Wien-Mariahilf: Zu Besuch bei Interieur-Experten

Wie Künstlerin Monika Nguyen und Designer Harald Hatschenberger mit ihren Kindern gründerzeitliche 165 Quadratmeter im 6. Wiener Bezirk beleben – und für Veränderungen rüsten.

Barbier/Nguyen

Abseits vom Trubel und doch mittendrin – so liebt es die fünfköpfige Familie. Die Bauherren, Architektur- und Landschaftsfotografin Monika Nguyen und Harald Hatschenberger, Partner des Interior-Design-Studios Destilat, haben sich daher im Grätzel Nähe Naschmarkt und Mariahilfer Straße in einem Gründerzeithaus in Wien Mariahilf niedergelassen.
Ein Grund war, dass das Büro des Bauherrn zu Fuß in nur fünf Minuten erreichbar ist. Vor allem aber „ist das Viertel sehr zentrumsnahe und lebendig und trotzdem nicht von Touristen überlaufen.

 

Flexibles Familiendomizil: Leben auf 165 Quadratmetern

Das war uns sehr wichtig“, erzählt Monika Nguyen. Bei der Standortwahl spielten aber auch die zur Auswahl stehenden Schulen für die Kinder eine Rolle. „Es war eine Mischung aus strategischer Planung und dem notwendigen glücklichen Zufall“, meint Harald Hatschenberger. Denn die Familie plant gern vor – auch in Sachen Wohnbedarf.

Baden mit Aussicht

Im vierten Stock wurden zwei gegenüberliegende Wohnungen zusammengelegt, wobei die eine 65 m2 groß und hofseitig orientiert ist und die andere mit 100 m2 Fläche straßen- und hofseitige Fenster aufweist.

„Durch die Möglichkeit, einen Teil des Treppenhauses abzutrennen und die beiden Wohnungen zu verbinden, ergibt sich die Gelegenheit, diese beiden Wohneinheiten sehr flexibel zu nutzen“, erklärt Hatschenberger. „Die Kinder werden größer, die Ansprüche und Erwartungen aller Familienmitglieder verändern sich.“ Noch ist nicht alles wie gewünscht, „die kleinere Wohnung soll nächsten Winter umgebaut werden, um auch hier zwei getrennte Schlafzimmer zu erhalten und die ,Geschmackssünden‘ der Vorbesitzer zu eliminieren“, erzählt Nguyen.
Doch die größere Wohnung wurde schon komplett saniert, die Raumeinteilung dabei auf die Bedürfnisse der Bewohner zugeschnitten. „Durch das Versetzen einiger Wände wurde es möglich, hofseitig zwei ruhige Schlafzimmer zu schaffen“, erzählt Nguyen.

Zum Ort und den Personen

Zwei Altbauwohnungen mit rund 65 und 100 Quadratmetern wurden zusammengelegt, umgebaut und sind in Kürze flexibel nutzbar. In Mariahilf kosten gebrauchte Eigentumswohnungen laut Immobilien-Preisspiegel zwischen 1899 (mäßige Lage) bis 4120,70 Euro/m2 (sehr gute Lage), Mietwohnungen zwischen 8,2 und 12,1 Euro/m2.
Monika Nguyen ist als Fotografin tätig, Harald Hatschenberger als Interieur-Designer.

Der Vorraum wurde verkleinert, das Badezimmer fand im ehemaligen „Dienerzimmer“, dem Kabinett, straßenseitig Platz und verfügt nun über eine frei stehende Badewanne mit Blick bis zum Naschmarkt-Flohmarkt. Hatschenberger: „An rauen, ungemütlichen Wintertagen ist das Baden mit Aussicht ein besonderer Genuss.“ Auch für die Küche musste ein neuer Platz gefunden werden. Eine offene, kinderkompatible Lösung mit Esszimmer und Küche als gemeinsamem, zentralem Raum wurde gefunden. Da die Familie auch gern Gäste empfängt, lässt sich der Wohnsalon mittels Doppelflügeltüren als Gästezimmer abtrennen und verbindet gleichzeitig Vorraum mit Esszimmer.

Die Einrichtung ist ein gut dosierter Mix aus – liebevoll in Eigenregie restaurierten – Vintage-Objekten, die den Altbaucharme unterstreichen, und neu angeschafften Möbeln, die der flexiblen Nutzung entsprechen müssen.

Nutzung nach Wunsch

„Das Projekt war weniger eine Herausforderung als die Chance, ein sehr variables Nutzungskonzept für die nächsten Jahre zu entwickeln, ganz auf das Leben der Familie zugeschnitten“, meint Hatschenberger. Möglichkeiten wurden dabei so einige angedacht: „von kurzfristiger Vermietung und teilweiser Eigennutzung durch die fünfköpfige Familie über das Bewohnen der gesamten Fläche bis zur getrennten Nutzung der beiden Einheiten“. In den nächsten Jahren, so der Plan, soll die größere Wohneinheit kurzfristig über Internetplattformen vermietet werden und in „freien Zeiten“ selbst verwendet werden. „Später, wenn die Kinder größer sind und der Wunsch nach dem eigenen Zimmer aufkommt, kann die gesamte Wohnung genutzt werden. Aber bis dahin ist ja noch ein bisschen Zeit. Und für die Jahre, wenn die Kinder aus dem Haus sind, kann die Wohnfläche wieder verkleinert werden“, ergänzt Hatschenberger.

Auch Wohnen und Arbeiten sind beim Bauherrnpaar nicht wirklich getrennt. Wobei beiden ein Laptop als Arbeitsgerät vollkommen ausreicht. Deshalb gibt es auch keine eigenen Homeoffice-Arbeitsplätze oder gar Atelierräume. „Esstisch, Sofa, Bett – bei uns wird überall gearbeitet, nach Lust und Laune“, sagt Nguyen.

 

 

 

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