Niederösterreich: Steigende Nachfrage, neue Projekte

Immer mehr Menschen zieht es in den erweiterten Speckgürtel Wiens. Die Immobilienentwickler haben die Zeichen der Zeit erkannt.

Visualisierung des geplanten Wohlmetzbergervierterls in St. Pölten
Visualisierung des geplanten Wohlmetzbergervierterls in St. Pölten
Visualisierung des geplanten Wohlmetzbergervierterls in St. Pölten

In den vergangenen Jahren ging die Nachfrage nach Immobilien im erweiterten Speckgürtel rund um Wien steil hinauf. Zwar hat sich mittlerweile die Kurve ein wenig abgeflacht, dennoch liegt Niederösterreich weiterhin im Trend, wie etwa der Immobilien-Zukunftsindex von Re/Max prognostiziert. Die dafür befragten 560 Immobilienexperten in ganz Österreich sehen für das Jahr 2019 3,1 Prozent mehr Nachfrage, der lediglich um 0,8 Prozent mehr Objekte gegenüberstehen. Die Preise sollen dieser Einschätzung nach um 3,2 Prozent anziehen.

Ein besonders beliebtes Pflaster ist dabei St. Pölten, „ein derzeit hochinteressanter Markt, auf dem eine rege Bau- und Kauftätigkeit herrscht“, wie Bernhard Baumgartner, Geschäftsführer von Re/Max Plus in St. Pölten, seinem Einzugsgebiet Rosen streut. Aber auch die Zahlen sprechen eine recht deutliche Sprache: So konnte die niederösterreichische Landeshauptstadt bei den Wohnungspreisen zwischen 2017 und 2018 eine Steigerung um 8,1 Prozent erfahren, im Fünf-Jahres-Vergleich zu 2013 sogar um 33,7 Prozent zulegen.

• Quartier in Korneuburg

Nicht nur die Hauptstadt selbst, auch andere Lagen Niederösterreichs können mit spannenden neuen Projekten aufwarten. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sie eine gute öffentliche Anbindung an die Landeshauptstadt vorweisen können. Wie beispielsweise Korneuburg, wo die Signa Holding jetzt in ganz großem Stil investiert. Hier wird auf dem Areal der Alten Werft gleich ein ganzes neues Quartier entstehen. Auf gut zehn Hektar sollen ab Anfang 2022 Wohnungen, Geschäfts- und Gastronomieflächen gebaut werden, die Wohnen, Arbeiten und die Freizeitgestaltung vor Ort ermöglichen. Für die Realisierung des Großprojekts ist eine Kooperation privater und öffentlicher Grundstückseigentümer geplant. Die Signa Development Selection hat einen 45-prozentigen Anteil des Areals gekauft und steigt als Partner der Stadtgemeinde in die Entwicklung ein. Derzeit wird das Gelände der 1852 von der Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft errichteten Reparaturwerft direkt am Donauradweg als Veranstaltungs-Location der örtlichen Kulturszene sowie als Lager- und Bürofläche genutzt. Für die neue Identität des Quartiers werden das Hafenbecken, die Donau und die umliegende Au eine tragende Rolle spielen.

• Großprojekt in St. Pölten

Ein Großprojekt, das die anhaltende Nachfrage bedient, wird in Kürze gestartet: Immobilieninvestor Manfred Wohlmetzberger errichtet in der Schneckgasse 17 ein viergeschoßiges Haus, das mit dem Gebäude an der Nummer 15 verbunden wird und so eine neue Wohnhausanlage entstehen lässt. In den Regelgeschoßen und vier zusätzlichen Dachgeschoß-Maisonetten werden 35 neue Mietwohnungen errichtet, die zwischen 45 und 80 Quadratmeter groß sind und fast alle über einen Balkon oder eine Terrasse verfügen. Insgesamt sechs Millionen Euro werden in 2200 Quadratmeter verbaute Fläche investiert, die Mitte 2020 bezugsfertig sein soll.

Neben dem Großprojekt hat Wohlmetzbergers Firma Wertikal aber auch mit einem Prestigeprojekt begonnen, der Renovierung der bekannten Voith-Villa an der Ecke Dr.-Theodor-Körner-Straße und Jahnstraße. In beziehungsweise auf der Gründerzeitvilla aus dem Jahr 1913 werden vier großzügige Dachgeschoßwohnungen entwickelt, auf dem benachbarten Grundstück sollen in weiterer Folge 20 neue Wohnungen auf einem 1000 Quadratmeter großen Areal gebaut werden.

• Zentrum in Maria Enzersdorf

Ebenfalls gleich ein ganzes neues Quartier wird es bald in Maria Enzersdorf geben: Die Bauarbeiten für das sogenannte Südstadtzentrum, zu dem fünf Baukörper rund um einen Begegnungsplatz gehören, beginnen im Sommer. Die Planungen sehen 139 Wohnungen – darunter 31 Einheiten für betreutes Wohnen – Büros, Geschäfte, Nahversorger, Gastronomie sowie ein Ärztezentrum vor. Die Nutzfläche umfasst insgesamt 13.000 Quadratmeter und 129 Tiefgaragenplätze.

Projektiert wurde das Vorhaben bereits von der Immovate und der Trivalue Management GmbH, durchgeführt wird es von der Handler-Immobiliengruppe, die das gesamte Projekt jüngst käuflich von Ersteren erworben hat. „Wir wollen das in die Jahre gekommene Einkaufszentrum in einen belebten Begegnungsort für die Bevölkerung verwandeln. Mit den Plänen, die nun vom neuen Eigentümer umgesetzt werden, wird das gelingen“, zeigt sich Immovate-Geschäftsführer Martin Kurschel optimistisch. Bis es so weit ist, müssen aber zunächst einmal die derzeitigen Mieter temporär umquartiert werden, ehe das neue Quartier 2021 bezogen werden kann. (sma)

AUF EINEN BLICK

Die Dynamik auf dem niederösterreichischen Immobilienmarkt hat zwar jüngst etwas nachgelassen, dennoch erwartet das Maklernetzwerk Re/Max für heuer ein Plus von 3,1 Prozent bei der Nachfrage. Da dieser lediglich ein Plus von 0,8 Prozent bei neuen Projekten gegenübersteht, werden durchschnittliche Preissteigerungen von 3,2 Prozent erwartet. Rege Bautätigkeit herrscht derzeit in St. Pölten, neue Großprojekte werden aber auch in Korneuburg und Maria Enzersdorf angegangen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.04.2019)

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