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Singles wollen cool Wohnen

Die Zahl der Singlehaushalte in Städten wie München oder Wien steigt – im Luxussegment genauso wie anderswo auch.

Gefragtes Service: Concierge – wie etwa im Hotel Ambassy.
Gefragtes Service: Concierge – wie etwa im Hotel Ambassy.
Gefragtes Service: Concierge – wie etwa im Hotel Ambassy. – (c) Otto Immobilien

Sie sind viele, und sie werden immer mehr: Die Zahl der Singlehaushalte in den Großstädten nimmt rapide zu. In Wien nähert sie sich mit großen Schritten der 50-Prozent-Marke, in Städten wie München, Regensburg oder Passau ist diese längst überschritten.

Die Klientel. Die Bandbreite reicht von eingefleischten Junggesellen über (un)freiwillige Übergangs-Singles und überzeugte Alleinwohner trotz Beziehung bis zu älteren Menschen, die nach dem Tod des Lebenspartners allein in der Wohnung bleiben möchten, so lang es möglich ist. Außerdem gibt es jede Menge Teilzeitsingles, die unter der Woche oder auf absehbare Zeit in Wien arbeiten, während die Familie in den Bundesländern oder dem Heimatland lebt. Wer es sich leisten kann, tut das gern auf viel Platz mit wenig Wänden, wie es Sandra Bauernfeind, geschäftsführende Gesellschafterin von EHL Wohnen, auf den Punkt bringt: „Im Luxussegment unterscheiden sich Singlewohnungen nicht so sehr von Familienwohnungen – außer bei der Zimmerzahl“, erklärt sie. „Allein Lebende greifen gern zum Loft, also zu einem großen, offenen Wohnraum, denn viele Singles wollen sich über das großzügige Raumangebot definieren und mögen sehr coole Wohnungen, bei denen eine Familie nie zugreifen würde.“ Eine Erfahrung, die auch Martin Müller, Geschäftsführer von JP Immobilien, in diesem Segment gemacht hat: „Bei dieser Zielgruppe ist der Schlaf- und Arbeitsbereich oft klein, der Wohnraum dafür so groß wie möglich“, so der Makler. In diesem darf auch gern gezeigt werden, was man sich leisten kann – und das in vielerlei Hinsicht.

Licht, Luft und viel Platz? Einpersonenhaushalte im Luxussegment punkten mit Lage und Ausstattung.
Licht, Luft und viel Platz? Einpersonenhaushalte im Luxussegment punkten mit Lage und Ausstattung.
Licht, Luft und viel Platz? Einpersonenhaushalte im Luxussegment punkten mit Lage und Ausstattung. – (c) Pixabay

Denn natürlich sind bei Single- wie auch allen anderen Wohnungen im Prime-Segment hochwertigste Materialien und Möbel gefragt. „Wenn niemand dreinredet, kann auch das 20.000-Euro-Rennrad mit hinauf, das sicherlich nicht freiwillig im Keller abgestellt wird“, so Müller. Bei den privaten Räumen reicht meist ein Schlafzimmer, das aber die üblichen Anforderungen an Masterschlafräume im Luxussegment erfüllen, also ein integriertes Bad und einen begehbaren Schrankraum haben muss. Dieser sollte mit großzügigen Abmessungen glänzen, wie Michaela Orisich, Teamleiterin Wohnen Prime bei Otto Immobilien, weiß: „Genügend Stauraum für Gewand und Schuhe ist wichtig“, so die Maklerin. Außerdem ist zumeist noch ein Arbeitszimmer ein Thema, so Bauernfeind: „Die meisten Kunden in diesem Segment arbeiten viel und wollen daher einen Arbeitsbereich integriert haben“, weiß sie, wobei dieser nicht wahnsinnig groß sein muss.

