Brandschutz 4.0: „Rauchmelder an Feuerwehr!“

Die intelligente Schadensbegrenzung kommt. Digitale Neuerungen sollen künftig dafür sorgen, dass Brände früher erkannt werden oder gar nicht mehr ausbrechen.

Symbolbild Notausgang
Symbolbild Notausgang
Symbolbild Notausgang – (c) www.BilderBox.com (BilderBox.com)

Rund 30.000 Brände werden in Österreich pro Jahr verzeichnet, statistisch betrachtet brennt es hierzulande alle 17 Minuten, am häufigsten im privaten Bereich (etwa 50 Prozent aller Brandfälle). Laut der jüngsten bundesweiten Brandschadenstatistik der österreichischen Brandverhütungsstellen (2016) ist nach den Privathaushalten die Sparte Gewerbe mit einer Schadenssumme von mehr als 80 Millionen Euro am stärksten betroffen. Bei den Brandursachen führen Blitzschläge die Statistik an (21 Prozent aller Schadensfälle), bei der Höhe der verursachten Schäden sind es hingegen die Zündquellen „offenes Licht und Feuer“, „elektrische Energie“ sowie „Wärmegeräte“.

 

Intelligente Algorithmen

Brandfrühesterkennung lautet demnach das Schlüsselwort, wenn der Schaden künftig minimiert werden soll. Es geht um eine schnelle und genaue Lokalisierung von Bränden – eine Aufgabe, die für das digitale Zeitalter vernetzter Sensoren, Kameras, Rauch- und Bewegungsmelder wie geschaffen zu sein scheint. Systeme sind bereits auf dem Markt, zum Beispiel die erste weltweit zertifizierte videobasierte Branderkennung Aviotec von Bosch. „Die Kamera erkennt Flammen und Rauch an der Quelle. Das System verwendet intelligente Algorithmen zur Analyse und Verarbeitung der Bilder“, erläutert Marcus Nadenau, Leitung Technik bei Bosch Sicherheitssysteme. Die lernenden Algorithmen sorgen dafür, dass zwischen echtem Feuer und Störgrößen wie Reflexionen, Bewegungen oder Gegenlicht unterschieden wird, um so die Zahl von Fehlalarmen zu minimieren. Alarme können an eine bestehende Brandmelderzentrale oder über das Ethernet an eine Leitstelle gesendet werden. Auch die Echtzeit-Übertragung von Videobildern in HD-Qualität an mobile Endgeräte ist möglich.

 

Smarte Rauchmelder

Wie sich der Brandschutz in Zeiten der Digitalisierung entwickelt, zeigt ebenfalls das Beispiel des Rauchmelders. Handelte es sich bisher vor allem um stationäre und autonome Geräte, so setzen intelligente Systeme auf Vernetzung und Datenanalyse, die auf den Brandherd schließen lassen. Sensoren ermöglichen dabei unter anderem die Messung von geruchlosem Kohlenmonoxid in der Luft. Warnungen werden per App-Verlinkung ans Smartphone weitergeleitet. Sind mehrere Melder im Gebäude miteinander vernetzt, übermittelt ein Melder die Information an die anderen Melder, damit alle Alarm schlagen. Was im Smart Home bereits funktioniert, lässt sich auf Bürogebäude oder gewerbliche Betriebe ausdehnen. Der nächste Entwicklungsschritt könnte zu überbetrieblichen Lösungen führen. Sind etwa in einem Gewerbezentrum die Unternehmen untereinander vernetzt, können gemeinsame Software und Rechner genutzt werden. Die eingebundene Feuerwehr erfährt den Alarm automatisch und macht sich auf den Weg.

Eine weitere smarte Technik, die den Nutzen der Digitalisierung illustriert, soll dafür Sorge tragen, dass gewisse Brände erst gar nicht entstehen. Die Rede ist vom sogenannten Arc Fault Detection Device (AFDD), einer Schutzeinrichtung für Brände, die elektrische Energie als Ursache haben (2016 gab es in Österreich knapp 1000 Brandschäden mit einer Gesamtschadenssumme von 56 Millionen Euro). „Brände durch elektrische Anlagen haben ihren Ursprung häufig in Fehlerlichtbögen, die herkömmliche elektromechanische Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (FI-Schutz) nicht erkennen“, erläutert Elektromeister Walter Horzynek. AFDDs tun dies hingegen und trennen den betroffenen Stromkreis von der Stromversorgung, bevor es zum Brand kommt. „Der Einsatz ist speziell im Bereich von Räumen mit einem erhöhten Brandrisiko durch verarbeitete oder gelagerte Materialien oder an Orten mit brennbaren Baustoffen sinnvoll“, so Horzynek. In Deutschland werden AFDDs an solchen Örtlichkeiten bereits seit Februar 2016 flächendeckend eingesetzt.

 

Buch ohne Papier

Auch bei der Verwaltung aller Daten werden im Zeitalter des Brandschutzes 4.0 wohl digitale Lösungen in die nahe Zukunft führen. „Checklisten auf Papier gehören ins vorige Jahrhundert. Aufwand und Fehlerquellen sind zu groß“, erklärt Testify-Gründer Thomas Gratz, der mit dem Linzer Start-up eine App entwickelt hat, die Qualitätskontrolle und Mängelerhebung effizient zu erledigen verspricht.

Die App fungiert dabei als digitales Brandschutzbuch, in dem unter anderem gesetzliche Vorschriften von brandschutzrelevanten Teilen abgebildet, erfasste Mängel als Aufgaben angelegt oder gesammelte Daten der Prüfungen gespeichert und exportiert werden. Weiters lassen sich etwa im Brandfall aus den manipulationsgeschützten Daten digitale Prüfprotokolle erstellen. Damit erfasste Mängel auch behoben werden, kann man Aufgaben direkt in der App einer zuständigen Person zuweisen. Dass alle aufgenommenen Informationen in Echtzeit auf den mobilen Geräten verfügbar sind, ist im neuen Jahrhundert ja bereits selbstverständlich.

VERANSTALTUNG

Worauf ist beim Brandschutz in Zukunft zu achten? Welche neuen Regelungen gibt es? Schlüsselkräfte dieser Branche – vom Brandschutzbeauftragten über den Interventionsleiter bis zum Risikomanager – erfahren dies beim TÜV Austria Brandschutztag 2018, der am 13. März von 9 bis 16 Uhr im Austria Trend Hotel Eventhotel Pyramide in Vösendorf stattfindet. Die behandelten Themen reichen dabei vom Brandverhalten von Fassadenelementen über Thermografie bis hin zum Brandschutz bei Maschinen.

Für das Brennen der Bauchmuskeln soll Humoranbieter Klaus Eckel mit einer Showeinlage sorgen.

www.tuv-akademie.at/brandschutztag-2018

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2018)

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