Raiffeisen-Studie

Privater Immobilienmarkt: Gern ohne Makler

Ob Erbschafts-Immobilie oder Scheidungs-Haus: 55 Prozent der Verkäufer, Vermieter und Verpachter agieren noch von Privat an Privat, die Tendenz: leicht fallend. Raiffeisen-Immobilien befragte die Abgeber zu deren Motive, Wünsche und Sorgen.

Selbstgestrickt: Bei privaten Immobilienabgaben wird auf professionelle Hilfe immer noch gern verzichtet.
Selbstgestrickt: Bei privaten Immobilienabgaben wird auf professionelle Hilfe immer noch gern verzichtet.
Selbstgestrickt: Bei privaten Immobilienabgaben wird auf professionelle Hilfe immer noch gern verzichtet. – pixabay

38 Prozent der erwachsenen Österreicher haben bereits ein- oder mehrmals eine Immobilie verkauft, vermietet oder verpachtet - jedenfalls nach der aktuellen Studie der Raiffeisen Immobilien, der Immobilienmakler-Organisation der Raiffeisenbankengruppe. Die Abgeber sind demnach mehrheitlich Männer über 50 Jahren: 50 Prozent der über 50jährigen und 43 Prozent der Männer haben schon einmal eine Liegenschaft verkauft oder vermietet, verglichen mit 30 Prozent der 31- bis 50jährigen und 33 Prozent der Frauen.

 

Makler-Feld Verkauf


55 Prozent der Verkaufs- bzw. Vermietungstransaktionen erfolgte laut Umfrage von Privat an Privat, 45 Prozent der Abgeber beauftragen einen Makler. Mag. Nikolaus Lallitsch, Geschäftsführer von Raiffeisen Immobilien Steiermark und Sprecher von Raiffeisen Immobilien Österreich: „Dieser Marktanteil ist in den letzten Jahren offenbar gestiegen. Und er hat noch Potential nach oben - umso mehr als die Zeiten in denen Verkauf und Vermietung in manchen Regionen quasi zum Selbstläufer wurden, zu Ende gehen.“ Besonders unter den reinen Verkäufern sind die Makler-Profis gefragt, Vermietungen erfolgen dagegen häufiger ohne Makler. „Wenn es um viel Geld geht fühlen sich die heimischen Abgeber erfreulicherweise doch sicherer mit Makler-Unterstützung.“ resümiert Ing. Mag. (FH) Peter Weinberger, Geschäftsführer von Raiffeisen Immobilien NÖ/Wien/Burgenland und Sprecher von Raiffeisen Immobilien Österreich.

 

Erben, Trennen, heiraten


Haupt-Anlass für Verkauf und Vermietung ist eindeutig die Erbschaft: 29 Prozent gaben an, die Immobilie abzugeben, weil sie sie geerbt hatten. Für 15 Prozent war Geldbedarf der Anlass, für 13 Prozent Hochzeit oder Nachwuchs, für weitere elf Prozent war die Immobilie schlicht zu klein geworden. Je zehn Prozent nannten Übersiedelung aus beruflichen Gründen bzw. den Wunsch, schöner zu wohnen als bisher. Und in neun Prozent der Fälle wurde die Immobilie quasi zur „Scheidungswaise“ und musste deshalb veräußert werden.

Negative Erwartungen hinsichtlich der Markt-und Preisentwicklung blieben bei der Untersuchung unterhalb der Wahrnehmungsschwelle. Beim Vergleich Verkäufer mit Vermietern fällt auf, dass letztere signifikant häufiger Geldbedarf (20 Prozent vs. 15 Prozent) und Übersiedelung aus beruflichen Gründen (14 Prozent vs. 10 Prozent) als Motiv nannten.

 

Abgeber-Sorgen: Steuern und Besichtigungstermine


Ein Verkaufs- bzw. Vermietungsprozess dauert in der Mehrzahl der Fälle bis zu drei Monate. Zuvor hatte man meist bereits sechs Monate überlegt, sich von der Immobilie zu trennen. Als Haupt-Sorgen nannten die Abgeber die hohe steuerliche Belastung - 30 Prozent sehen das als sehr großes oder großes Problem - sowie den Zeitaufwand für Besichtigungstermine und das Finden des richtigen Verkaufs/Mietpreises (jeweils 25 Prozent).

Von ihrem Immobilienmakler erwarten sich Verkäufer und Vermieter in erster Linie eine korrekte Vorgangsweise (84 Prozent) sowie hohe Fachkenntnis (74 Prozent). Ebenfalls wichtig: Engagement für die Anliegen des Kunden (63 Prozent) und Hilfe bei der Preisfindung (58 Prozent).

Die Motive, warum man bei Verkauf oder Vermietung auf die Unterstützung von Experten verzichtet? 46 Prozent gaben an, keinen Makler gebraucht zu haben, weil sie den Verkauf bzw. die Vermietung auch selbst bewerkstelligen konnten - allerdings mit hohem zeitlichen Aufwand und großer Unsicherheit über die Werteinschätzung des Objekts. Die Kosten für das Erfolgshonorar des Maklers wurden von 24 Prozent als Hindernisgrund für dessen Beauftragung genannt, und in 19 Prozent der Fälle hatte man bereits einen Mieter oder Käufer aus dem eigenen Umfeld zur Hand.

 

Makler-Zufriedenheit und Verkaufserlöse

 

Im Zusammenhang mit der Kostenfrage sieht Peter Weinberger die Makler-Branche in der Bringschuld: „Makler müssen daran arbeiten die Leistungen für Abgeber transparenter zu machen. Das Service umfasst besonders auch die richtige Marktwerteinschätzung, die Aufbereitung der Immobilie für den Verkauf, die Entwicklung und Umsetzung einer geeigneten Vermarktungsstrategie, die gesamte Interessenten-Betreuung bis hin zu Nachverhandlungen und die Vorbereitung des Kaufvertrages, um nur die wichtigsten Aufgaben zu nennen." Überdies sei vielen Abgebern nicht bewusst, dass der Makler sein Honorar nur im Erfolgsfall erhält. Wird das Objekt wider Erwarten nicht verkauft, fallen auch keine Kosten an.

Wer Haus, Wohnung oder Grundstück mit Makler-Hilfe verkauft bzw. vermietet hat, ist laut Umfrage in zwei Drittel der Fälle mit dem Service des Maklers zufrieden: 65 Prozent vergaben die Note 1 bzw. 2 für „sehr zufrieden“ und „zufrieden“, nur zwölf Prozent ein „genügend“ oder „nicht genügend“. Im Mittelwert beurteilen Immobilien-Abgeber, die mit Maklern zusammengearbeitet hatten, diese mit der guten Note 2,2. 57 Prozent würden im Falle eines neuerlichen Verkaufes wieder einen Makler beauftragen. 

Mit Makler-Unterstützung lag der erzielte Verkaufs- bzw. Mietpreis deutlich häufiger über dem Angebotspreis, und zwar in 15 Prozent der Fälle, verglichen mit sechs Prozent ohne Makler-Unterstützung. Weinberger führt das auf die realistischere Einschätzung des Angebotspreises durch den Makler zurück.

Raiffeisen Umfrage

Die Online-Panelbefragung mit 1000 Teilnehmern wurde vom Österreichischen Gallup Institut im Jänner und Juli 2019 durchgeführt. Eine Detailbefragung von 403 Immobilien-Abgebern im Alter von 20 bis 65 Jahren fand ergänzend statt.

 

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