Preisgekrönte Architektur zum Urlaub machen

Die besten neuen Hotelprojekte von der Shortlist der Mipim-Awards.

Das Club-Med-Resort Cefalù machte bei den Mipim-Awards das Rennen.
Das Club-Med-Resort Cefalù machte bei den Mipim-Awards das Rennen.
Das Club-Med-Resort Cefalù machte bei den Mipim-Awards das Rennen. – (c) Julien Fernandez

Große Architektur, bestes Design, allererste Lage: In der Welt der Sternehotellerie gelten die Regeln der Luxusimmobilienwelt ganz besonders. Denn in diese Häuser zieht niemand aus Vernunftsgründen, niemand kauft sie zum Investieren oder weil man nun einmal dorthin versetzt wurde. Welches Premiumhotel das Rennen für die schönsten Wochen oder Tage des Jahres macht, entscheiden neben der guten alten Lage vor allem der Genuss, der mit einem Aufenthalt verbunden ist.

 

• Einstiges Hüttendorf

Entsprechend müssen die großen Häuser der Welt sich immer wieder neu erfinden – und das tun sie auch. Welchen Resorts das architektonisch besonders gut gelungen ist, wurde auf der Mitte März zu Ende gegangenen Mipim, einer der bedeutendsten Immobilienmessen der Welt, festgestellt. Hier ritterten bei den Mipim-Awards vier Finalisten um den begehrten Preis, die unterschiedlicher nicht hätten sein könnten. Das Rennen machte schließlich das Club-Med-Resort Cefalù auf Sizilien. Einst eines der ersten Hüttendörfer des legendären Clubs, wurde das Resort vergangenen Sommer von Club-Med-CEO Henri Giscard d'Estaing als erstes Fünf-Sterne-Resort – oder genauer Fünf-Dreizack-Resort – in Europa wieder eröffnet. Aus den Hütten von einst sind inzwischen feine Bungalows geworden, die von Innenarchitektin Sophie Jacquim mit klaren Linien und liebevoll-verspielten Akzenten eingerichtet wurden. Von den privaten Balkonen und Terrassen aus hat man nicht nur einen freien Blick auf das Meer, sondern auch in die aufwendig gestaltete Gartenanlage samt kleiner Kirche und einem Palazzo aus dem 17. Jahrhundert. Die Anlage auf dem 14 Hektar großen Grund in den Klippen sorgt zudem für einen nahtlosen Übergang zwischen Naturschönheiten und architektonischen Highlights. Gewohnt wird in Villettas, Suiten, Superior- und Deluxe-Zimmern, gegessen in den drei Restaurants des Resorts, in dem Showkochen ein großes Thema ist. Die Speisekarte der Palazzo-Gourmet-Lounge hat Mailands Sternekoch Andrea Berton persönlich komponiert. Die Preise im prämierten Club beginnen bei 1173 Euro pro Woche, Infos unter www.clubmed.de.

 

• Große Geschichte

Auf die Plätze verwiesen hat das sizilianische Resort damit ein Haus mit ganz großer Geschichte: das Bürgenstock-Resort in der Schweiz. Hier heiratete einst Audrey Hepburn Mel Ferrer, Sophia Loren und Carlo Ponti gehörten zu den Dauergästen. Später büßte das 1873 erbaute Haus aber einiges an Glanz und Gloria ein und wurde nach dem Bankrott der einstigen Besitzer mehrmals verkauft, ehe es Mitte der Nullerjahre an den Staatsfonds von Katar ging. Dort kannte man sich mit Hotelklassikern aus, wie die Renovierung des Londoner Savoy gezeigt hatte. Für die Renovierung des Bürgenstock nahmen sich die neuen Eigentümer neun Jahre Zeit und 550 Millionen Franken (knapp 490 Mio. Euro) in die Hand, bevor es 2017 wieder eröffnet wurde. Heute zählen zu dem Resort – dessen Umbau Stararchitekt Matteo Thun federführend verantwortete – neben dem Fünf-Sterne-Superior Bürgenstock selbst das Fünf-Sterne-Waldhotel-Gesundheitshotel, das sich selbst als den „weltweit größten Gabionenbau“ bezeichnet, das Vier-Sterne-Superior-Palasthotel und die Drei-Sterne-Taverne 1879. Außerdem finden sich auf dem Gelände 500 Meter über dem Luzerner See 67 private Suiten und Villen, acht Restaurants und Bars sowie ein alpines Spa, ein Golfplatz, Tennisplätze, eine Eisbahn und ein Kino. Infos unter www.buergenstock.ch.

