Anna Krenn
Anna Krenn – Àkos Burg

Ursprünglich wollte Anna Krenn Medizin studieren. Doch sie scheiterte am Aufnahmetest und musste sich eine Alternative überlegen. Psychologie war ein Fach, das sie schon in der Schule spannend fand. Außerdem wäre auch so eine Arbeit im Krankenhaus möglich. „Warum also nicht?“, sagt die heute 23-Jährige über ihre damalige Entscheidung. Bereut hat sie ihre Wahl nicht. Mittlerweile ist sie im ersten Semester von gleich zwei Masterstudiengängen an der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien, Klinische Psychologie und Psychologisches Diagnostizieren. Die „vielen Facetten der Psychologie auskosten“, das plant Anna auch für später. Durch das breit gestreute Feld würden sich viele berufliche Möglichkeiten ergeben. Während es im Krankenhaus nur wenige Ausbildungsplätze für Klinische Psychologen gäbe, die noch dazu schlecht bezahlt würden, finde man etwa in Schulen oder der Wirtschaft viel einfacher einen Job. „Da muss man sehr flexibel sein.“ Denn mit einer solchen Einstellung komme dann auch die Bezahlung, da ist sie sich sicher.

Das Gehalt sei neben einem interessanten, sinnvollen Job, in dem sie sich weiterentwickeln könne, „nicht unwichtig“. Sie möchte dann, wenn sie eine Familie gründet, ihren Kindern „auch etwas bieten können“. Das habe aber noch Zeit. Dass man in der Psychologie trotz großer Beliebtheit des Studiums Karriere machen kann, davon ist Anna überzeugt. Man müsse sich eben eine Nische suchen.

Für einen guten Job könne sie sich vorstellen, zurückzustecken oder eine Zeit lang wegzuziehen. Die Charité in Berlin mit ihrer großen Kinder- und Jugendpsychologieabteilung sei einer ihrer Traumarbeitgeber.

Sie ist sich bewusst, dass die Arbeit mit Patienten auf die Privatsphäre übergreifen kann. „Solange es im Rahmen bleibt, ist das für mich in Ordnung.“ Aber gerade durch diese belastende Arbeit ist ihr ein Arbeitsplatz wichtig, bei dem das Kollegium passt und ein „Auffangnetz“ darstellt.

Moritz Dragosits, 25 Jahre

Master Volkswirtschaft, WU Wien

Moritz Dragvits
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Moritz Dragvits
Moritz Dragvits – Àkos Burg

Moritz Dragosits denkt langfristig. Zum Beispiel an die Pension. Oder wie er sie vermeiden kann. Der Volkswirtschaftsstudent möchte nämlich einen Job, den er mit 70 Jahren immer noch gern macht und ausüben kann. Ein bisschen zurückschrauben würde er dann schon. Auf 20, 25 Stunden. Langweilig darf ihm aber nicht werden, das ist klar.

Analytisch denken, das liegt dem 25-Jährigen. Deswegen hat er sich auch für Volkswirtschaft entschieden. Aber neben dem Interesse für das Fach haben zukünftige Berufsaussichten bei der Studienwahl mitgespielt. Mittlerweile ist er im letzten Semester des Masters. Sorgen, dass er einen geeigneten Job finden wird, macht er sich nicht: „Jedes größere Unternehmen, jede Bank braucht Volkswirte.“

Karriere machen will Moritz schon. „Geld ist aber nicht das oberste Ziel.“ Er werde immer so genug verdienen, dass er davon gut leben kann, ist er überzeugt. Karriere bedeute vielmehr, „in dem, was ich mache, gut zu sein. Einer der Besten.“ Um das zu erreichen, ist es für ihn selbstverständlich, auch weit mehr als 40 Stunden pro Woche zu arbeiten. „Es ist mir klar, dass das sein muss“, zumindest in den ersten Jahren. Von seinem ersten Arbeitgeber nach dem Studium erwartet er sich kein tolles Büro, keine Extras wie den Wuzzlertisch im Pausenraum oder ein eigenes Fitnesscenter. „Für mich ist das alles viel Show. Ganz nett, aber wenn man es nicht hat, kommt man auch über die Runden.“ Für ihn reichten ein Schreibtisch und ein „ordentlich funktionierender“ Laptop. Aber: „Ich muss mich weiterentwickeln und viel lernen können.“ Biete ihm das sein Arbeitgeber nicht, würde er wieder gehen. Denn Sicherheit, die stehe beim ihm „ganz an letzter Stelle“.

Maria Wirth, 21 Jahre

Zahnmedizin, Med-Uni Wien

Maria Wirth
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Maria Wirth
Maria Wirth – Àkos Burg

„Ich muss mir nicht viel überlegen, was danach kommt“, sagt Maria Wirth. Die 21-Jährige studiert Zahnmedizin im dritten Semester. In ihr Studium gehe jede und jeder mit einem fixen Ausgang, einem klaren Berufsbild hinein: „Fertigwerden ist das Ziel“, meint sie. Gerade deshalb, weil sie so genau weiß, welches Arbeitsumfeld und welcher Job auf sie warten, habe sie sich für ihr Studium entschieden. „Ich habe lange überlegt, ob es Allgemeinmedizin oder Zahnmedizin oder doch Soziale Arbeit sein soll.“ Die Möglichkeit zu einem selbstständigen Zeitmanagement war ausschlaggebend für ihre Wahl. „Wenn es mit der eigenen Praxis gut läuft, kann ich mir selbst einteilen, wann ich arbeiten will.“ In einem Krankenhaus mit vielen Nachtdiensten zu „stecken“, das wollte sie nicht. Besonders dann, wenn sie an später denkt. Hat sie Kinder, möchte sie, „dass am Nachmittag oder Abend immer jemand bei den Kindern ist.“

Eine Zeit lang zurückzuschrauben und danach wieder voll ins Berufsleben einzusteigen, sei in ihrem Beruf wesentlich einfacher „als in einer Firma, in der man durch jemand anderen ersetzt wird“.

Dass sie als Zahnärztin Karriere macht, kann sich Maria nicht vorstellen. Aber gut sein will sie, weil sie dadurch Sicherheit bekommt und schneller wird. Um das zu erreichen, würde sie auch ins Ausland gehen. Dort gebe es, gerade in der Medizin, viel mehr Möglichkeiten, „Neues zu lernen, das in Österreich noch nicht gang und gäbe ist“.

Höhere Priorität als die Karriere hat für die Wienerin der Spaß am Beruf. Er sei „das Wichtigste, um dabei zu bleiben“ und ihre Arbeit motiviert und mit Überzeugung verrichten zu können. „Sich ausleben können“, das will sie im Beruf, aber auch in der Freizeit. Deswegen war das gute Gehalt als Zahnärztin auch ein Faktor bei der Berufswahl. So habe sie die Möglichkeit, „andere Sachen für mich zu verwirklichen“. Ein Traum von ihr ist es, ein Gesundheitsprojekt für sozial schwächere Menschen zu unterstützen oder sogar selbst auf die Beine zu stellen.

