Immobilienpreise beruhigen sich

ÖVI: In Wien stabilisieren sich die Preise in mäßigen Lagen - Teuerung von voraussichtlich rund 5 Prozent in guten Lagen

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Der "Hype" bei den Immobilienpreisen ist vorerst vorbei. Große Sprünge nach oben sind heuer - wie schon im Vorjahr - nicht mehr zu erwarten. "In guten Lagen in Wien erwarten wir einen Anstieg um rund 5 Prozent, in mäßigen Lagen werden sich die Preise stabil halten", sagte Andreas Wollein, Vorstand beim Österreichischen Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI) am Dienstag vor Journalisten.

"Wir erwarten in den nächsten Jahren eine nach wie vor stabile, aber verhaltene Nachfrage", so Wollein. Die Käufer hätten "nicht mehr die Panik, das Geld auf Druck ausgeben zu müssen", seien wieder kritischer geworden und träfen ihre Kaufentscheidungen vorsichtiger und überlegter als in den vergangenen Jahren. Angesichts des niedrigen Zinsniveaus seien Wohnimmobilien nach wie vor eine attraktive Anlageform.

Wien im europäischen Mittelfeld

"Die Preise haben sich auf hohem Niveau beruhigt bzw. stabilisiert", sagte der ÖVI-Vorstand. In der Bundeshauptstadt kosten neue Eigentumswohnungen im Schnitt 4.500 Euro pro Quadratmeter und gebrauchte rund 3.500 Euro. Wien liege damit auf dem Niveau von Hamburg, Rom oder Mailand und im europäischen Mittelfeld. Für eine Standardwohnung mit knapp 70 Quadratmetern braucht man in Österreich knapp sechs Bruttojahresgehälter, in Wien freilich mehr. In Frankreich sind acht Bruttojahresgehälter erforderlich, in Großbritannien zehn und in Israel mehr als zwölf.

Die Mieten haben in den vergangenen Jahren bei weitem nicht so stark zugelegt wie die Kaufpreise. "Die Schere zwischen Miete und Eigentum ist in den vergangenen Jahren stark aufgegangen", berichtete Wollein. Seit 2013 seien die Mieten bei Neuabschlüssen im Schnitt um rund 4 bis 5 Prozent gestiegen. Für private, nicht preisregulierte Wohnungen ist ein Hauptmietzins (ohne Betriebskosten) von durchschnittlich rund 9 Euro zu bezahlen, für Richtwertwohnungen sind es 7,7 Euro.

Eigentumswohnungen, die mehr als 300.000 Euro kosten, sind nur schwierig zu verkaufen - sie bleiben länger am Markt, umriss Wollein die Grenzen der durchschnittlichen Leistbarkeit von Wohnraum. Für kleinere Objekte würden 250.000 bis 300.000 Euro, also unter 3.500 Euro pro Quadratmeter, bezahlt.

10., 11. und 15. Bezirk am günstigsten

Preislich liegt die Wiener Innenstadt mit bis zu 15.000 Euro pro Quadratmeter in sehr exklusiven Objekten nach wie vor an der Spitze. Ebenfalls teuer sind der 4., 7., 8., 9. und 19. Bezirk, wo für neue Eigentumswohnungen durchschnittlich 5.500 Euro pro Quadratmeter und für gebrauchte über 4.000 Euro zu zahlen sind. Am günstigsten sind der 10., 11. und 15. Bezirk. Aber: "In Wien gibt es grundsätzlich keine schlechten Lagen mehr", so der ÖVI. In den günstigsten Bezirken werde vermehrt investiert, weil die Preise dort im Vergleich zu den anderen noch niedrig seien.

Die massivsten Preisanstiege hatte es laut ÖVI zwischen 2010 und 2013 gegeben. "Diese Entwicklung hat sich jetzt wieder normalisiert", betonte Wollein. In den zehn Jahren zwischen 1993 und 2003 hingegen habe sich am Wiener Wohnungsmarkt "überhaupt nichts getan". Danach zogen die Eigentumspreise allmählich an - anfangs im Schnitt um 5 Prozent jährlich. Diese Dimension könnte auch für die nächsten Jahre maßgeblich sein - falls das Zinsniveau niedrig bleibe, so der ÖVI.

Die Banken bieten derzeit für die Finanzierung von Immobilien je nach Bonität Fixzinsdarlehen mit einer Verzinsung zwischen 2 und 3 Prozent. Kreditnehmer zahlten momentan nur den Euribor von minus 0,14 Prozent plus 0,5 bis 2 Prozent Aufschlag. (APA)

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