Immobilienmarkt

Wohnraum in Wien wurde wieder teurer

Die Wohnungspreise zogen im ersten Halbjahr neuerlich an, das zeigt ein aktueller Marktbericht von EHL, Die Zeit der ganz großen Preisschübe dürfte aber vorerst vorbei sein.

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APA/GEORG HOCHMUTH

Wien. Wohnraum in Wien wird immer teurer. Das geht aus einem aktuellen Marktbericht des Immo-Consulters EHL hervor. Weitere massive Preisschübe dürften aber vorerst der Vergangenheit angehören.

In Wien waren für Eigentumswohnungen im quantitativ
wichtigsten Teilmarkt - dem mittleren Preissegment - im ersten
Halbjahr um rund 2,4 Prozent mehr zu bezahlen als vor einem Jahr.
Die Mieten stiegen im selben Zeitaum um etwa 1,8 Prozent, heißt es in dem Bericht.

Innere Stadt am teuersten, Simmering am günstigsten

Der mit deutlichem Abstand teuerste Bezirk war heuer in den
ersten sechs Monaten einmal mehr die Innere Stadt mit
durchschnittlichen Quadratmeterpreisen von rund 14.900 Euro. Über
5000 Euro pro Quadratmeter waren im Schnitt in den Bezirken Josefstadt (5200 Euro) und Neubau (5050 Euro) zu bezahlen.
Dahinter folgten Döbling (4975 Euro), Alsergrund (4900 Euro) und
Hietzing (4725 Euro).

Am günstigsten waren die Wohnungen in Simmering (2650 Euro),
Floridsdorf (3125 Euro), Brigittenau und Favoriten (beide 3150
Euro) sowie in der Donaustadt (3175 Euro). In den restlichen
Bezirken waren dem Marktbericht zufolge im Schnitt etwa 3500
bis 4500 Euro pro Quadratmeter auf den Tisch zu legen.

"Kaufpreise und Mieten werden in den kommenden Jahren moderat
anziehen - die rasanten Anstiege wie in den zurückliegenden Jahren
wird es vorläufig nicht mehr geben, einen Rückgang aber noch viel
weniger", erwartet die Geschäftsführende Gesellschafterin der EHL
Wohnen GmbH, Sandra Bauernfeind.

Angebot deckt Bedarf nicht - außer im Luxussegment

Der Wohnungsneubau sei zwar stark gestiegen, decke aber den
jährlichen Bedarf an zusätzlichem Wohnraum noch immer nicht ab. Im ersten Halbjahr wurden in Wien etwa 4600 neue Wohnungen
fertiggestellt - das waren um rund 4,1 Prozent mehr als im
Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Nachfrage werde das Angebot aber auch in den kommenden Jahren übersteigen, sagte Bauernfeind. Denn die starke Konjunktur und das niedrige Zinsniveau sorgen für eine steigende Investitionsbereitschaft der privaten Haushalte.

Das derzeit schwierigste Marktsegment für Wohnungsanbieter ist laut dem Bericht der Luxusbereich. Zwar gebe es nach wie vor eine
zufriedenstellende Nachfrage nach sehr exklusiven Objekten, doch das reiche nicht, um das deutlich ausgeweitete Angebot auszugleichen. Vor allem für Objekte, die nicht zu hundert Prozent den hohen Ansprüchen der Interessenten entsprechen, findet sich demnach oft lange kein Käufer. Der Angebotsüberhang wirkt sich laut EHL somit weniger bei den absoluten Spitzenprodukten
aus, die bis zu 35.000 Euro pro Quadratmeter kosten, sondern bei
Wohnungen, die sich oft nur in Nuancen von den Top-Objekten
unterscheiden. Bei Letzteren hätten Käufer "eine äußerst gute Verhandlungsposition" - sie können den Preis also spürbar nach unten drücken.

Baukosten sind deutlich gestiegen

Mit anderen Problemen sehen sich kleinere Projektentwickler konfrontiert: Ihnen machen die deutlich gestiegenen Baupreise infolge der starken Baukonjunktur zu schaffen. Laut EHL erhöhten sich die Baukosten heuer gegenüber dem ersten Halbjahr 2017 um zehn bis 20 Prozent. Baugrund hat sich allerdings zuletzt nur noch moderat verteuert - die Preise dafür bewegen sich bereits auf sehr hohem Niveau. Grundkosten von weniger als 1000 Euro pro Quadratmeter sind in Wien laut EHL "praktisch nicht mehr zu finden".

"Wenn die hohen Baupreise kein vorübergehender Ausreißer sind,
sondern das aktuelle Niveau beibehalten, wird das ein echtes Problem für den Gesamtmarkt", sagte Bauernfeind. Schon jetzt würden Projekte verschoben, weil sich die Kalkulationen nicht mehr ausgingen. Das könne speziell im Preissegment "Leistbares Wohnen" zu einer Einschränkung des Angebots an neuem Wohnraum führen.

(APA/red.)

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