Anika Gassner, 20 Jahre

Technische Physik, TU Wien

Anna Gassner
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Anna Gassner
Anna Gassner – Àkos Burg

Halbe Sachen oder gar Stillstand, das scheint Anika Gassner ein Graus zu sein. Sie möchte, dass etwas weitergeht. „Um etwas zu erreichen, glaube ich schon, dass man oft mehr arbeiten muss.“ Wo genau, das weiß die Physikstudentin noch nicht. In ein Unternehmen zu gehen, wo sie etwas entwickeln oder verbessern kann, oder auch in die angewandte Forschung, das würde sieinteressieren. Auch Chefin zu sein kann sie sich vorstellen. „Wenn es sich ergibt. Mein primärer Plan ist das aber nicht.“ Einen konkreten Plan hatte die 20-Jährige auch bei der Studienwahl nicht. „Ich habe einmal das gemacht, was mir am meisten Spaß macht.“ Wie es nach dem Studienabschluss weitergeht, daran denkt sie vor allem, „wenn es grad ein bisschen zach ist und ich mich frage, wieso ich das jetzt eigentlich mache.“ Denn dass sich das schwere Studium auf dem Jobmarkt auszahlen werde, dessen sei sie sich schon bewusst.

Als TU-Absolventin werde man doch eher gesucht: „Wenn man sich ein bisschen bemüht, dann ist dir ein Job relativ sicher.“ Ein hohes Gehalt ist Anika nicht so wichtig. Es muss die Miete abdecken, sie möchte gut leben können, aber einen langweiligen Job würde sie deswegen trotzdem nie machen wollen. Nur herumsitzen, das ist nichts für sie. „Ich will auf keinen Fall zehn Jahre nichts arbeiten.“ Dass sie sich bereits Gedanken darüber macht, wie eine Familie und die Karriere zu vereinbaren sind, macht sie ihrer Meinung nach eher zur Ausnahme unter ihren hauptsächlich männlichen Studienkollegen. Ihr zukünftiger Partner solle auf jeden Fall auch in Karenz gehen, sodass sie bald wieder arbeiten kann. Sonst, glaubt Anika, sei es schwierig, wieder zurückzukommen. Teilzeit, solange die Kinder klein sind, sei vorstellbar, aber nicht ewig: „Da bringt man nichts weiter. Das würde mich nicht zufriedenstellen.“

 

Jakob Hajszan, 20 Jahre

Rechtswissenschaften, Juridicum Wien

Jakob Hajszan
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Jakob Hajszan
Jakob Hajszan – Àkos Burg

Ich möchte auf jeden Fall in Karenz gehen.“ Obwohl Jakob Hajszan erst 20 Jahre alt ist, weiß er schon ziemlich genau, was er will. Selbst eine Familie zu haben, ist in seinem Lebensplan vorgesehen. Dafür muss, genauso wie für Freunde, „immer Zeit sein“. Das bedeutet für den Wiener aber nicht, dass er im Berufsleben weniger Ambitionen hat. Sein Traum ist die Justiz, Richter oder Staatsanwalt. Das weiß er schon, seit er 15 Jahre alt ist. Um dieses Ziel zu erreichen, muss er sich „g’scheit anstrengen“. Das tut er im zweiten Semester am Juridicum, aber dann in der Anwärterschaft müsse er das erst recht. „Ich kann mir vorstellen, eine längere Zeit am Stück nur mit Arbeit zu verbringen.“ Wenn es eine aufwendige Klage gibt zum Beispiel. „Das erwarte ich mir auch. Aber wenn es mich interessiert, dann ist das nicht so schlimm.“ Viel Arbeit ist für Jakob also kein Problem, „aber nur, wenn es dann wieder Tage gibt, an denen man nichts macht.“ Ein Verfechter der Work-Life-Balance. Das und der Spaß am Beruf seien ihm wichtiger als ein hohes Gehalt. Geld sei gut, aber alles könne es nicht aufwiegen. „Wenn ich mich pausenlos frage: ‚Oh Gott, warum mache ich das?‘, dann hat es keinen Sinn.“ Deswegen könnte er etwa nie einen Mörder verteidigen.

Die Karriereleiter hinaufklettern will er in der Justiz zumindest so weit, dass er „so schnell wie möglich vom Bezirksgericht“ wegkommt. Eine Stufe höher, am Landesgericht, würde er auch länger bleiben. „Dort gibt es die interessanteren Fälle.“ Das „ultimative Ziel“ ist für den jungen Jusstudenten, einer der „14 Auserwählten am Verfassungsgericht“ zu sein. Aber das sei ein bisschen Träumerei, „ein urcooler Bonus, aber nichts, was ich mir erwarte“.
[O3VNM]

Wer bin ich?

Das Zukunftsinstitut beschreibt acht zeitgeistige Typen junger Menschen. Und wonach jeder von ihnen strebt. Auch in der Karriere.

1. Die Digital-Kreativen

Sie sind jung. Früher nannte man sie Nerds, weil sie gar so in Technologie verliebt waren. Heute haben sie verstanden, dass sie gemeinsam weniger einsam sind. Ihre Freunde, real und digital, haben sie zumindest virtuell immer dabei. Zwei Dinge zeichnen die Digital-Kreativen aus: Wenn ihr Wissen wächst, macht sie das wirklich, wirklich froh. Natürlich nicht jedes (sorry, Lehrer), sondern nur das, was sie interessiert. Und nicht im Frontalunterricht, sondern über YouTube-Tutorials oder andere Digitalquellen. Kleiner Trost für genervte Eltern: Ihre Kids sind nicht faul, sondern selektiv. Die zweite Mission der Digital-Kreativen ist die Jagd nach dem Serendipity-Moment, der unerwarteten Entdeckung, die ihnen den großen Durchbruch bringt. Und alle Probleme der Welt löst.

2. Die Neo-Hippies

Neo-Hippies sind keine High Potentials. Leistung ist ihnen egal, viel wichtiger ist, das Leben auszukosten. Wer ihre Instagram-Chronik verfolgt, findet eine unterbrechungslose Aneinanderreihung von Full-Moon-Partys und Kleidertausch-Happenings (Neo-Hippies sind Treiber der Sharing-Kultur), von kollektivem „Superbowl“- und „Game of Thrones“-Schauen. Womit wir auch schon beim Schlüsselbegriff sind: kollektiv. Nichts fürchten Neo-Hippies mehr, als allein zu sein. Sie feiern mit ihren Mädels oder Bros, jenen Peers, die ihnen Halt und Orientierung geben. Glücklich sind sie, wenn sie ihre Crew hinter sich wissen.

3. Die Proll-Professionals

Manche lächeln, wenn sie sie sehen: Bizeps und Botox beschreiben sie gut, auch Lebenslust und Luxus. Selbst, wenn sie sich den gar nicht leisten können. Proll-Professionals wollen gesehen werden. Es macht sie glücklich, Aufmerksamkeit zu bekommen. Und eine Stellung in der Gesellschaft. Dass ihnen diese nicht in den Schoß fallen wird, wissen sie. Aber wenn man sich nur genug anstrengt, erreicht man alles. Der Ehrgeiz treibt sie auch im Job an. Außerhalb ihres Wertekosmos interessiert sie wenig. Wozu Politik und Gesellschaft, wenn man sich die Zeit auch mit Action-Movies vertreiben kann?