• Zerstört und auferstanden

Auf eine nicht so lange, dafür aber umso dramatischere Geschichte kann das Le Barthélemy Hotel & Spa auf der Prominenteninsel Saint-Barthélemy – auch als St. Barths, St. Barth oder Saint-Barth bekannt – zurückblicken. Denn nicht einmal ein Jahr nach der Eröffnung des ersten neuen Hotels auf der Insel in 20 Jahren traf Hurricane Irma im September 2017 auf das Resort und zerstörte die Anlage samt dem eleganten Design in Weiß, Naturtönen und Aquamarin, das Sybille des Margerie – die auch für das Interieur des Mandarin Oriental in Paris verantwortlich zeichnet – kreiert hatte. Womit ein Rennen gegen die Zeit begann, um die Anlage für die Saison 2018 wieder herzurichten – was schließlich auch gelang. In nur zehn Monaten schaffte es die Crew, die Pläne von Architekt Philippe Stouvenot Realität werden zu lassen, am 28. Oktober 2018 wieder zu eröffnen und weiter an dem Ziel „das beste Hotel der Karibik zu sein“ zu arbeiten. Wobei die Lage des Fünf-Sterne-Hauses mit 44 Zimmern zumindest hilfreich ist: Direkt in Grand Cul de Sac, dem angesagtesten Teil der Insel, auf einem Lagunenstreifen gelegen, ist das Resort der Inbegriff des karibischen Urlaubstraums. Die Preise beginnen bei knapp 800Euro pro Nacht, Infos unter www.lebarthelemyhotel.com.

Das Mushoou-Xixi-Hotel.
Das Mushoou-Xixi-Hotel.
Das Mushoou-Xixi-Hotel. – (c) Goa

• Kühl und spannend

Die Nummer vier unter den Finalisten liegt eher fernab der klassischen Jetset-Routen: Am Rand des Xixi National Wetland Park in Hangzhou, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Zhejiang, kommen nicht allzu viele Touristen auf der Suche nach Hotels vorbei. Das Mushoou-Xixi-Hotel dürfte daher für die Reisenden eine architektonisch angenehme Überraschung sein: Seinen Weg auf die Shortlist der Mipim-Juroren fand das Haus aufgrund seiner Kombination aus moderner und traditioneller Architektur und einem künstlerischen Konzept, das an chinesische Landschaftsgemälde erinnert. Die GOA-Architekten wollten hier die natürliche Schönheit der Wetlands, deren „Kühle, Stille, Einzigartigkeit, Wildheit und Abgeschiedenheit“ architektonisch umsetzen und dabei die bestehenden fünf Baukörper bei ihrer Renovierung „in die Natur einweben“.

So fließt nun das Wasser um die einzelnen Gebäude herum und durch ihre Terrassen hindurch, die Bäume scheinen durch die großen Glasflächen zum Greifen nah. Und schließlich sorgen die neben dem schlichten Beton verwendeten Materialien wie Altholz, rostender Stahl und ausgewaschener Marmor als Material der Korridore dafür, dass auch die Themen Zeit und Verwitterung ihren Platz in diesem außergewöhnlichen Bauwerk haben. (sma)

Die Gewinner der Mipim Awards 2019

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.03.2019)

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