Samt Radlwerkstatt und Ateliers

Baugeschichte. Die Wohnanlage Mühlgrund II in der Wiener Donaustadt vom Architektenbüro Nerma Linsberger wurde mit dem American Architecture Prize ausgezeichnet. Warum eigentlich?

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Außenansicht. – (c) Nerma Linsberger/Daniel Hawelka

Mühlen gibt es auf dem Mühlgrund im 22. Bezirk schon lang keine mehr: Die beschaulich wirkenden, aber auch mühevollen Zeiten der auf den Donauarmen betriebenen Schiffsmühlen sind vorbei. „Transdanubien“ hat längst ebenso festen Grund unter den Füßen wie andere Bezirke – auch, was die Beliebtheit als Wohngegend ausmacht.
Aus dem Büro von Nerma Linsberger stammt ein interessanter Beitrag dazu: die Pläne für jene Wohnhausanlage, die das Österreichische Siedlungswerk (ÖSW) unter dem Motto „Mühlgrund II – offen für mehr“ in der Fahngasse 6 errichtet hat und die kürzlich mit dem American Architecture Prize ausgezeichnet wurde. „Das Ziel war, kostengünstige, auf die Verhältnisse der Bewohner optimal abgestimmte Wohnungen zu errichten“, erzählt Linsberger. Neben geförderten Mietwohnungen und nutzungsflexiblen Ateliers sollten auch fünf Wohnungen der Volkshilfe für sozial bedürftige Personen errichtet werden.

Günstig: Pacht und Laubengang

„Es war eine große Herausforderung“, berichtet die Architektin vom Entstehungsprozess der Anlage, „die wir unter anderem durch die kontrollierte Reduktion der Herstellungskosten erfüllt haben.“ Etwa dank kompakter und flächeneffizienter Grundrisse, der Erschließung der Gebäude durch Laubengänge sowie eines speziell entwickelten Finanzierungsmodells. „Beim Grundstück handelt es sich um einen Baurechtsgrund“, ergänzt ÖSW-Vorstand Michael Pech. Ein Pachtgrundstück also mit langfristiger Nutzungsdauer.
Entstanden sind bis Juni 2016 142 Mietwohnungen zwischen 50 und 112 m2 Fläche zu 6,80 Euro/m2 brutto, 14 Ateliers (die auch als Büro oder Hobbyraum dienen) und die gewünschten Volkshilfe-Wohnungen, „bei denen nun zusätzlich die Möglichkeit besteht, Einheiten zu kombinieren, um unterschiedliche Wohnbedürfnisse zu berücksichtigen“, so die Architektin.
Der Einsatz von Solarenergie zur Energieversorgung sowie die Verwendung wartungsarmer wie langlebiger Materialien helfen dabei, Heiz- und Betriebskosten zu sparen und leisten damit einen Beitrag zum kostengünstigen und nachhaltigen Wohnen. Beispielsweise wird die Beleuchtung der allgemeinen Teile des Hauses mittels Sonnenenergie betrieben.

Spiel mit Proportionen

Von außen bietet die Anlage im Grünen – die Erholungsgebiete Alte Donau, Donauinsel oder Nationalpark Donauauen-Lobau sind nicht weit entfernt – eine transparente Fassade mit großen und kleinen Öffnungen für interessante Durchblicke und Ausblicke und ein Spiel mit den Proportionen: Die Wohnungen befinden sich zum einen in einem U-förmigen Wohntrakt an der Straße, zum anderen in zwei Häusern, die im dahinter liegenden Garten angesiedelt sind. „Im Innenbereich liegen die ,community gardens‘, deren Gestaltung gemeinsam mit den Bewohnern erfolgt ist“, erklärt Linsberger. So entstanden teilweise überdachte Kinder- und Jugendspielplätze sowie ein Gemeinschafts- und Kinderspielraum, die über einen Zugang zum Grünbereich verfügen und das Miteinander fördern sollen. Ein großer Fahrradraum inklusive Werkstätte, mehrere Kinderwagenabstellräume, eine Waschküche sowie eine Tiefgarage vervollständigen die Infrastruktur.
Innen sind einige Räume bis zu vier Meter hoch, licht und luftig, zu jeder Wohnung gehört ein privater Freibereich wie Loggia, Balkon oder Terrasse.

Preisregen

Der in New York verliehene American Architecture Prize in der Kategorie Architecture/Social Housing – mit dieser Auszeichnung soll die Wertschätzung der Architektur weltweit gefördert werden – war indes nicht der einzige Preis, den die Anlage erhalten hat. Schon im Juni 2017 wurde das Projekt mit dem Architekturpreis Schorsch der MA 19 ausgezeichnet. „Wir sind auf diese Auszeichnungen sehr stolz“, sagt Pech. „Es zeigt, dass leistbares Wohnen und hohe Architekturqualität kein Gegensatz sein müssen.“
Doch es könnten – getreu dem Motto „Offen für mehr“ – noch weitere folgen: etwa der German Design Award, bei dem das Projekt bereits eingereicht ist.

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