4. Die Party-hopper

Sie sind nicht nur auf Partys zu finden. Sondern auf jeder Bühne, die ihnen Aufmerksamkeit schenkt. Nur ihnen allein. Party-Hopper sind Einzelgänger mit Groupies. Ihre Mission heißt „Ich“. Ich verwirkliche mich – individuell und autonom (wie sie meinen), egoistisch und rücksichtslos (wie manch anderer meint). Party-Hopper lieben das Risiko, den anonym-urbanen Raum und die Polygamie. Ganz besonders lieben sie ihre liebevoll inszenierten digitalen Identitäten, zelebrieren ihre mit Selfies gespickten Instagram- und Snapchat-Profile. Was sie richtig glücklich macht: ebendort einen neuen Trend zu setzen. Der Arbeitswelt können sie nur wenig abgewinnen.

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(c) Getty Images/iStockphoto (TomasSimkus)

5. Die Self-Balancer

Was tut mir und meinem Körper gut? Das ist die Grundfrage jedes Self-Balancers. Yoga, klar, doch selbst hier scheiden sich die Geister. Denn was „ausgeglichen“ bedeutet, beantwortet jeder Self-Balancer anders. Sicher ist: Über allem steht die Gesundheit. Und der Job muss ihnen ein ausgewogenes Leben ermöglichen, wie immer das aussieht. Self-Balancer sind meist Wissensarbeiter, die sich mit einem einfachen, fast bescheidenen Lebensstil zufriedengeben. Falsch wäre es, sie als Konsumverweigerer zu bezeichnen, denn für „bio“ und „regional“ geben sie ihr Geld gern aus. Glück heißt hier, mit sich selbst in Harmonie zu leben.

6. Die Vorwärts-macher

Sie wissen, was sie wollen: Weiterkommen. Erfolg haben. Karriere machen. Auf den ersten Blick wirken die Vorwärts-Macher – jung, selbstbewusst und bestens gebildet – wie beinharte Karrieristen. Das macht sie zum Zielobjekt jedes Personalisten, sofern dieser mit ihrem Eigensinn und ihrer Abneigung gegen starre Bürokratien umgehen kann. Doch Vorwärts-Macher wollen mehr: Sie wollen Umwelt und Gesellschaft zum Guten verändern. Leistung steht gleichwertig mit sozialem Engagement und Selbstentfaltung. Womit wir auch schon wissen, was sie glücklich macht: etwas bewegen zu können.

7. Die modernen Nomaden

Zwei Begriffe beschreiben die modernen Nomaden: global und digital. Sie ziehen durch die Welt und arbeiten dabei remote ihre Projekte ab. Sie sind auftragsloyal und verlässlich, schon weil es sonst keine Folgeaufträge gibt. Freundschaften schließen sie im echten Leben (am Flughafen, auf dem Markt oder im Tempel) und pflegen sie virtuell. Glück heißt, eine Couch (oder Hängematte) zum Schlafen zu haben und sich als wahrer Weltbürger zu fühlen. Mit 20 ist das großartig, mit 30 auch noch (das erste Baby kommt im Tragetuch mit). Ab Ende 30 fällt eine gewisse Rastlosigkeit auf. Dann haben sie endgültig alle Wurzeln verloren und können gar keine Verbundenheit mehr eingehen. Auch nicht zum Arbeitgeber.

8. Die Mainstreamer

Bloß nicht auffallen. Sich sicher und geborgen in der Mitte der Gesellschaft fühlen. Mitlaufen. Mainstreamer verhehlen ihren Drang zur Durchschnittlichkeit nicht einmal. Der macht sie für manche Unternehmen sehr interessant. Weil Mainstreamer sorgfältig auswählen, welchen Strömungen sie nachlaufen, übernehmen sie nur Entwicklungen, die sich mit großer Wahrscheinlichkeit weit verbreiten werden. So gesehen sind sie das beste Trendbarometer für Massenströmungen. Und auch sonst so herrlich angepasst.

Wirklichkeit

So wirklich ist die Wirklichkeit

Die Erwartungen der Arbeitgeber sind hoch. Egal in welcher Branche, neben dem Fachwissen werden Kommunikations- und Kritikfähgikeit erwartet. Und: unternehmerisches Denken. Leistung sowieso.

Lasst uns ein Tabu brechen

Hier geht es um zwei böse Begriffe: um Leistung und Autorität.

Ein Buffet, übervoll mit den köstlichsten Leckereien. Ein Berufseinsteiger steht davor und weiß nicht: Womit soll er anfangen? Mit dem Roastbeef? Dem Bioauflauf? Der Maronischnitte? Er kann sich nicht entscheiden. Eine Weile steht er ratlos vor dem Buffet. Dann fällt ihm ein: So hungrig ist er ja gar nicht. Er zuckt die Schultern, dreht sich um und schlurft – zu Starbucks. Dort kennt er sich aus. Erleichtert holt er sich einen Muffin und versinkt in einem Sofa.

Unrealistisch? Keinesfalls. Genau so geht es jedem Studenten, jedem Absolventen beim Berufseinstieg. Er bekommt unzählige Wahlmöglichkeiten und noch mehr Versprechen. Welchen soll er folgen? Wo findet er Sinn und Erfüllung, nach denen er doch so verzweifelt sucht?

Völlig falscher Ansatz

Das Thema bringt Österreichs Karriere- und Gehaltsexperten Conrad Pramböck in Rage. „Völlig falscher Ansatz“, wettert er. „Die Eltern haben diesem Studenten wohl immer gesagt: ‚Kind, du kannst alles machen, was du nur willst.‘ Aber er weiß ja gar nicht, was er will. In seiner Überforderung nimmt er das, was er schon kennt.“

Da stehen einer Generation alle Türen offen, sie hat Zugang zu allen Informationen dieser Welt – und kann nichts damit anfangen. Also richtet sie ihr Streben nach „Sinn und Erfüllung“ aus und jagt das, was sie vermeintlich glücklich macht.

Schon wieder falsch, ärgert sich Pramböck. Sinn und Erfüllung zu geben sei nicht Aufgabe der Wirtschaft. Sondern Leistung zu verlangen. Ziele zu erreichen. Arbeiten. Und jetzt heißt es, ganz stark zu sein: Der Berufseinstieg ist kein Wunschkonzert. Und die Arbeitswelt kein Ponyhof. „Es geht nicht darum, was euch ‚erfüllt‘“, meint Pramböck. „Sondern darum, was getan werden muss. Ihr müsst euch eingliedern. Nach Anweisung arbeiten. Performen.“

Es geht nicht um Selbstverwirklichung?

Das erschreckt viele Berufseinsteiger. (Nicht alle, das halten wir hier ausdrücklich fest. Aber beunruhigend viele.) Nun, sie könnten wenig dafür, relativiert Pramböck. Ihre Eltern hätten ihnen jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Ihnen alle Steine aus dem Weg geräumt. Und wären beim ersten Nicht genügend zum Lehrer gerannt und hätten ihre Kids mit Zähnen und Klauen verteidigt.

Bis auch die Lehrer klein beigaben. Was taten die in ihrer Not? Sie senkten das Anspruchsniveau (schlagt nach bei PISA) und ließen so viele Schüler durch wie nur möglich. Das Spiel setzte sich dann an der Universität fort.

In der Wirtschaft passierte derweil das schiere Gegenteil. Hier stiegen die Anforderungen von Jahr zu Jahr. Die Wirtschaft sucht händeringend nach Fachkräften, nach Talenten mit Biss. Der heimische Nachwuchs sei, so sagen Personalisten übereinstimmend, gelinde gesagt kapriziös. Der eine sagt schon bei der Bewerbung, dass ihm seine persönliche Work-Life-Balance wichtiger ist als die Anforderungen der Firma. Der andere lehnt Dienstreisen ab, weil er sonst womöglich den Yogakurs/den Jour fixe in der Kraftkammer verpassen würde.

