Hochschulen: Bauboom für Lehre und Forschung

In Österreich gibt es immer mehr Studierende, und es entstehen laufend neue Studienrichtungen. Den Platz dafür schafft man durch Neu- und Umbauten, zum Teil in geschichtsträchtigem Ambiente.

Hochschule statt Klosterzellen: Projektleiter Erlacher und Polier Hochstöger auf der Baustelle der FH Wiener Neustadt (links), Rendering der neuen Universität für angewandte Kunst, die noch heuer im ehemaligen Zollamt Wien einziehen soll.
Hochschule statt Klosterzellen: Projektleiter Erlacher und Polier Hochstöger auf der Baustelle der FH Wiener Neustadt (links), Rendering der neuen Universität für angewandte Kunst, die noch heuer im ehemaligen Zollamt Wien einziehen soll.
Hochschule statt Klosterzellen: Projektleiter Erlacher und Polier Hochstöger auf der Baustelle der FH Wiener Neustadt (links), Rendering der neuen Universität für angewandte Kunst, die noch heuer im ehemaligen Zollamt Wien einziehen soll. – (c) FHWN

In der alten Karmeliterkirche in Wiener Neustadt wird gehämmert und gestemmt. Wo einst Mönche frommen Ritualen frönten, werden ab Herbst kommenden Jahres die Studierenden der Wiener Neustädter Fachhochschule ihre neue Bibliothek nutzen können. Und im Klostergarten baut die FH einen „Wissensturm“ mit Hörsälen und Seminarräumen.

Dieses archäologisch bemerkenswerte Vorhaben, bei dem unter anderem Grundmauern des Klosters freigelegt wurden, ist nur eines von zahlreichen Bauprojekten an Österreichs Universitäten und Fachhochschulen, die sich derzeit in der Planungs- oder Ausführungsphase befinden. Allein die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), Eigentümerin von österreichweit mehr als 200 Universitätsliegenschaften, hat in den vergangenen fünf Jahren rund 840 Millionen Euro in Neubauten und Sanierungen gesteckt und derzeit Maßnahmen in ähnlichem finanziellen Umfang am Start.

 

TU übersiedelt ins Arsenal

Dabei werden nicht nur neue Strukturen hochgezogen, sondern auch, wie in Wiener Neustadt, Bestandsgebäude für die Forschung und Lehre adaptiert. So soll noch heuer im sechsstöckigen ehemaligen Zollamt im dritten Bezirk die Universität für angewandte Kunst einziehen. Und unweit davon stellt die Technische Universität ihr Science Center am Arsenal fertig: Ein Teil der ursprünglichen Befestigungsanlage von Kaiser Franz Joseph I. wurde zuletzt von der Fernwärmetechnik genutzt; er wird nun für den Studienbetrieb umgestaltet. Der schrittweise Umzug der TU vom Eurogate ins Arsenal soll damit im kommenden Jahr abgeschlossen sein.

Größtes aktuelles BIG-Vorhaben ist die Bündelung der vorklinischen Institute auf dem MedUni-Campus Mariannengasse im Neunten, wo ab 2025 mehr als 700 Zellbiologen, Genetiker, Biomediziner, Krebsspezialisten und andere Wissenschaftler forschen und unterrichten werden. Allein dieses Projekt kostet rund 340 Millionen Euro, zur Zeit ist der Architekturwettbewerb im Gang. „Einerseits ist die Instandhaltung unsere gesetzliche Verpflichtung, andererseits gilt es, die heimischen Universitäten international wettbewerbsfähig zu erhalten“, sagt BIG-Sprecher Ernst Eichinger.

Das gilt genauso für Projekte außerhalb der Bundeshauptstadt. So fasst die Grazer MedUni gleichfalls ihre Vorklinikabteilungen zusammen, wodurch das erst im Vorjahr fertiggestellte Modul 1 des neuen MedUni-Campus beim Landeskrankenhaus bis zum Jahr 2022 durch Hörsäle, Mensa, Verwaltungstrakte usw. erweitert wird. In Linz steht die Fertigstellung von Sanierungen an der Kunstuni und an der Johannes-Kepler-Universität (inklusive neuem Laborgebäude) an, schon im Sommer will die BIG die Modernisierung der Alpe-Adria-Universität in Klagenfurt abgeschlossen haben. Hintergrund für das Ausbauprogramm: Man braucht Platz für immer mehr Studierende. Die Statistik Austria weist für das abgelaufene Studienjahr einen Rekordwert von 383.517 Hörerinnen und Hörern an den heimischen Unis, FH und Pädagogischen Hochschulen aus. Laut „Universitätsbericht 2017“, der kürzlich dem Parlament vorgelegt wurde, rechnen die Experten mit einem weiteren Anstieg auf rund 423.000 Studierende bis zum Jahr 2035.

 

Neue Studienrichtungen

„Dass Wirtschaft und Forschung ein immer spezialisierteres Wissen verlangen und neue, spezialisiertere Studienrichtungen eingerichtet werden müssen, um dieses Know-how zu vermitteln, kann ich nur unterstreichen“, betont Dekanin Margarethe Überwimmer von der Fachhochschule Steyr. „Und für neue Studienrichtungen und für die Forschung müssen natürlich Platz und Infrastruktur geschaffen werden.“ Im historischen Wehrgraben entsteht gerade ein drittes Institutsgebäude für die Management-Fakultät der FH Steyr.

An der FH Wiener Neustadt freut man sich indes über den Baufortschritt in der alten Karmeliterkirche. Wenn Hammer und Stemmeisen beiseitegelegt sind, „entsteht hier durch die Zusammenlegung mit der Stadtbücherei die erste öffentlich-wissenschaftliche Bibliothek im deutschsprachigen Raum“, sagt FH-Vorstand Peter Erlacher.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2018)

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