Die Lagen. So sehr es der Prime-Single großzügig liebt, so ist er dennoch bereit, Zugeständnisse bei den Quadratmetern zu machen, wenn er dafür eine noch bessere Lage bekommt. „Das ist wirklich das Thema bei den Singles“, betont auch Müller, „da werden eher 100 Quadratmeter plus Lage, Lage, Lage gekauft als 200 Quadratmeter weiter draußen.“ Und eine Toplage bedeutet für die meisten Singles nun einmal ein, in der etwas los ist. „Da geht es um Innenstadt- und nicht um Grünlagen“, betont Orisich. „Das muss nicht zwingend der erste Bezirk sein. So lang sich dieser fußläufig erreichen lässt, dürfen es auch die angrenzenden Bezirke sein“, weiß die Maklerin. Besonders beliebt sind laut Müller etwa der Siebte nahe Spittelberg und Museumsquartier, das Servitenviertel im Neunten oder der untere Bereich des Sechsten, „eben alles, wo es eine gute Gastronomie gibt“.

Zu den Nice-to-haves zählen darüber hinaus alle Angebote und Wohnformen, die mit integrierten oder zubuchbaren Dienstleistungen verbunden sind. Denn anders als Familien, die es im Highend-Segment durchaus zu schätzen wissen, wenn Raum für eine Nanny vorhanden ist, ist den Singles ihre Privatsphäre heilig und der Wunsch nach einer Haushälterin, die vor Ort lebt, kaum vorhanden.

(c) Pixabay

Die Ausstattung. Sehr beliebt sind die immer öfter bei Luxusprojekten angebotenen Concierge-Services und Gemeinschaftsanlagen im Haus. „Ein Gym, ein Wellnessbereich und ein Concierge werden gern gesehen“, weiß Orisich um die Annehmlichkeiten, die sich allein Wohnende gönnen. Außerdem lassen sich Pluspunkte mit Außenflächen sammeln, die aber, anders als bei Familienwohnungen, nicht immer Bedingung sind. „Eine Dachterrasse mit Whirlpool wird aber natürlich gern genommen“, weiß Bauernfeind. Wobei sich all diese Wohnwünsche nur auf jene Singles beziehen, die kinderlos sind.

Elternteile, die nach einer Scheidung oder Trennung ein neues Zuhause für sich allein suchen, planen naturgemäß ganz anders. Da geht es um Konzepte, die Kindern ihren eigenen Raum geben, wenn sie am Wochenende da sind; um Lagen, die näher an der Schule des Nachwuchses als an angesagten Restaurants angesiedelt sind.

Die Geldfrage. „Was passiert mit meinem Heim, wenn sich meine Lebenssituation ändert?“, ist zumindest bei einem Teil dieser Klientel eine wichtige Frage – und wird häufiger bedacht als bei Familien oder Paaren. Allerdings werden bei der Art der Wohnung kaum Kompromisse in Hinsicht auf spätere Entwicklungen gemacht, wie Bauernfeind betont: „Solche Singlewohnungen müssen nicht adaptierbar sein, damit erfüllt man sich einen Traum“, so die Maklerin. Eine Erfahrung, die auch Orisich kennt – was aber nicht heißt, dass die Käufer nicht über ein Leben nach dem Singledasein nachdenken: „Solche Wohnungen müssen zwar nicht adaptierbar sein, aber viele Käufer legen schon Wert darauf, dass sie gut vermietbar sind, wenn sich die Lebenssituation einmal ändern sollte“, so die Maklerin. „Viele sehen solche Wohnungen als Geldanlage, die sie eine Zeit lang bewohnen.“ Und dann gibt es noch jene Einpersonenhaushalte, deren Bewohner nicht vorhaben, ihre Wohnsituation jemals zu ändern – unabhängig davon, wer eines Tages in ihr Leben tritt. „Sie bleiben auch in ihrer Wohnung, wenn der passende Partner auftaucht. Dann sind sie eben ein Paar mit zwei Wohnungen“, so Müller. Da gelte dann das Motto „Störe meine Kreise nicht“, und der neue Partner darf über Nacht bleiben – aber einziehen sicher nicht. (sma)

Premium-Singles

In den Großstädten liegt die Zahl der Singlehaushalte inzwischen bei um die 50 Prozent. Im Prime-Segment suchen die Vertreter dieser Wohnform meist luftige Domizile mit edler Ausstattung in lebhafter Lage, bei Alleinwohnern mit Kind(ern) darf es auch ruhiger, grüner und mit mehr Wänden sein. Viele sehen das Singledomizil als Lebensform – und behalten die Immobilie für den Eigenbedarf, auch wenn sich die Lebensumstände ändern.

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