Ehemaliger Schlachthof als Büro

Die Firma Capcom Media managt den digitalen Auftritt ihrer Kunden und residiert seit rund zwei Jahren in einem ehemaligen k. u. k. Schlachthof im zweiten Bezirk.

Capcom Media nach dem Umbau
Capcom Media nach dem Umbau
Capcom Media nach dem Umbau – (c) DIMO DIMOV

Im Innenhof des zweitältesten k. u. k. Schlachthofs Wiens liegt das Büro von Capcom Media, das für Firmen und Unternehmen Lösungen für den digitalen Auftritt aufbereitet und managt. „Ich habe die Firma 2013 gegründet und Capcom Media genannt, weil Cap Com die Abkürzung für den Verbindungsoffizier zwischen Weltall und Bodenstation ist und die Firma sich als eine solche Verbindungstation sieht“, erläutert Christian Baier, der neben der Firmenleitung auch noch auf Puls 4 die Fußballsendungen moderiert.

 

Innenhof – (c) DIMO DIMOV

Auf die Räumlichkeiten aufmerksam geworden ist er durch einen Bekannten, der für einen Bauträger arbeitet. „Als ich die zwei Räume das erste Mal gesehen habe, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man das sanieren kann, in einem so furchtbaren Zustand waren sie“, berichtet Baier. Als Expertin zog er die Interior-Designerin Eugenie Arlt bei – und sie belehrte ihn eines Besseren. „Ich war mir sicher, dass man daraus Räume machen kann, die gerade für Kreativarbeit ideal sind“, erzählt Arlt. Und das ist ihr gelungen. „Aber dafür mussten wir zuerst einmal die Räume aushöhlen und alles komplett neu machen. Denn es war dunkel, feucht, es gab keine Leitungen, keine Installation. Es war eine finstere, unbewohnbare Höhle.“

Auflagen vom Denkmalamt

Ursprünglich wurde in diesen Räumen geschlachtet, davon zeugen noch die Fleischerhaken aus Stahl. Auch die Fenster in den Innenhof sind original, das war eine Auflage des Denkmalamts. Die Ziegelwände hat man mit Patschok-Technik verputzt. Dabei wird der Putz dick auf die Wand aufgetragen, darüber kommt die Wandfarbe, in dem Fall Weiß. Das ergibt durch die Unregelmäßigkeiten ein sehr lebendiges Bild. Dazwischen hat man als Blickfang Teile der Wände nicht verputzt, sondern die originale Ziegelmauer belassen.

 

Neue Arbeitsplätze – (c) DIMO DIMOV

Da auch ein kleines Tonstudio untergebracht werden musste, entschloss sich Arlt, dieses und auch die Nassräume, einen Lagerraum und die Haustechnik hinter OSB-Platten zu verstecken. „Das sind Bauplatten, die sehr widerstandfähig sind, da die Holzspäne abwechselnd in verschiedene Richtungen verleimt werden“, erklärt die Designerin. Eine Wand im hinteren Raum wurde damit verkleidet, dahinter blieb Platz für ein Bad, einen Lagerraum und die Heiztechnik. Im vorderen Raum wurde eine Ecke damit abgetrennt, hinter der sich das Tonstudio befindet. „Gedämmt haben wir das mit Schaumgummi, das ist die beste Schalldämmung, die es gibt“, sagt Arlt. Das Ganze wurde dann in Petrol lackiert, „die Farbgebung haben wir uns sehr lang überlegt, da sich die Farben nicht in den Vordergrund spielen sollten.“

Die Inneneinrichtung sollte ebenfalls zurückhaltend und vor allem flexibel sein. Ein großer Tisch mit Vitra-Sesseln, an der Decke eine graue Leiste mit dänischen Lampen, ein langer Küchenblock an der Wand unter den Fleischerhaken in Schwarz. Im zweiten Raum ein großer Tisch mit technischem Equipment. Und jeweils eine schwarze Tür zum Innenhof.

Wichtig waren Arlt auch die Kleinigkeiten: „Die Steckdosen haben wir in einer neu aufgelegten 1930er-Jahre-Serie, rund und schwarz, ausführen lassen“, erzählt sie. Ein Fahrrad an der Wand und ein Boxsack vervollständigen die Einrichtung – Letzterer nicht nur als Dekoration. „Nach einer anstrengenden Woche mit intensiven Kundenkontakten unterhalte ich mich sehr gern ausgiebig mit dem Boxsack“, merkt Baier an.

Angenehmes Raumklima

Entstanden sind zwei Räume mit reduzierter Einrichtung, „wenig, aber gut“. Baier kommt ins Schwärmen: „Ich hätte nicht gedacht, dass aus dieser Höhle ein so angenehmer Arbeitsplatz entstehen könnte. Der Innenhof ist nicht nur Luxus in der Stadt, er sorgt auch für ein wunderbares Raumklima, ganz ohne Klimaanlage. Die Räume haben viel Aura und entsprechen den Bedürfnissen unserer Arbeit. Wir haben hier sogar schon Spots gedreht. Alle arbeiten hier gern, auch meine Kunden kommen gern hierher.“

ZUM ORT

Wien Leopoldstadt. Büromieten im zweiten Bezirk in Wien kosteten im Jahr 2017 zwischen 8,5 und 13,7 Euro pro Quadratmeter. Noch viel größer war die Bandbreite bei den Mietpreisen für Geschäftslokale: Die Preisspanne reichte von sechs Euro pro Quadratmeter bei großen Flächen (über 150 m2) in Nebenlagen bis zu 33,2 Euro pro Quadratmeter bei kleineren Lokalen (bis 60 m2) in Top-Lagen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2018)

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