Was Singles wollen: Klein muss nicht sein

Im Luxussegment darf es auch für eine Person ordentlich groß und schön luftig sein, vielleicht mit Platz für Kinder, einer Jukebox oder einem begehbaren Boudoir.

Extrazimmer. Begehbare Schrankräume sind begehrt, Gästezimmer nicht immer.
Extrazimmer. Begehbare Schrankräume sind begehrt, Gästezimmer nicht immer.
Extrazimmer. Begehbare Schrankräume sind begehrt, Gästezimmer nicht immer. – (c) Getty Images/iStockphoto (KatarzynaBialasiewicz)

Alles meins: Die Zahl der Singlehaushalte wächst gewaltig, in Wien liegt sie bei knapp unter 50 Prozent, in vielen anderen Großstädten bereits deutlich darüber. Das lässt Entwickler und Stadtplaner eifrig an neuen, kleinen Konzepten feilen, um der Flut der Einpersonenhaushalte Herr zu werden. Allein im Luxussegment braucht es diese nicht unbedingt. Denn wer sich nicht beschränken muss, tut es auch nicht. „Die Suchparameter sind für Singles in diesem Seg­ment dieselben, vielleicht ein bisserl kleiner – aber 30 Quadratmeter sind es eher nicht", weiß Peter Marschall, Inhaber des gleichnamigen Immobilienunternehmens. Meist braucht der alleinlebende Gutverdiener zwischen 100 und 150 Quadratmeter, gern mit Terrasse – die hier aber im Unterschied zu Familien kein Muss ist. Gespart wird, wenn überhaupt, an der Anzahl der Wände: Singles sind die Käufer schlechthin für Loftwohnungen, von denen es in Wien allerdings kaum echte Vertreter gibt. Weshalb dann oft zu Optionen gegriffen wird, die unter dem schönen Maklerbegriff „loftartig" laufen und einen großzügigen Grundriss vor allem im Wohn-Ess-Kochbereich aufweisen. „Die Grundrisse sind hier eher noch internationaler, was heißt, dass der Masterbedroom zwingend eine Garderobe und ein eigenes Bad haben muss", sagt Karin Bosch, Leiterin des Bereichs Premiumimmobilien bei SReal. „Und dann braucht es einen Eindruck schindenden Wohn- und Kochbereich."

Für manche ist es mit dieser Zwei-Zimmer-Lösung schon getan, andere hätten gern noch ein Arbeitszimmer dazu. Das punktet aber in Zeiten immer kleiner werdender Devices nicht mehr mit vielen Quadratmetern und wuchtigen Schrankwänden, sondern darf gern klein sein. „Da sind die meisten inzwischen sehr genügsam", berichtet Elisabeth Rohr, Inhaberin von Elisabeth Rohr Real Estate. „Vielen reicht auch eine Lösung im Wohnbereich, damit der Laptop und die Unterlagen nicht immer am Esstisch liegen bleiben."

Beim Thema Gästezimmer scheiden sich die Geister. Während ein zusätzliches Zimmer für temporäre Singleelternteile, die etwa nach einer Trennung allein leben, eine große Rolle spielt, sind Wahlsingles gar nicht immer so interessiert daran, es potenziellen Übernachtungsgästen allzu gemütlich zu machen. „Gerade im Luxussegment sagen viele ganz entschieden, dass sie kein Gästezimmer brauchen, da Besucher sowieso ins Hotel gingen", so Rohr.

Wuzler im Wohnzimmer. Bei der Ausstattung genießen es die Kunden in diesem Segment dann, weder auf ein limitiertes Budget noch auf andere Rücksicht nehmen zu müssen, die womöglich eine ganz andere Einstellung zu wunderbaren Dingen wie dem Billardtisch im Wohnzimmer oder dem Sektkühlschrank im begehbaren Boudoir haben könnten. „Da finden sich dann Dinge wie der Wuzler, die alte Jukebox oder der Flipper", weiß Bosch um den ganz besonderen Luxus, der mit der Abwesenheit von Kompromissen einhergeht.