Wen wundert es da, dass die Jobs nach Osteuropa oder Asien abwandern? Dort tun die Leute einfach, was man ihnen sagt. Ohne Wenn und Aber. Und billiger sind sie auch noch.

Bleibt die Frage: Wie macht man es richtig? Ganz einfach, gibt sich Pramböck jetzt versöhnlich. Selbst wenn es ein Tabu bricht: Legt euren Widerwillen gegen Autoritäten ab. Der Chef, die Chefin kennen sich aus. Wissen, wo es langgeht. Wissen, was wichtig ist, und fordern einen Neuling so lang, bis er es kann. Bringen ihm bei, was es braucht, um zu überleben. Bis dahin: Lasst euch etwas sagen.

Und die Kohle?

Für gute Arbeit gibt es gutes Geld. An diesem Prinzip hat sich nichts geändert. Doch erst muss man beweisen, dass man gute Arbeit leisten kann. Soll heißen: Die Einstiegsgehälter steigen kaum, sie werden höchstens an die Inflation angepasst (siehe Tabelle). Wer am oberen Ende kratzen will, muss belegen, wie viel er kann. Muss sich schon bei der Bewerbung in Theorie und Praxis so anpreisen, dass der Personalchef seinen konkreten Nutzen für die Firma erkennt. Auch wenn es schwerfällt: Man muss sich und seine Leistungen verkaufen (da ist es wieder, das böse Wort Leistung).

Nach drei bis fünf Jahren kann es dann so richtig nach oben gehen. Schneller, als das früher möglich war. Weil für die Firmen gilt: erst schauen, dann zahlen.

Wie man im Job richtig glücklich wird

Die Arbeit, in der man richtig aufgeht. Der Job, der zu einem passt. Hier steht, wie man das findet.

Jeder Mensch will er selbst sein dürfen. Das tun, was ihm am meisten Spaß macht. Hier kommt ein Geheimnis des Lebens: „Das Ihre wird ,glücken‘, wenn Sie es schaffen, Ihre Bedürfnisse mit Ihren Begabungen in Einklang zu bringen“, fand der Schweizer Arzt Remo H. Largo heraus.

Das klingt kompliziert, ist es aber nicht. Fangen wir mit den Bedürfnissen an. Erinnern Sie sich an die Maslowsche Pyramide? Im Unterschied zu dieser sind hier alle Bedürfnisse gleichrangig. Jedes ist so viel wert wie das andere. Sie sind nur unterschiedlich stark ausgeprägt.

Körperliche Bedürfnisse

Wer hungrig, durstig oder müde ist, dem geht es nicht gut. Aber manche können ihren Hunger wegdrücken oder arbeiten auch nach nur vier Stunden Schlaf wie ein Uhrwerk. Wie ist das bei Ihnen: Hören Sie auf Ihren Körper? Oder ist Ihr Kopf meist stärker?

Geborgenheit und Zuwendung

Wie viel davon brauchen Sie? Fühlen Sie sich angenommen, in der Familie, an der Uni, beim Partner, bei Freunden, im Job? Wie war das früher? Wie viel tragen Sie selbst dazu bei?

Anerkennung

Bekommen Sie genug davon? In jedem Lebensbereich? Woran liegt ein Zuviel/Zuwenig?

Selbstentfaltung

Lernen, sich weiterentwickeln, wachsen: Wie wichtig ist Ihnen das? Lässt man Sie? Wer oder was hilft Ihnen dabei, was bremst Sie?

Leistung

Sind Sie ehrgeizig? Wollen Sie etwas bewegen? Wann fühlen Sie sich unter- oder überfordert? Wo können Sie zeigen, was Sie draufhaben?

Existenzielle Sicherheit

Ein Dach über dem Kopf, ein Kasten voller Kleider: Manche brauchen das mehr, andere weniger. Hatten Ihre Eltern Existenzsorgen? Wie gingen sie damit um? Und Sie?

Zeichnen Sie jetzt ein Spinnennetzdiagramm mit sechs Achsen, die Sie mit den Grundbedürfnissen beschriften. Dann tragen Sie ein, wie stark jedes einzelne bei Ihnen ausgeprägt ist. Sind Sie etwa ehrgeizig, kommen aber mit der Besenkammer in der WG aus, dann geben Sie sich einen hohen Wert bei „Leistung“ und einen niedrigen bei „Existenzielle Sicherheit“.

Nächster Schritt: Jetzt untersuchen Sie Ihren Traumjob (oder Ihren jetzigen), wie sehr er diese Bedürfnisse befriedigt. Ist Ihnen etwa Selbstentfaltung wichtig, sind Sie als Buchhalter wohl nicht so glücklich.

Was können Sie gut?

Nun wissen Sie mehr über Ihre Bedürfnisse. Jetzt schauen wir uns Ihre Kompetenzen an. Ihre Noten sind da keine Hilfe. Sie wären vielleicht top in Sprachen, hatten aber keine Zeit dafür, weil Sie immer Mathe büffeln mussten. Am Ende waren Sie in beidem durchschnittlich. Lektion fürs Leben: Richtig glücklich werden Sie nur, wenn Sie sich im Rahmen Ihrer Talente ausleben können.

Soziale Kompetenz

Können Sie sich gut in andere einfühlen? Verstehen, was sie bewegt? Interessiert es Sie überhaupt?

Sprachliche Kompetenz

Sind Sie gut in Deutsch? Liegen Ihnen Fremdsprachen? Haben Sie schon immer gern geschrieben, egal ob Tagebuch oder Bachelorarbeit? Reden Sie gern vor Publikum?

Musikalische Kompetenz

Singen oder tanzen Sie? Spielen Sie ein Instrument? Als Kind? Und heute?

Figural-Räumliche Kompetenz

Zeichnen und basteln Sie gern? Wie steht es mit Ihrem Orientierungssinn? Können Sie sich etwas Dreidimensionales vorstellen?

Logisch-Mathematische Kompetenz

Sind Sie gut im Rechnen? Habe Sie Ihre Finanzen im Griff? Können Sie selbst programmieren? Dann geben Sie sich hier einen hohen Wert.

Zeitlich-planerische Kompetenz

Sind Sie ein Chaot? Oder immer pünktlich und gut organisiert? Planen Sie gern lang im Voraus?

Motorisch-Kinästhetische Kompetenz

Fußballer, Grafiker, Chirurgen: Alle drei sind motorisch begabt, aber auf unterschiedlichen Gebieten. Wo liegen Ihre? Worin sind Sie geschickt? Eher fein- oder eher grobmotorisch?

Jetzt zeichnen Sie wieder ein Spinnennetzdiagramm, diesmal mit sieben Achsen, und tragen ein, wie ausgeprägt diese Kompetenzen bei Ihnen sind. Analysieren Sie Ihren Wunschjob: Kann jemand etwa mit schwacher Sozialkompetenz ein guter Arzt werden? Bevor er sich täglich über seine Patienten ärgert: Wäre es da nicht besser, er ginge in die Forschung? Machen, was man gut kann und will.

Jetzt kommen wir zum letzten Schritt: Sie vergleichen Ihren Traumjob (oder Ihren aktuellen) mit Ihren Bedürfnissen und Kompetenzen. Ein guter Immobilienmanager etwa braucht figural-räumliche und zeitlich-planerische Kompetenz. Mit Zahlen sollte er auch umgehen können (logisch-mathematisch). Ob er hingegen musikalisch ist, ist unwichtig.

