Shopdesign: Ein Spiegel der Produkte

In die Innengestaltung von Geschäftslokalen fließt heutzutage viel Gehirnschmalz. Als Zielvorgabe gilt, Waren und Ausstattung zu einer unverwechselbaren Einheit zu verschmelzen.

Beispiele modernen Shopdesigns: Brot-Verkaufslokal von Hannes Zieher.
Beispiele modernen Shopdesigns: Brot-Verkaufslokal von Hannes Zieher.
Beispiele modernen Shopdesigns: Brot-Verkaufslokal von Hannes Zieher. – (c) Thomas Schauer

Dass man mit der Gestaltung eines kleinen Geschäfts in die Architekturgeschichte eingehen kann, hat der legendäre Planer Hans Hollein bewiesen. Sein 1965 realisiertes Kerzengeschäft Retti am Wiener Kohlmarkt hat in puncto Ästhetik Maßstäbe gesetzt und steht heute unter Denkmalschutz. Angesichts solcher Vorbilder ist Shopdesign für viele Architekten eine reizvolle Herausforderung. Auch das Wiener Architekturbüro Malek Herbst, das mit 55 Mitarbeitern Wohn-, Büro- und Industriebauten realisiert, beschäftigt sich damit: „Solche kleineren Aufgaben sind genauso spannend wie große Projekte“, betont Architekt Georg Herbst.

 

Auftraggeber reden mit

Bei einem Flagshipstore für den Schreibgerätehersteller Stabilo haben die Planer von Malek Herbst versucht, die Form des Produkts in das Shopdesign einfließen zu lassen. „Das Geschäft sollte mit seiner Architektur Qualität vermitteln und eine optimale Präsentation ebenso ermöglichen wie das Ausprobieren der Stifte“, erzählt Herbst über die Anforderungen an den mittlerweile geschlossenen sechseckigen Laden.
Die hier bewiesene Kreativität steht heute allerdings nicht mehr allein im Mittelpunkt bei der Planung von Geschäften. Vor allem bei den großen Handelsfirmen gibt es bei der Gestaltung meist relativ genaue Vorgaben. Design und Farbgestaltung sind ebenso geregelt wie der Ablauf der Warenpräsentation. Das Ziel: Der Kunde soll sich in jeder Filiale wohlfühlen und rasch die gewünschten Produkte finden. Herbst – sein Büro arbeitet für große Handelskonzerne wie Spar oder Hofer – sieht solche nüchternen Vorgaben keineswegs als Einschränkung, sondern eher als Herausforderung: „Es gehört zu unserer Aufgabe als Architekten, das oft detaillierte Konzept des Kunden in der gegebenen Situation des Objekts optimal umzusetzen.“ Das erfordere viel Erfahrung, meint der Planer. Hinzu kommen zahlreiche rechtliche Vorschriften, vom Umfang der natürlichen Belichtung bis zur Einrichtung von Fluchtwegen.

Detaillierte Richtlinien gibt es auch für die Geschäfte bekannter Modemarken. Der Grazer Gernot Käfer arbeitet mit seinem TB Shopteam für mehrere große Anbieter von Damen-, Herren- und Kindermode. „Das Design der Marke wird vorgegeben, wir setzen es auf die Verhältnisse vor Ort um“, erzählt er. Vor allem bei der Realisierung von Geschäften in Altbauten ist das oft wesentlich komplexer, als es klingt. „Es gibt eine Reihe von Einschränkungen bei der Statik, aber oft auch vom Denkmalschutz, und dann muss man sich Alternativen einfallen lassen“, erklärt Käfer. Bei einem Projekt in der Grazer Herrengasse etwa durfte die Einrichtung nicht an der denkmalgeschützten Wand verankert werden. Käfer hat freistehende Konstruktionen geschaffen, die zugleich als Raumteiler dienen.

Eine Herausforderung ist es mitunter auch, Verkaufsräume für völlig neue Produkte und Ideen zu entwickeln. Vrana Shopdesign aus dem Waldviertel bekam vor zwei Jahren den Auftrag, Geschäfte für die Firma Strandmeister zu gestalten. Bei diesem damals neu gegründeten Unternehmen stehen Accessoires für Männer im Mittelpunkt, Zielgruppe sind sehr junge Kunden. „Solche Geschäfte hat es vorher eigentlich nicht gegeben“, erzählt Imogen Mühlbacher von Vrana. Die Läden sollten weder überladen noch leer wirken, die ins Auge gefasste Kundengruppe schon durch die Außengestaltung ansprechen und ins Geschäft locken. Dort musste das Angebot spannend inszeniert werden, erläutert Mühlbacher: „Wir haben viel mit Licht gearbeitet, die Geschäfte eher dunkel gehalten, mit Spots die Highlights besonders hervorgehoben.“ Erfolgreiche Läden sollen dem Kunden auch eine Geschichte erzählen, ihn auf emotionaler Ebene die Idee des Unternehmens und der Produkte vermitteln. Shopdesigner setzen sich deshalb intensiv mit ihren Auftraggebern auseinander: „Wir führen noch vor Beginn der Planungsphase lange Gespräche, um möglichst alles über das Unternehmen zu erfahren“, berichtet Hannes Zieher.

 

„Handgemachte“ Shops

Seine Firma versteht sich als Shopdesignmanufaktur. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Philosophie und Kultur eines Unternehmens in den Mittelpunkt der Geschäftsgestaltung zu stellen. Bewiesen hat er das unter anderem bei Filialen für eine Bäckerei: „Der Bäckermeister setzte noch auf echte Handarbeit und hatte sich ein riesiges Know-how angeeignet“, erzählt Zieher. „Er reiste sogar nach Paris, um alles über Baguettes zu lernen.“ Für die handgemachte Ware schuf Zieher quasi handgemachte Shops. „Wir haben keine fertige Einrichtung adaptiert, sondern für jede Filiale ein eigenes Konzept entwickelt.“ Der Shopdesigner baute keine Kulisse auf, sondern versuchte, die Substanz des jeweiligen Ladens in die Gestaltung miteinzubeziehen. „So entstand ein spannender Mix, der die Menschen auf mehreren Ebenen anspricht“, erklärt Zieher.

Info

Früher hießen sie Ladeneinrichter, heute nennen sie sich Shopdesigner. Bei der Gestaltung von Geschäften sollen sie nicht nur architektonische Akzente setzen, sondern auch eine verkaufsfördernde Atmosphäre schaffen. Und das alles unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen von Handelsketten, gesetzlichen Vorschriften und baulichen Anforderungen vor Ort.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2018)

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