Was macht einen guten Immobilienmakler aus?

Maklerdienste werden oft als überteuert angesehen, schwarze Schafe schaden dem Ruf der Branche. Wie trennt man die Spreu vom Weizen, und welche Leistungen erbringen seriöse Makler?

(c) Stanislav Jenis

Sind Immobilienmakler ihr Geld nicht wert? Michael Pisecky, Geschäftsführer von S Real und Fachgruppenobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in Wien, ist bemüht, dieses Vorurteil zurechtzurücken. "Manche glauben, dass Makler ihr Erfolgshonorar nur dafür kassieren, eine Wohnung aufzusperren. Tatsächlich steckt viel Arbeit dahinter, bis es überhaupt so weit ist, dass ein Käufer sein mögliches künftiges Zuhause betreten kann."

Was also darf der Kunde für sein Geld erwarten? "Dass der Makler seinen Auftrag in angemessener Zeit zu einem guten Preis zu Ende bringt, dass der Kunde selbst wenig Aufwand hat und dass das abgeschlossene Immobiliengeschäft rechtlich wasserdicht ist", sagt Pisecky. Für Letzteres bedarf es mitunter detektivischen Spürsinns – gilt es doch, sämtliche Pläne, Urkunden und Bewilligungen aufzufinden, zu prüfen und zusammenzustellen. Das reicht bis hin zu Protokollen von Eigentümerversammlungen und allfälligen Sondervereinbarungen wie Nutzungsrechten. „Gut gearbeitet hat ein Makler, wenn es nach der Transaktion zu keinen Streitigkeiten kommt“, sagt der Experte.

 

Viel "unsichtbare" Arbeit

All diese Informationen sollten schon in der Aufbereitung enthalten sein, die der Makler den Interessenten vorlegt. "In der Vollständigkeit und Übersichtlichkeit der Unterlagen zeigt sich die Qualität eines Maklers", sagt Georg Flödl, geschäftsführender Partner bei Dr. Funk Immobilien und Präsident des Österreichischen Verbandes der Immobilienwirtschaft (ÖVI).

Den nicht immer tadellosen Ruf der Branche führen die Experten einerseits darauf zurück, dass nur etwa ein Viertel ihrer Arbeit für die Auftraggeber sichtbar sei und so der Eindruck entstehe, die Leistungen der Makler seien überteuert. Zum anderen wird die Existenz von schwarzen Schafen nicht bestritten. Dass diese ihren Geschäften nachgehen können, liege zum Teil an den Auftraggebern. Pisecky: "Wenn ein Makler utopische Preisvorstellungen eines Verkäufers akzeptiert und diese in der Folge immer weiter herunterhandelt, statt den Wert des Objekts von Anfang an realistisch darzulegen, sollten schon die Alarmglocken schrillen."

"Ein informativer Internetauftritt einschließlich Logo der Standesvertretung, Referenzen und Darlegung der Unternehmensstruktur ist ein weiterer Hinweis auf die Seriosität eines Maklers", ergänzt Andreas Gressenbauer von Gressenbauer & Aigner in Salzburg, der auch Präsident des österreichischen Immobilienrings (IR) ist. Besonders warnt er vor Angeboten auf Internetplattformen und in Social Media, die sich als private Anzeigen tarnen und die Vermittlungsgebühr verschweigen.

 

Vorwissen aus dem Internet

Die Experten orten indes auch gestiegene Ansprüche der Kunden. "Dank Google kommen viele schon mit einem Vorwissen zu uns, sind kritischer und fordern eine umfassende Dienstleistung ein", sagt Flödl. Diese umfasse zunehmend auch den Bereich des "After-Sale", von Hilfe beim Stromanmelden bis zu Tipps über Institutionen in der neuen Wohnumgebung. "Die meisten Immobilientransaktionen sind Lebensentscheidungen, und für umfassende Dienstleistungen greift der Kunde meist auch bereitwillig ins Geldbörsel", sagt Flödl.

Das gilt vor allem für ein besonderes Marktsegment, das Vermitteln von Luxusimmobilien. Thomas Hopfgartner hat vor zwölf Jahren das Unternehmen Living de Luxe Real Estate gegründet. Interessenten im Luxussegment seien oft internationale Investoren, sagt er. "Ihnen müssen wir als Botschafter der Region den gesamten Standort schmackhaft machen. Die Objektbesichtigung ist dann eingebunden in ein Sightseeing, das beim Abholen vom Flughafen beginnt, Catering beinhaltet und oft mehrere Tage dauert." Nach dem Deal gelte es, über Partnerunternehmen Hauspersonal und Security zu organisieren. Wichtig sei dabei auch Flexibilität: "Es kann schon vorkommen, dass man sich am selben Tag noch ins Flugzeug nach Los Angeles setzen muss."

Was Sie beachten sollten bei . . . Aufträgen an Makler

Tipp 1

Ausbildung. Die Immobilienvermittlung ist in Österreich ein reglementiertes Gewerbe, die Qualifikation muss daher nachgewiesen werden. Ein guter Makler wird bereit sein, dem Kunden seinen Ausbildungsweg zu skizzieren. Wichtig sind auch überprüfbare Referenzen. In Wien zeichnet die Wirtschaftskammer die Branchenbesten alljährlich mit dem Immy Award aus.

Tipp 2

Qualität der Unterlagen. Ein guter Makler hat alle wichtigen Unterlagen sowie Fotos über die angebotene Immobilie parat. Im Idealfall kann er auch mit Berechnungen der Nebenkosten und Infos zu steuerlichen Aspekten des Immobilienkaufs aufwarten. Von Seriosität zeugen weiters die Schriftlichkeit aller Daten sowie eine klare Darstellung des eigenen Leistungsumfangs.

Tipp 3

Alleinvermittlung. Auftraggeber sollten den Makler ihrer Wahl immer mit einer Alleinvermittlung betrauen und nicht einen „allgemeinen Auftrag“ an mehrere Makler gleichzeitig erteilen, raten Experten. Muss der Makler befürchten, dass seine Bemühungen letztlich einem Konkurrenten dienen und er bloß auf seinen Kosten sitzen bleibt, wird sich sein Engagement eher in Grenzen halten.

 

 

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