5G-Netz: Sind Wohnhäuser und Büros fit für die fünfte Mobilfunknetz-Generation?

Bis 2025 soll es in Österreich eine flächendeckende Versorgung mit dem superschnellen 5G-Netz geben. Viele Bauträger halten sich bei der Umsetzung der Kriterien vorerst zurück.

Beton stellt für die Kurzwellenfrequenzen von 5G eine nahezu unüberwindbare Hürde dar (Symbolbild).
Beton stellt für die Kurzwellenfrequenzen von 5G eine nahezu unüberwindbare Hürde dar (Symbolbild).
Beton stellt für die Kurzwellenfrequenzen von 5G eine nahezu unüberwindbare Hürde dar (Symbolbild). – (c) imago/Lichtgut (imago stock&people)

Für viele ist es eine Selbstverständlichkeit: Wer in eine neue Wohnung oder in ein neues Büro zieht, will dort einen guten Handyempfang und rund um die Uhr ein funktionierendes mobiles Internet. „Gerade wenn es um kommende Kommunikationstechnologien geht, können schon bei der Planung der Wohn- oder Bürobauten Vorkehrungen getroffen werden, um diese Erwartungen tatsächlich auch zu erfüllen“, sagt Gregor Wagner vom Forum Mobilkommunikation (FMK). Diese Einrichtung des Fachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie berät Bauträger bei Ein- und Aufbau einer zukunftssicheren Mobilfunkversorgung. Aktuelles Beispiel: die 5G-Technologie. Die Bundesregierung hat angekündigt, bis 2025 um rund zehn Milliarden Euro eine flächendeckende Versorgung Österreichs mit der superschnellen neuen Mobilfunkgeneration sicherzustellen.

Hürden: Beton, Vollverglasung

„Egal, ob nun 5G oder eine frühere Übertragungstechnologie: Für eine leistungsfähige Anbindung an das Mobilfunknetz genügt es nicht, einfach ein paar Handymasten aufzustellen“, so Wagner. „Ebenso wichtig sind Empfangsanlagen im Gebäude.“
Gerade für die Kurzwellenfrequenzen von 5G stellt beispielsweise Beton eine nahezu unüberwindbare Hürde dar. Ähnlich verhält es sich mit Vollverglasungen. „Sie sind meist als Wärmeschutzverglasungen ausgeführt, mit einer dünnen Metallschicht, die die schädliche Infrarotstrahlung des Sonnenlichts fernhalten soll, aber auch die hochfrequenten Mobilfunkstrahlen nicht ins Gebäude lässt.“ Gefragt sei also eine funktionierende In-house-Mobilfunkversorgung mit Empfangsstation und Antennen in den einzelnen Etagen, die üblicherweise in den Plafond integriert werden. „Darüber hinaus gewinnt bei 5G der Ausbau der Glasfasernetze an Bedeutung“, weiß man beim deutschen Informationszentrum Mobilfunk.

Bauträger tragen Kosten

Diese Faktoren werden idealerweise schon bei der Planung von Gebäuden berücksichtigt, um spätere Kosten für eine Adaptierung zu sparen. „Nicht jeder Bauträger macht sich aber tatsächlich darüber Gedanken“, zeigt Peter Weinberger, Geschäftsführer der Raiffeisen Immobilien-Vermittlung, die Istsituation in Österreich auf. „Und das, obwohl Umfragen immer wieder zeigen, welch hohen Stellenwert die Österreicher der telefonischen Erreichbarkeit und einer ständig verfügbaren mobilen Internetanbindung beimessen.“ Gregor Wagner vom FMK ortet noch Zaghaftigkeit bei Bauträgern und Investoren: „Bei größeren Bürokomplexen wird eine In-house-Versorgung mit 5G teilweise schon mitgedacht, bei Wohnimmobilien gibt es jedoch erst seit rund einem Jahr erste Planungen, und das auch nur im Hochpreissegment.“ Was Bauträger vielleicht abschreckt: Sie – und nicht die Mobilfunkbetreiber – müssen laut Gesetz die Kosten für die bauliche und technische Infrastruktur der hausinternen Empfangseinrichtungen tragen.

Elisabeth Wagerer, Leiterin der Abteilung Investor Relations bei S-Immo, sieht da Unterschiede zu anderen Ländern – vor allem zu jenen, in denen die Mobilfunkversorgung auch mit bereits gängigen Technologien nicht vollständig ausgebaut ist: „Bei einer Projektentwicklung in Bukarest beispielsweise wurde das Thema Mobilfunk mit allen größeren lokalen Anbietern besprochen. Bei uns ist das kein Thema, weil man davon ausgeht, dass zumindest das 4G-Netz ohnehin flächendeckend vorhanden ist.“ Fürs Telefonieren oder den „normalen“ mobilen Internetgebrauch reicht 4G ja auch völlig aus, 5G ist dafür weit „überqualifiziert“. Die hohe Übertragungsgeschwindigkeit, die bis zum Hundertfachen des derzeitigen Standards beträgt, erlaubt die Nutzung hoher Datenvolumina, mit denen beispielsweise der Inhalt einer kompletten DVD in dreieinhalb Sekunden geladen werden kann.

Vernetzung der Dinge

Welche Anwendungen diese technischen Möglichkeiten hervorbringen werden, kann man derzeit noch nicht erahnen. „In Zukunft wird es nicht nur um die Vernetzung von Menschen, sondern um die Vernetzung von Dingen gehen, um die Kommunikation zwischen Maschinen“, sagt das Informationszentrum Mobilfunk voraus. Bei der intelligenten Haustechnik erwartet man sich dadurch einen großen Fortschritt, Sicherheitseinrichtungen zum Beispiel in Tiefgaragen könnten verbessert werden, eine weitere konkrete Anwendung sind selbstfahrende Autos. „Das zu berücksichtigen ist derzeit bei der Planung von Bauvorhaben aber kein Thema“, sagt Weinberger. Was Autos betrifft, so versuche man im Gegenteil in vielen Städten, durch niedrige Kfz-Stellplatzschlüssel bei Wohnimmobilien den motorisierten Individualverkehr zurückzudrängen.

Manche Bauträger zweifeln, ob der flächendeckende Ausbau der fünften Mobilfunkgeneration im vorgesehenen Zeitrahmen überhaupt gelingt, und halten sich auch deshalb vorerst zurück.

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