Immobilien 2018: Schere zwischen Angebot und Nachfrage geht weiter auf

Die Preise werden steigen, jedoch in Spitzenlagen weniger als an den Stadträndern. Besonders gefragt werden laut Remax heuer Baugrundstücke sein.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Das Immobilien-Angebot wird 2018 nur minimal steigen, die Nachfrage dagegen wesentlich stärker. Das ist die Conclusio der Immobilien-Experten von Remax in der Vorschau auf das neue Jahr. Grundsätzlich sollen die Preise beim Wohnungskauf stärker anziehen als  bei den Mieten. Baugrundstücke werden wieder stärker nachgefragt als im Vorjahr.

Laut Hochrechnung wurden über 120.000 Immobilien-Verkäufe im Jahr 2017 verbüchert. Das rekordverdächtige Immobilienjahr führt Bernhard Reikersdorfer, Geschäftsführer von RE/MAX Austria, auf das zwar leicht rückläufige, aber noch immer durchwegs gute Immobilienangebot, die nach wie vor gute Nachfrage, die weiterhin fehlenden alternativen Geldanlagemöglichkeiten und das anhaltend historisch niedrige Zinsniveau zurück.

Für 2018 erwarten die Remax-Experten Anstiege beim Immobilien-Angebot und bei der Nachfrage, wenngleich in geringerem Umfang als noch für 2017. So sehen sie ein Nachfrage-Plus von 3,9 Prozent, aber nur ein um 1,3 Prozent höheres Angebot. Weil die Schere zwischen Angebot und Nachfrage weiter aufgeht, wird das wohl auch der Preis entsprechend abbilden. Ein Plus von 4,5 Prozent über alle Gebiete, Immobilientypen und Preisklassen gemeinsam werde erwartet.

Trends am Immobilienmarkt
Trends am Immobilienmarkt
Trends am Immobilienmarkt – (c) APA

Der preistreibende Faktor ist dabei vor allem das Angebot, das ohnedies schon seit geraumer Zeit zu gering ist und auch 2018 mit dem Nachfragewachstum nicht mithalten kann. „Dies ist natürlich nur ein grober Indikator, der aber die Stimmungslage im Zeitverlauf über die Jahre recht gut charakterisiert“, erklärt Anton E. Nenning, Remax Austria Managing Director.

Die Preissegmente bestimmen den Trend


Im oberen Preissegment sinkt die Immobilien-Nachfrage weiter, das Angebot steigt annähernd gleich wie im Vorjahr mit 1,3 Prozent. Der Preis dreht von minimal sinkend auf minimal steigend, so Re/Max in einer Aussendung. Im mittleren Preissegment hingegen bleibt die Nachfrage-Dynamik auf Vorjahresniveau deutlich positiv. Das das Angebot weniger wächst , ziehen die Preise deutlich um 4,3 Prozent an. Im billigeren Segment wäre laut Remax theoretisch der große Markt, wenn das Angebot mit der Nachfrage mithalten könnte. In diesem Segment ist die Nachfrage immer größer und sie bleibt mit plus 7,8 Prozent weiterhin besonders dynamisch. Das Angebot im unteren Segment bleibt beinahe konstant, was eine erwartete Preissteigerung von 5,6 Prozent plausibel erscheinen lässt.

Die Eigentumswohnungen in zentralen Lagen dominieren bei der Nachfrage. Den RE/MAX-Experten zufolge soll die Nachfrage um mehr als fünf Prozent zulegen, die Preise um 5,6 Prozent. „Für Anleger, die nicht die unbestreitbare Sicherheit im Auge haben, sondern die laufende Rendite, schmälert sich diese weiter, weil die frei zu vereinbarenden Mietzinse bei einer Neuvermietung doch weniger ansteigen werden als die Kaufpreise“, so Nenning. Die Eigentumswohnungen in Landgemeinden hingegen sollen bei den Preise konstant bleiben. „Den Mehrjahresvergleichen zufolge gewinnen Wohnungen am Stadtrand und in Landgemeinden zunehmend an Attraktivität. Die Veränderungen erfolgen nicht rasant, sind aber schon seit einigen Jahren in kleinen Schritten nachweisbar und für 2018 für Kauf und Miete gleichermaßen dokumentiert“, meint Nenning.

Baugrundstücke sind das Highlight


Einfamilienhäuser am Stadtrand und in Landgemeinden bleiben weiterhin besonders attraktiv und legen – wie schon im Vorjahr – weiter zu. Um 4,8 Prozent bei der Nachfrage und mit 4,1 Prozent beim Preis. Das Angebot wird von den Remax-Experten als konstant eingeschätzt. „Einfamilienhäuser sind ja nach wie vor die beliebteste Wohnform der ÖsterreicherInnen. Wer ein Einfamilienhaus besitzt und es verkaufen möchte, hat aktuell sehr gute Chancen, sofern nicht Phantasiepreise verlangt werden.“

Baugrundstücke zeigen von allen Immobilientypen die höchste Dynamik, zumindest nach den Erwartungen von Remax: Grundstücke erwarten die höchste Nachfrage-Steigerung unter den untersuchten 17 Immobilienkategorien, nämlich spürbare 6,0 Prozent. Da das Angebot um 2,6 Prozent zurückgehen soll, werden die Preise besonders stark anziehen. Den Berechnungen zufolge um 6,3 Prozent. Zum Vergleich: noch vor fünf Jahren war eine Wertsteigerung nur mit einem Prozent erwartet worden.

Das überaus starke Immobilienjahr 2017 hat den Honorar-Umsatz von Remax um 12,5 Prozent gegenüber 2016 steigen lassen. Am deutlichsten war das Plus in Wien, der Steiermark, Tirol und Salzburg. "Erstmals wurden über 10.000 Transaktionsseiten mit einem Immobilienwert von beinahe 1,45 Mrd. Euro begleitet", so Remax-Chef Reikersdorfer.

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