Umgekehrt ist für einen Künstler musikalische oder figural-räumliche Kompetenz lebenswichtig. Wenn er aber davon träumt, sich mit selbstorganisierten Vernissagen einen Namen zu machen, braucht er auch zeitlich-planerische Kompetenz.

Prinzip verstanden? Dann gehen Sie für Ihren Berufswunsch, Ihren Job durch, wie gut er zu Ihren Bedürfnissen und Ihren Kompetenzen passt.

Noch einmal: „Geglückt“ ist ein Leben, wenn man möglichst viel von dem machen kann, was einem Spaß macht (Bedürfnisse) und was man richtig gut kann (Kompetenzen). Viel Glüc


[O4991]

Laut und dann wieder lauschig

Arbeiten im Großraumbüro des Unternehmens oder doch lieber zu Hause im Home-Office?

Früher hatten Großraumbüros gar kein gutes Images. Sie sind laut, ständig wird über zu viel oder zu wenig Licht, die optimale Raumtemperatur, offene oder geschlossene Fenster diskutiert. Dazu Kollegen, die so laut telefonieren, als müsste sie ihr Gesprächspartner in Übersee auch ohne Leitung hören. Oder solche, die glauben, ihre Pizza Tonno am Schreibtisch essen zu müssen. Großraumbüros bergen viel Zündstoff, bieten aber auch viele Möglichkeiten des sozialen Austauschs und stärken das Gemeinschaftsgefühl. Auch Studenten sehen in Großraumbüros mehr Vor- als Nachteile, und sie sind somit ihre beliebtesten Arbeitsplätze.

Das hat aber vor allem damit zu tun, dass das Großraumbüro des Jahres 2018 im Idealfall nichts mit den „Legebatterien“ der 1970er- und 1980er-Jahren zu tun hat. Heute treten moderne Großraumbüros immer gemeinsam mit anderen Räumen auf, die für bestimmte Tätigkeiten konzipiert sind: mit Besprechungsräumen, Telefonkammerln, Küche bzw. Cafeteria, in der Raum zum informellen Gespräch zwischen den Kollegen ist. Und manchmal auch mit Ruheräumen, in denen man ungestört bei einem Power-Nap neue Energie tanken kann.

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(c) Getty Images/iStockphoto (millann)

Niemals einsam

Berufsanfänger schätzen den Austausch und die Kommunikation mit Kollegen, netzwerken viel und legen besonders Wert auf Geselligkeit. 73 Prozent der Befragten einer groß angelegten Umfrage im deutschsprachigen Raum gaben an, dass ein Großraumbüro den idealen Arbeitsplatz darstelle. Mehr als die Hälfte bevorzugt hierbei einen zugewiesenen Schreibtisch, gut 20 Prozent hingegen schätzen Flexibilität und bevorzugen Open Workspaces ohne festen Sitzplatz. Diese Form von Desk-Sharing ist für viele Jobeinsteiger gewöhnungsbedürftig. Platz für das Foto des Freundes oder der Freundin oder für die Lieblingspflanze gibt es dann nicht – zumindest am Abend muss alles in den Spind oder Rollcontainer. Auf dem dritten Platz der beliebtesten Arbeitsplätze landen kleinere Bürozimmer. Ein Zehntel teilt es sich am liebsten mit einem Kollegen, knapp jeder Zehnte (neun Prozent) arbeitet gern im Team mit bis zu vier Mitgliedern. Für sieben Prozent bilden Einzelbüros die optimalen Arbeitsbedingungen.

Flexibel

Arbeiten könne heute unabhängig von Zeit und Ort stattfinden, sagt Andreas Gnesda, Experte für Bürokonzepte. Entsprechend sind flexible Arbeitszeitmodelle und -orte ein Thema, das viele Unternehmen beschäftigt. Gnesda findet, dass jeder Mensch selbst am besten wisse, wie er am besten arbeiten könne. „Die Aufgabe einer Firma ist es, jedem Mitarbeiter das Arbeitsumfeld zu bieten, in dem er optimal performen kann“, sagt der Bürogestalter, der sich zur besseren Konzentration auch gern einmal ins Kaffeehaus setzt. Oder eben auch von zu Hause aus arbeitet. Home-Office ist ebenfalls seit vielen Jahren ein Thema, doch wurde es noch nie so intensiv diskutiert wie heute.

Schnell einsam

Denn so lauschig es ist, sich zu Hause zum konzentrierten Arbeiten zurückzuziehen, der Kontakt mit den Kollegen, die man über den Schreibtisch hinweg um Rat fragen kann oder mit denen man beim Kaffee zwischendurch plaudert, fehlt vielen schnell einmal. Und noch etwas sollte man sich überlegen: Zu Hause verschwimmen Berufliches und Privates leichter, da das Wohnzimmer zum Büro wird und das Smartphone permanent geschäftliche E-Mails empfängt.

Wer von zu Hause aus arbeiten will (und sei es nur tageweise), sollte das auch rechtlich mit dem Arbeitgeber besiegeln. Geregelt werden sollten dabei der zeitliche, räumliche und inhaltliche Umfang der Telearbeit: Wann bin ich erreichbar, wer trägt die Kosten für Telefonrechnung und Datenvolumen und alles, was ich sonst an Büro- und Arbeitsmaterialien sowie -infrastruktur benötige? Wer haftet für Schäden an den Arbeitsmitteln? Und darf ich Arbeitsmittel, die der Arbeitgeber zur Verfügung stellt (in welchem Ausmaß?) privat nutzen? Wie führe ich die Arbeitszeitaufzeichnung?

Steuerlich interessant?

Was sich Jobeinsteiger ebenfalls überlegen sollten, die im Home-Office arbeiten wollen: Was bedeutet das alles steuerlich für mich? Kleiner Tipp: Wer den Steuerberater zur Beratung ins Home-Office lädt, sollte lüften, für den Fall, dass Pizza Tonno auf dem Speiseplan gestanden ist.

Zurück in die Zukunft

Über die schöne neue Arbeitswelt und ihre frappante Ähnlichkeit mit den Kälbermastkobeln von früher.

Zur Person

Andrea Lehky ist Redakteurin im „Presse“-Ressort „Management & Karriere“ und blickt auf eine lebhafte Konzernvergangenheit zurück.

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(c) Michaela Bruckberger

In meinem ersten Job saß ich mit meinem Chef in einem Zweierbüro. Wir hatten Tageslicht, eine ganze Fensterfront, doch das wusste ich damals noch nicht zu schätzen. Wer zu uns wollte, musste ehrfürchtig an die Tür klopfen. Das mochte ich. Dann kam ein neuer Chef und mit ihm das Großraumbüro.

Mein Che-Guevara-Kaffeehäferl und ich übersiedelten in einen Kälbermastkobel in der Mitte des Gebäudes. Wir waren ein Dutzend, ein schulterhoher Raumteiler trennte uns vom nächsten Dutzend. Wenn ich aufstand, sah ich alle – und alle mich. Ständig schrie jemand etwas über die Raumteiler, es war ein Höllenlärm. Ich lernte, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren und trotzdem alles mitzubekommen. So gut informiert war ich nie wieder.

