Botox-Therapie gegen Blasenschwäche

In Irland wurde das Nervengift zur Behandlung von Blasenschwäche zugelassen. Für den Hersteller könnte das Präparat damit noch lukrativer werden.

Neues Anwendungsgebiet fuer Botox
Neues Anwendungsgebiet fuer Botox
(c) AP (DAMIAN DOVARGANES)

Als Mittel gegen lästige Gesichtsfalten hat es das Nervengift Botulinumtoxin, besser bekannt unter dem Handelsnamen Botox, zu einer gewissen Bekanntheit gebracht. Weniger bekannt ist, dass neben der kosmetischen auch mehrere medizinische Anwendungsmöglichkeiten bestehen. Nun wurde Botox in Irland erstmalig zugelassen, um Blasenprobleme bei Patienten mit Multipler Sklerose oder Rückenmarksverletzungen zu therapieren.

Therapie und Wirkung

Der Wirkungsmechanismus des Bakteriengiftes ist denkbar einfach: Die Freisetzung des Neurotransmitters Acetylcholin wird blockiert. Im Skelettmuskel führt dies zu einer absoluten Lähmung, doch auch glatte Muskulatur lässt sich so dauerhaft entspannen. Momentan werden übermäßige Kontraktionen der Blasenmuskulatur medikamentös vor allem mit sogenannten Anticholinergika, die oral eingenommen werden, therapiert.

Direkt in den Muskel

Botox hingegen müsste direkt in die Zielmuskulatur injeziert werden, der Effekt würde dafür aber auch bis zu neun Monate lang anhalten. Während sich die Anticholinergika im ganzen Körper verteilen, bleibt die Wirkung des Botox auf die Stelle, an der es verabreicht wurde limitiert - dadurch besteht auch die Hoffnung mit Botox ein günstigeres Nebenwirkungsprofil zu erzielen.

Markteinführung in Österreich

Die Idee, sich die Muskel entspannende Wirkung von Botox zu Nutze zu machen, ist keine neue. Mit der Zulassung in Irland gelang es nun, das Präparat als offizielles Mittel gegen eine weit verbreitete Erkrankung einzusetzen. Eine Zulassung in einem EU-Land wird auch von anderen EU-Ländern akzeptiert, deshalb könnte Botox in seinem neuen Einsatzgebiet bald auch in Österreich Anwendung finden.

Eine Goldgrube für den Hersteller

Der kalifornische Pharmakonzern Allergan macht mit dem Präparat Botox momentan einen Umsatz von in etwa 1,5 Milliarden Dollar (1,05 Milliarden Euro) jährlich, wobei lediglich die Hälfte davon mit der Verwendung als Anti-Falten-Mittel erwirtschaftet werden. Sollte eine Zulassung wie nun in Irland auch in den USA erfolgreich sein, könnte der Umsatz Schätzungen zufolge um weitere 500 Millionen Dollar ansteigen.

 

 

(Apa/Reuters)

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