Auf der Pirsch nach Renditen

Immobilien stellen Werte dar, die marktgerecht verwaltet werden sollten. Das erkennen auch immer mehr Unternehmen, die welche besitzen.

(c) Www.BilderBox.com

In den Immobilien, die Unternehmen besitzen, ist viel Kapital gebunden. Nicht zuletzt aufgrund der Wirtschaftskrise und dem damit zusammenhängenden Einsparungsdruck, haben viele Firmen in den letzten Jahren das auch erkannt. Mit dieser Einsicht wurde gleichzeitig die Funktion des Corporate-Real-Estate-Managers (CREM) aufgewertet. „Schließlich ist bis dahin viel totes Kapital herumgelegen“, so Alexander Redlein, Professor für Facility Management an der Technischen Universität Wien. Die Aufgabe dieser Berufsgruppe sei es, dafür zu sorgen, dass die im Besitz eines Unternehmens stehenden Immobilien eine möglichst hohe Rendite abwerfen.

„Ein Corporate-Real-Estate-Manager muss nicht nur mit dem Unternehmen eng verbunden sein, sondern auch einen sehr guten Überblick über den Markt haben, um einschätzen zu können, wie die Immobilien am besten verwertet werden können“, so der Experte. „Dabei stelle sich etwa die Frage, ob es besser sei, eine Immobilie zu besitzen oder anzumieten. Liegt der Sitz eines Unternehmens etwa seit hundert Jahren im Stadtzentrum, so könnte ein Corporate-Real-Estate-Manager in Erwägung ziehen, die Immobilie teuer zu vermieten und in ein Objekt am Stadtrand zu ziehen“, so Redlein.

 

Ergebnisorientierung zuerst

„Es geht beim Corporate-Real-Estate-Management stark um die Ergebnisorientierung – sowohl auf strategischer als auch auf operativer Ebene“, so Rupert Ledl, Leiter des Zentrums für Immobilienwirtschaft an der Donau-Universität Krems. So könnten für ein Unternehmen Sale-and-lease-back-Strategien sinnvoll sein, um so wenig Kapital wie möglich zu binden. „Auf der anderen Seite kann es auch Ziel sein, viele Assets in der Bilanz zu haben, um mehr Sicherheiten im Fall einer Kreditaufnahme anbieten zu können“, fügt Redlein hinzu.

Carmen Dilch kennt als externe Baumanagerin – im Dienst der ECC Projektconsult für die ÖBB bei der BahnhofCity Wien West – die Materie in der Praxis. Für sie stellt das Corporate-Real-Estate-Management die „Königsklasse“ der Immobilienwirtschaft dar. „Wirtschaftliches, technisches und rechtliches Verständnis, gepaart mit profunder Marktkenntnis ist hier die Voraussetzung für den Erfolg“, so die Expertin, die auch als Projektmanagerin und Analystin für Go Asset Advisory tätig ist. Darüber hinaus hält sie Vorlesungen zum Thema Projektentwicklung und Projektmanagement an der Fachhochschule Campus Wien. „Gerade diese interdisziplinäre Sichtweise macht den Reiz des Corporate-Real-Estate-Managements aus“, sagt sie. In Österreich wird die Funktion des Corporate-Real-Estate-Managers von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich ausgelegt. „Die Grenzen zum Facility Management verschwimmen zunehmend“, so Ledl. Dabei würden vor allem größere Unternehmen eigene Corporate-Real-Estate-Manager und Facility Manager beschäftigen. In der Regel ist allerdings eine Person für beide Bereiche zuständig. „Dagegen spricht grundsätzlich auch nichts“, so Redlein. Wichtig sei in diesem Zusammenhang allerdings, dass dieser Manager sich darüber im Klaren ist, welchen Hut er wann auf hat, da zwischen beiden Tätigkeiten oft ein Trade-off, ein Interessenkonflikt, vorliegt. Aufgabe des Facility Manager sei es schließlich, darauf zu schauen, dass die Nutzer der Immobilien – dabei handelt es sich um die eigenen Mitarbeiter aber auch Kunden – bestmöglich unterstützt werden.

 

Potenzial erkennen

Laut Dilch hat das Corporate-Real-Estate-Management „als Instrument zur Professionalisierung von Non-Property-Companies“ – das heißt von Unternehmen, die Immobilien nicht zu ihren Kernaufgaben zählen – seit Ende der 1990er-Jahre in Österreich an Bedeutung zugenommen. Nichtsdestotrotz würden einige Unternehmen ohne eigene Immobilienabteilung oft das Potenzial ihrer Immobilien nicht sehen, da die „kernaufgabenorientierte Betriebsführung im Vordergrund steht“. „Die Entscheidungsträger in diesen Unternehmen reagieren dann erstaunt, wenn sie durch Projektentwickler auf das Potenzial ihrer Immobilien angesprochen werden“, so Dilch. „Vor allem kleinere Unternehmen wissen oft nicht, was CREM in der Praxis bedeutet“, so auch Redlein. Experten betonen, wie wichtig eine fundierte Ausbildung für die Tätigkeit ist. „Dank einer Reihe von spezialisierten Ausbildungen gibt es bereits die Möglichkeit, sich umfassendes Wissen anzueignen“, so Dilch.

Auf einen Blick

Ein Corporate-Real-Estate-Manager sollte über Kenntnisse des Immobilienmarktes verfügen, aber auch wirtschaftliches, technisches und rechtliches Verständnis sind gefragt. Oft wird er auch als Facility Manager beauftragt, hier gilt jedoch Achtsamkeit vor Interessenkonflikten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2012)

Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Auf der Pirsch nach Renditen

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.