Ein paar Jahre später erschütterte uns die „New World of Work“. So hieß sie nach außen. Nach innen war sie ein gigantisches Sparprogramm. Unsere fixen Schreibtische wurden gegen mobile ausgetauscht, wer nicht täglich da war, musste „rotieren“. Das sparte Möbel, Platz und Geld. Die Kollegen tobten, weil sie nun keine Kinderbilder mehr aufstellen und keine Energiespiralen mehr aufhängen durften. Che Guevara ging ständig verloren.

Zur allgemeinen Beruhigung bekamen wir einen Wuzzlertisch, schalldichte Telefonzellen und Kuschelmuscheln für vertrauliche Gespräche. Nichts davon nutzten wir, weil man uns sonst schief anschaute (haben die nichts zu arbeiten?). Lieber blieben wir daheim, wo uns Kinder und Katzen bei der Arbeit auf dem Schoß herumkrabbelten.

Die Wende brachte ausgerechnet Yahoo-Chefin Marissa Mayer. Sie fand heraus, dass viele ihrer Leute in der Arbeitszeit pfuschten, und pfiff sie ins Büro zurück. Auch bei uns stieg der Anteil der fixen Schreibtische wieder, was jetzt „Newsroom“ genannt wird. Che Guevara und ich zogen in etwas um, das frappant an das Großraumbüro von früher erinnert. Ich schreie wieder über Raumteiler und weiß alles, was rundherum passiert. Nur vom Zweierbüro, von dem träume ich noch.

 

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Zuhören und lernen

Der erste Eindruck zählt: Etikette-Experte Thomas Schäfer-Elmayer erklärt, worauf es ankommt und warum man die Chefsekretärin nicht vergraulen sollte.

Thomas Schäfer-Elmayer bringt es auf den Punkt. „Ein verkorkster Start ist schwer wiedergutzumachen“, sagt der Experte für Business-Etikette. Um den Druck aber gleich zu nehmen: Ein Blick auf die Unternehmenshomepage vermittelt meist alles, was man wissen muss. Wichtige Infos, wie zum Beispiel: Wie heißen die Manager? Und wie sehen sie aus? Schließlich will man sich bei zufälligen Begegnungen keine Blöße geben. Die Homepage, sagt Schäfer-Elmayer, verrate viel über die Corporate Identity und die Gepflogenheiten: Krawatte bzw. Kostüm, ja oder nein? Sogar über die Sprache könne man auf der Homepage viel erfahren.

Wer dabei erkennt, dass er sich für das Unternehmen verbiegen müsste, sollte die Finger vom Job lassen. Dann sei es eben nicht das richtige Unternehmen. Denn, sagt Schäfer-Elmayer, „jeder, der für ein Unternehmen arbeitet, ist das Unternehmen“ und repräsentiere es nach außen.

Ohren auf

Als Berufseinsteiger sei es ratsam, zuzuhören, zu lernen, sich bescheiden zurückzuhalten und nicht zu versuchen, sich selbst in den Vordergrund zu stellen. So hat er es bei seinem Berufsstart in einem Schweizer Chemiekonzern praktiziert, auch bei verschiedenen Unternehmenswechseln zu großen internationalen Konzernen – und ebenfalls, als er die Tanzschule Elmayer übernahm. Denn: „Es gibt immer Kritiker, die auf einen schwachen Moment warten. Da ist es gut, Boden unter den Füßen zu haben.“

Überhaupt sollte man Einfühlungsvermögen an den Tag legen – besonders, wenn man neu im Job ist. Wie geht es den Kollegen, was bewegt sie und wie muss ich ihnen deswegen begegnen? Sind sie froh, dass ein neuer Mitarbeiter Arbeit abnimmt? Bangen sie um ihren Job? Wollen sie ihre Position verteidigen?

Der größte Fehler, den Berufseinsteiger machen könnten, sei es, so Schäfer-Elmayer, sich mit den Sekretärinnen oder Assistenten der Chefs anzulegen. Sie seien, wenn schon nicht die mächtigsten, so doch die wichtigsten Personen im Unternehmen. „Denn niemand außer ihnen weiß besser über die Launen des Chefs Bescheid“, sagt Schäfer-Elmayer. Weiters ist es nicht empfehlenswert, etwa dann mit dem Vorschlag einer Gehaltserhöhung vorstellig zu werden, wenn die Stimmung gerade nicht gut ist. Aber abgesehen davon: Sekretäre und Assistentinnen könnten „ständig Ärger machen“, wenn die Beziehung zu ihnen nicht gut sei und gepflegt werde.

Shit happens

Und wenn tatsächlich einmal ein Fehler passiert: „Eingestehen und entschuldigen“, sagt Schäfer-Elmayer. Schließlich würde jedem einmal ein Fehler unterlaufen – auch den Chefs. Auch wenn sie sich manchmal besonders schwer tun, Ausrutscher einzugestehen.

Wege

Den eigenen Weg gehen

Gute Vorbereitung ist wichtig. Doch ws selten gesagt wird: Auf dem Weg zum Traumjob kommt niemand ohen ein Quäntchen Glück aus. Und ohne eine Portion Mut wird es ebenfalls schwer.

Ich will den Job! Wirklich!!!

Mit artigen Bewerbungen kommt man nicht mehr weit. Trau dich einfach!

Warum nicht einmal alles ganz anders machen und die Bewerbung auf den Kopf stellen? Hier sind sieben Tipps für Nonkonformisten.

Tipp 1: Kopieren, was das zeug hält.

Esgibt sie: die kreativen Leute mit den wirklich innovativen Bewerbungsunterlagen. Natürlich kann man die nicht einfach nachbauen. Aber inspirieren lassen darf man sich doch, oder? Und zwar hier: www.diepresse.com/home/karriere, „Kreative Bewerbung: Neues Jahr, neuer Job“.

Tipp 2: Mess me up.

Karrieremessen sind nicht neu, aber immer noch gut. Jede Uni und jede FH, die etwas auf sich hält, veranstaltet eine solche. Dort trifft man vor allem die großen Arbeitgeber, die sich die inzwischen empfindlich teuren Stände leisten können. Was machen die kleinen, die mit dem kleinen Budget? Richtig, sie gehen auf Nischenmessen. Zwei Insidertipps einer steirischen Personalchefin: die BeWanted-Karrieremesse in Graz („dort sind die Hidden Champions“) und die Lange Nacht der Bewerbung. Dort geht es ruhiger und persönlicher zu, es ist weniger los, man nimmt sich mehr Zeit für die Besucher. Es lohnt sich, in der eigenen Region nach den „kleinen“ Karrieremessen zu suchen! Ob groß oder klein, für alle gilt: Vorab die Aussteller googeln, Bewerbungsunterlagen aktualisieren, mehrere saubere Ausdrucke mitnehmen (in Klarsichtfolien), mit einem Lächeln auf den Lippen und ganz konkreten Fragen zum Stand gehen (also nicht: „Ich will mich mal umschauen.“ Sondern: „Ich werde Ende 2018 mein Studium in … abschließen und schaue mich schon jetzt nach einer passenden Stelle um. Ich suche …“). Absolut tabu ist es, nur wegen der Kugelschreiber und Zuckerln hinzupilgern. Schnorrer merkt man sich.

Tipp 3: Frag deinen Professor.

