Facility Management: „Professionalität stark verbessert“

Neue Anforderungen und Geschäftsmodelle, Expansion in den CEE-Raum: Es tut sich viel in der heimischen Branche.

(c) Dapd (Michael Probst)

Über mangelnde Bewegung kann man sich auf dem heimischen Facility-Management(FM)-Markt nicht beschweren. Zwar nimmt sich die Marktgröße im internationalen Vergleich relativ bescheiden aus – als Nummer eins in Europa gilt England, in Deutschland oder Frankreich ist die Branche um den Faktor fünf größer als in Österreich. Die Szene ist jedoch aktiv: Experten sprechen von heftigen Bereinigungstendenzen, aber auch von einigen Trends, die der immer noch jungen Branche beträchtliches Potenzial bescheren könnten.

„In Österreich gibt es einige große Anbieter, die ihre Wurzeln im Bereich von größeren Konzernen im Umfeld Bau oder Infrastruktur haben. Daneben existieren hunderte kleinere Betriebe mit den unterschiedlichsten Kernkompetenzen“, skizziert Michael Moshammer, Geschäftsführer der IFM – des Facility-Management-Unternehmens der Rustler Gruppe – das Umfeld. Für die Zukunft werden nicht nur Größe und Bekanntheit eine Rolle spielen. Sondern, ob der jeweilige Anbieter gerade für jene Leistungen, die ausgelagert werden sollen, eine besondere Eignung hat.

Daraus resultieren Zukunftschancen für die unterschiedlichsten Marktteilnehmer. „Große und bekannte Unternehmen werden sich bei einer Expansion in die CEE-Länder leichter tun als kleine und unbekannte“, so Moshammer; denn der Schritt über die Grenze erfolge meist gemeinsam mit internationalen Unternehmen im Umfeld der Immobilienbranche. „Innerhalb Österreichs kann aber – trotz Verdrängungsmarkts – auch ein mittelständisches FM-Unternehmen, wenn es ausgezeichnete Kernkompetenzen hat, mit einem vernünftigen Wachstum rechnen“, ist der Experte überzeugt.

 

Internationales Geschäft wird wichtiger

Von einer ansehnlichen Entwicklung des heimischen Markts in den letzten Jahren berichtet Viktor Wagner, Geschäftsführer von Reiwag Facility Services: „Die professionelle Betreuung hat sich sowohl bei Gebäuden, die in Eigenverantwortung gemanagt werden, als auch bei den anbietenden Dienstleistern wesentlich verbessert“, stellt er fest. Das liege einerseits an der stark wachsenden Zahl von Absolventen einer Facility-Management-Ausbildung, andererseits an der Notwendigkeit, die Betriebskosten zu optimieren. Die Bedeutung des transnationalen Geschäftes, speziell in den CEE-Ländern, sei deutlich stärker geworden, die Auslagerungstendenz halte weiter an.

Andererseits ist allerdings der Bedarf an Büroraum zuletzt gesunken: Wenn es zu Neuvermietungen kommt, dann meist, weil Unternehmen in preislich, organisatorisch oder flächenmäßig optimierte Räumlichkeiten umziehen. „Für die FM-Branche bedeutet das, dass die Zeiten des Wachstums durch Flächenvermehrungen Vergangenheit sind“, erklärt Susanne Schindler von First Facility. Auch im kommunalen Bereich steige die Nachfrage nach budgetoptimierenden Lösungen. Bei internationalen Kunden ortet Schindler einen Trend zu internationalen Anbietern, da die Einkaufsprozesse möglichst zentralisiert abgewickelt werden.

Weil Zertifikate und Labels zum Must-have für neue Immobilien werden, seien außerdem neue FM-Geschäftsmodelle gefordert, die sich nachhaltig positiv auf die Kostengestaltung auswirken und bei der Energieoptimierung helfen. „Die Themen Energie und CO2-Äquivalente – von der Emissionsvermeidung über Effizienz bis zum Einsatz von regenerativen Energiesystemen – werden im Facility-Management-Consulting und -Betrieb immer wichtiger“, so Schindler. Gerade bei Bestandsimmobilien komme dem FM eine steigende Bedeutung bei der Lösung von Optimierungs- und Sanierungsaufgaben zu.

 

Trend zu kurzfristigen Verträgen

Zwar mag die Nachhaltigkeitsdebatte für die Branche ein alter Hut sein, da ihre Tätigkeit seit jeher auf einer Lebenszyklusbetrachtung basiert; dennoch stehe das Facility Management vor neuen Herausforderungen, so Mooshammer: „Einsparungen im Primärenergieverbrauch – insbesondere im Bereich Altbau, der durch die neuen Green Buildings unter Druck gerät – sollten künftig die Spreu vom Weizen trennen. Glaubhafte Ideen und Konzepte, die Gebäudehülle und technische Gebäudeausrüstung gleichermaßen berücksichtigen, rücken verstärkt in den Fokus der Liegenschaftseigentümer.“

Was das Outsourcing diverser Dienstleistungen an spezialisierte Anbieter in Bereichen wie Reinigung, technische Wartung oder Winterservice betrifft, zeigen aktuelle Studien, dass sich Großkunden selten Integralanbietern anvertrauen. Wesentlich öfter werden mehrere Dienstleister beauftragt und dabei kurzfristige Verträge abgeschlossen. Alexander Redlein, Leiter des Zentrums für Informations- und Facility Management (IFM) an der TU Wien, sieht gerade hier Möglichkeiten für die Branche: „Der Trend geht in Richtung Infrastrukturdienstleister, die zusätzlich technische Services anbieten. Firmen können zum Beispiel Security-Mitarbeiter einsetzen, die mit Zusatzausbildung auch technische Routineinspektionen übernehmen.“ Wenn die ohnehin im Haus befindliche Sicherheitsfachkraft zusätzlich Brandschutztüren, Fluchtwege und Aufzugsmechanismen überprüft, spart man Personalkosten und Wegzeiten. Es gelte Synergien zu nutzen, ohne in den Verdacht zu kommen, Qualitätsansprüche zu vernachlässigen, sagt Redlein. „Dafür tragen Qualitätslabels und Zertifikate Sorge, die sich die Branche selbst zu geben beginnt.“ Diese könnten künftig die Akzeptanz für kosteneffiziente Generalanbieter steigern.

Branchentrends auf einen Blick

Auf Wachstum durch Büroflächenvermehrungen darf die FM-Branche kaum mehr hoffen. Trotzdem könnten sich für sie laut Experten neue Chancen auftun – für große Unternehmen im Auslandsgeschäft, für kleinere durch spezielle Kernkompetenzen auf dem Inlandsmarkt, etwa beim Thema Energieeffizienz. Die Bedeutung von Qualitätslabels und Zertifizierungen steigt.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.ifm.tuwien.ac.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.03.2012)

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