Ebenfalls gern genommen werden alle Dinge, die dem Single Arbeit abnehmen – sei es beim Einrichten oder Ausputzen. „Dieses Klientel zahlt gern ein wenig mehr pro Quadratmeter, wenn es sich dafür um weniger kümmern muss", weiß Rohr. Und das beginnt bereits vor dem Einzug, als eine Teilmöblierung häufig auf Begeisterung stößt: „Da ist das Rundum-Sorglos-Paket gefragt, in dem beispielsweise die Schränke bereits eingebaut sind, und der Kunde nur noch eine coole Couch und ein Bett hineinstellen muss", so Rohr. „Auch wenn schon ein Beleuchtungskonzept vorhanden ist, finden das viele super", fügt Bosch hinzu.

Geputzt und gebügelt. Großer Beliebtheit erfreuen sich hier die neuen Projekte mit Conciergeservice, die gebügelte Hemden von der Putzerei entgegennehmen, einen Einkaufsservice organisieren oder sich um die Post kümmern. Das ist vor allem für jene Teilzeitsingles interessant, die beruflich eine längere Zeit allein vor Ort sind, während die Familie am Stammsitz bleibt. Ebenfalls beliebt sind Angebote wie ein Gym, Wellnessbereiche oder ein Weinkeller mit Verkostungsraum.

Noch wichtiger als all diese „Nice to Haves" ist den Singles aber die Lage. Und so divers wie die Menschen ohne Mitbewohner sind auch ihre Wünsche an die Wohngegend. Ein Großteil weiß natürlich die fußläufigen Entfernungen zu allen Arten von Gastronomie- und Veranstaltungslocations zu schätzen. „Das muss aber bei dieser Zielgruppe nicht immer der ultrafeine Erste sein", weiß Marschall. „Da sind alle hippen Lagen beliebt, etwa die Trendviertel rund um den Naschmarkt, das Museumsquartier oder die Mariahilfer Straße."

Bei den eher sportlichen Vertretern dieser Zunft seien sogar Gegenden, die sich sonst selten in der Kategorie Einserlagen finden, begehrt, sagt Rohr: „Bei einigen ist alles an der Alten Donau extrem angesagt", so die Maklerin. Wobei das natürlich nicht für Wohnungen mit Blick auf die Tangente gelte oder Adressen, die auch mehrstellige Stiegen- und Türnummern haben, wie sie einschränkt.

Und auch dort, wo man sie gar nicht vermutet, finden sich immer mehr Singles: Im Speckgürtel. „Es sind natürlich nicht so viele wie in Wien", erzählt Bosch, „aber gerade die ‚Scheidungswaisen‘, die aus der Familienvilla ausgezogen sind, möchten in der Nähe der Kinder bleiben und suchen Drei- bis Dreieinhalb-Zimmer-Wohnungen, damit die Kinder über Nacht bleiben können."

Was kommt danach? Ein Thema, dem bei temporären Wohnlösungen naturgemäß mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist die Wiederverwertbarkeit, wenn das Singleleben dann doch eines Tages gegen eine Familienvariante getauscht werden sollte. Deshalb sollen diese Wohnungen zum einen zwar alle Stückerln für das persönliche Wohlbefinden spielen, sehr wohl aber auch als Investment gesehen werden, das sich eines Tages gut vermieten lassen sollte. „Eine der ersten Fragen im älteren Wohnbau ist daher auch immer ‚Ist das eh nicht gefördert?‘ wegen des dann nicht mehr freien Mietzinses", berichtet Rohr.

Es haben aber bei Weitem nicht alle Singles vor, diese komfortable Lebenssituation je wieder aufzugeben – und schätzen durchaus den Luxus, auch als Teil eines Paares die eigenen vier Wände zu behalten. „Ich habe erst kürzlich zwei schöne Wohnungen nebeneinander an ein Ehepaar vermittelt, die es schon ewig so praktizieren, sich gegenseitig zu besuchen", erzählt Rohr von einer wachsenden Zahl von Alleinlebenden, die sich nicht als „echte Singles" bezeichnen.

„Gerade über 50 sehen das viele als Dauerzustand und sagen: ‚Ich weiß nicht, ob ich mir das noch einmal antue‘", berichtet auch Marschall. Zumal solch pragmatische Lösungen durchaus zusätzliche Vorteile für beide haben können, wie Bosch weiß: „Manche behalten einfach beide ihre Wohnsitze – und wenn einer davon im Speckgürtel liegt und der andere in der Stadt, werden sie als Winter- und Sommerwohnsitz genutzt."

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