Vortragende aus der Praxis sind ein wunderbares Geschäftsmodell für Unis und FHs. Diese sparen sich so die Personalkosten für eigene Vortragende. Umgekehrt picken sich die Vortragenden aus der Praxis die engagiertesten Studenten heraus und bieten ihnen Praktika an, die natürlich als Sprungbrett in einen Dauerjob gedacht sind. Das geht so weit, dass manche Unternehmen ganze Lehrgänge finanzieren, um bei raren Qualifikationen direkt an der Quelle zu sein. Dieses Modell funktioniert seit Jahrzehnten – was Sie als nachwachsender Jahrgang aber noch nicht wissen können.

Sie haben nun zwei Möglichkeiten: in der Vorlesung brav aufzuzeigen und zu warten, bis der Vortragende Sie entdeckt. Oder den Stier bei den Hörnern zu packen und den Vortragenden einfach anzusprechen. Nicht unterwürfig (das mag er gar nicht), sondern offen und gerade heraus („Ich suche ein Praktikum für x Monate in diesem Bereich. Wissen Sie da etwas?“). Wenn Sie ihm bisher nicht aufgefallen sind: Spätestens jetzt hat er Sie auf dem Radar.

Tipp 4: Buzzwords

Angenommen, Sie finden ein cooles Inserat. Sie wollen sich darauf bewerben. Schicken Sie Ihre Standardunterlagen? Sicher nicht. Sondern Sie schauen sich die Keywords im Inserat an. Typische Beispiele sind: selbstständig, initiativ, lösungsorientiert, kontaktfreudig, kundenorientiert, zahlenaffin. Wenn sich der Recruiter schon die Mühe macht, diese Buzzwords ins Inserat zu schreiben, machen Sie sich doch bitte die Mühe, sie in Ihrer Bewerbung zu wiederholen. Falls Sie nicht abschreiben wollen: Auch Synonyme sind erlaubt. Die kennt nämlich auch der Recruiting Bot, den immer mehr Unternehmen (vor allem internationale Konzerne) einsetzen. Bei diesem gilt: Egal, wie gut Sie für den Job geeignet wären, wenn die Schlüsselbegriffe in Ihrer Bewerbung fehlen, fallen Sie durch.

Tipp 5: Schick ein Video.Frauen sind schüchtern

Das meint zumindest der Personaldienstleister Manpower in seiner Studie „Global Job Preferences“. Er befragte 14.000 Berufstätige weltweit und kam zu dem Schluss, dass sich Frauen nicht für Jobcastings per Video begeistern können. Zwei Drittel von ihnen lehnten diese Form des Bewerbungsgesprächs rundweg ab. Was schade ist. Man selbst findet sich typischerweise „unmöglich“, die anderen sind entzückt. Also: Trau dich!

Tipp 6: Dienstreisen sind super

Nie waren wir reisefreudiger als heute. Aber nur privat. Im professionellen Bereich stöhnen Recruiter, dass sich niemand mehr quer über den Globus schicken lässt. Zugegeben, Dienstreisen haben ihren Glamour verloren. Man sitzt im Flugzeug, im Taxi, im Meeting, und wieder retour. Kein Sightseeing, kein Shopping. Wo bleibt da der Reiz des Abenteuers? Auch deswegen setzen viele Firmen Videotelefonie ein. Aber für manche Jobs muss man vor Ort sein: für technische Montagen etwa, für lokale Recherchen oder für Face-to-Face-Trainings. Wenn Sie das Herz Ihres Recruiters öffnen wollen: Signalisieren Sie umstandslose Reisebereitschaft.

Tipp 7: Newplacement

Kennen Sie den Begriff Outplacement? Hier helfen schuldbewusste Unternehmen den von ihnen abgebauten Mitarbeitern, im Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Sie stellen ihnen einen Coach zur Seite, der den (meist) Geschockten hilft, sich ihrer Stärken wieder bewusst zu werden und sich gezielt bei Unternehmen zu bewerben, die genau diese brauchen. Newplacement ist dasselbe, nur von der anderen Richtung kommend. Sie sind neu im Bewerbungsmarkt, machen sich Gedanken über Ihre Stärken und verkaufen diese gezielt an (möglicherweise) interessierte Unternehmen. Dafür brauchen Sie nicht mehr als ein wenig Reflexionsfähigkeit und den Mut, sich Ihrem Wunschunternehmen anzupreisen. Verwechseln Sie das nicht mit einer Initiativbewerbung – hier tun Sie mehr als „nur“ die Unterlagen zum Unternehmen zu schicken. Sie googeln, recherchieren und fragen herum, bis Sie präzise wissen, wo in diesem Unternehmen der Schuh drückt. Welchen „Schmerz“ es hat. Was können Sie bieten, das die Probleme dieses Unternehmens löst? Das verkaufen Sie dann aktiv und ungefragt.

Trampolin- Springer

Wie man elegant von einem befristeten Praktikum in eine lebenslange Karriere hüpft.

Es funktioniert in jeder Branche: das Praktikum als Trampolin zur Dauerstelle zu benutzen. Wir wollen solchen Trampolinspringern ein paar Gedanken mitgeben. Die folgende Karrieregeschichte kann Ihnen Umwege ersparen.

Eleonora Kernmayr-Farr (heute 34) war eine solche Trampolinspringerin. Als Kind wollte sie Richterin werden. Deshalb begann sie neben IBWL auch mit Jus. Ihre erste Gerichtsverhandlung „in echt“ gefiel ihr, das Studium weniger. Weshalb sie sich bald nur mehr auf IBWL konzentrierte. Während sie ihre Diplomarbeit schrieb, fand sie, es wäre Zeit für einen Job.

Aber welchen? Die Richtung war noch nicht klar. An eine Dauerstelle wagte sie sich nicht heran. Also doch lieber ein Praktikum. Zwei standen zur Auswahl. Ein klassisches im Produktmanagement von Julius Meinl, das super zu ihrem Studium passte. „Nett hier“, dachte sie, als man sie durch die Gänge führte.

Das zweite war bei eBay. „Ich bin durch die Tür gekommen und es hat Zoom gemacht. Ich wusste, das ist meine Welt.“ Die Atmosphäre, das Quirlige, das Lebendige: Hier gehörte sie hin. Da hatte sie noch keine Ahnung, was ihre Arbeit sein würde.

▶ Was Ihnen das sagt. Schauen Sie sich um. Firmen, Branchen, Gerichtssäle, auch Plätze, die (vermeintlich) nicht in die engere Wahl kommen. Manchmal passieren genau dann Dinge, mit denen Sie nicht gerechnet hätten.

Wie macht man eigentlich Karriere?

Kernmayer-Farr war also hingerissen. Ihr war sogar der für ein Praktikum atypisch aufwendige Bewerbungsprozess egal. Jedes Mitglied des damals zwölfköpfigen Österreich-Teams von eBay wollte sie sehen, erst dann bekam sie den Zuschlag.

Sie blieb acht Monate und bereute keine Sekunde. Danach wusste sie, es musste etwas Technisches sein. Jetzt fiel ihr auch wieder ein, wie gern sie als Kind mit ihrem Vater kaputte Elektrogeräte repariert hatte. Bloß dass sie das nie mit einem Beruf in Verbindung gebracht hatte.

Als sie mit ihrer Diplomarbeit fertig war, war die Richtung klar: Jus und IBWL waren vergessen, sie wollte eine Dauerstelle im Onlinebereich. Eine Anstellung bei Geizhals.at war rasch gefunden. Da gab es viel zu tun: die Website optimieren, sie weiterentwickeln, neue Geschäftsmodelle austüfteln. Karriere machen halt. Wie man das macht? Keine Ahnung. Wie soll das ein Neuling auch wissen? Aber die alten Hasen wissen es.

Kernmayer-Farr hatte Glück. Ihre Chefin coachte sie: „Sie war taff und gleichzeitig empathisch. Ohne sie wäre ich nicht da, wo ich heute bin.“ Die Chefin führte sie nicht nur fachlich (das ist ihr Job), sie nahm sie auch in menschlichen Belangen an der Hand. „Ich wusste bei vielen Themen nicht, wie man an sie herangeht. Und wie ich dabei wahrgenommen werde.“ Ein häufiges Problem: Man sieht sich selbst anders als die anderen. Und eckt dabei an.

▶ Was Ihnen das sagt. Selbstbild und Fremdbild klaffen oft weit auseinander (nicht nur bei jungen Menschen). Lassen Sie es zu, dass Ihnen jemand einen Spiegel vorhält. Oft ist zu hören, man solle sich einen Mentor suchen. Gute Idee, aber es geht einfacher. Jeder Chef, jeder erfahrene Kollege kann das übernehmen. Haben Sie keine Angst, sich eine Blöße zu geben! Beziehungen entstehen erst, wenn man sich öffnet. Und die meisten Menschen meinen es tatsächlich gut. Unsere Trampolinspringerin hat einen pragmatischen Zugang: „Was ist das Schlimmste, das passieren kann? Vorher weiß ich etwas nicht. Wenn ich nicht frage, werde ich es nie erfahren. Wenn ich aber frage, ich die Chance riesig, dass ich etwas lerne.“

Wohin jetzt?

Es kommt der Moment, da man meint, alles zu können. Spätestens dann sollte man sich etwas Neues suchen. (Außer man ist mit dem Erreichten völlig zufrieden und steckt seine Energie lieber in private Themen. Auch das ist okay. Nur bewusst sollte es einem sein.)

Kernmayer-Farr, inzwischen versierte Business-Developerin, war klar, dass sie in der Onlinebranche bleiben wollte. Logischer nächster Schritt: ein Konzern. Und ein paar Jahre später der logische übernächste Schritt: ein junges, bewegliches Start-up.

▶ Was Ihnen das sagt. Erkennen Sie das Muster? Die ersten Karriereschritte sind meist tastend, suchend. Hat man seinen Platz gefunden, will man dort nach oben. „Ganz oben“ steht bei den meisten die Konzernkarriere. Die hat Vor-, aber auch Nachteile. Also pendeln viele als Nächstes zum Gegenteil, dem kleinen, dynamischen Start-up. Und was kommt dann?

Nach oben, immer weiter

Heute, zehn Jahre nach ihrem Praktikum, ist Kernmayr-Farr bei Klarna, einem großen schwedischen Online-Zahlungsanbieter. Der nächste Schritt ist oft der internationale. Sie startete im technischen Vertrieb, erst nur für Österreich, dann für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Mittlerweile arbeitet sie global. Ihr Jobtitel: Head of Global Partner Sales Engineering.

▶ Was Ihnen das sagt. Auch dahinter steckt Karrierelogik. Wer noch weiter nach oben will, muss irgendwann in seiner Karriere im Verkauf gearbeitet haben. Denn, so heißt es, nur wer die Kunden versteht, versteht das Geschäft. Wenn Kernmayer-Farr heute für ihr inzwischen internationales Team rekrutiert, sind ihr Zeugnisse und Noten übrigens egal. „Ich schaue nur auf die Einstellung“, sagt sie. Weil alles andere könne man lernen. Nur der Wille, der Wunsch nach Leistung, „der muss da sein“.

Eleonora Kernmayer-Farr ist heute „Head of Global Partner Sales Engineering“ beim schwedischen Online-Zahlungsanbieter Klarna.


[O427L]

Testknacker für Fortgeschrittene

Fragen, die bei Vorstellungsgesprächen gerne gestellt werden. Noch wichtiger als die richtige Antwort ist allerdings - ein kreativer Lösungsweg.

1. Querdenken: Sie sehen drei Frauen in Badeanzügen. Zwei sind traurig, eine ist froh. Die traurigen Frauen lächeln, die Glückliche weint. Was ist passiert?

2. Zahlenspiele: Setzen Sie die Reihe fort: 0, 1, 1, 2, 3, 5, _?

4. Survival: Ein Essensvorrat reicht für zwölf Leute insgesamt 36 Tage aus. Wie lang reicht er für acht Leute?

Auflösungen

1. Das Wichtigste: Sie müssen blitzschnell eine Lösung präsentieren. Diese hängt hier nicht vom logischen Denken ab, sondern von Ihrer Fähigkeit, den Denkrahmen zu sprengen. Etwa: „Die Frauen haben in Badeanzügen an einem Schönheitswettbewerb teilgenommen.“

2. Jede Zahl ergibt sich durch Addition der beiden vorherigen Zahlen. Daher ist die nächste Zahl 8 (3 + 5 = 8).

3. Richtige Lösung: Freund – zu diesem stehen Sie in privater Beziehung, zu allen anderen in geschäftlicher.

4. Antworten Sie jetzt bloß nicht „24 Tage“. Hausverstand: Bei weniger Leuten reicht der Essensvorrat länger. Richtige Antwort: „54 Tage“. Mehr Testknacker unter: www.diepresse.com/home/karriere.


[O4288]

Eine Frage habe ich noch

Die neun wichtigsten Fragen, die Jobsuchende potenziellen Arbeitgebern bei jeder Jobmesse stellen sollten.

Ein alter Schmäh aus TV-Krimis. Das Gespräch ist beendet, da dreht sich Frau Chefinspektor oder Herr Bezirksinspektor noch einmal um und sagt: „Eine Frage habe ich noch.“ Das ist meist die entscheidende Frage. Da sage noch einer, vom Fernsehen könne man nichts lernen, denn diese Taktik lässt sich auch bei Jobmessen anwenden. Hier sind die neun wichtigsten Fragen an potenzielle Arbeitgeber:

▶ Was unterscheidet gute von exzellenten Mitarbeitern? Hier sollte herauszuhören sein, was von Mitarbeitern erwartet wird.

▶ Wie würden Sie DIe Unternehmenskultur beschreiben? Kommen nur Buzzwords oder gibt es konkrete Beispiele?

▶ Wie werden Talente bei Ihnen gefördert? Damit kann man Engagement und Lernbereitschaft zeigen – und dass es einem nicht nur ums Geld geht.

▶ Warum arbeiten Sie (noch immer) für dieses Unternehmen? Vorsicht, wenn als Antwort keine Schwärmerei kommt!

▶ Was könnte mich an diesem Job am meisten stören? Es gibt keinen Job ohne potenzielle Konflikte und Hürden.

▶ Warum gibt es diese Vakanz? Mutterschutz? Kündigung? Oder wurde die Position neu geschaffen?

▶ Vor welchen Fragen steht das Unternehmen aktuell? Dazu sollte man aber wissen, was in der Branche gerade los ist.

▶ Welche Herausforderungen erwarten mich in den ersten 90 Tagen? Hier liegt der Fokus auf den Hürden.

▶ Wie sieht Erfolg in den ersten 90 Tagen aus? Klingt gleich anders, oder? Und gibt Auskunft, wie es um die Fehlerkultur steht.

[O4GPQ]

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