Urlaubszeit: Haussitter – die lebende Alarmanlage

Sind die Bewohner längere Zeit nicht daheim, schrecken professionelle Aufpasser Einbrecher ab und kümmern sich um Haus und Garten: Was anderswo längst üblich ist, beginnt sich auch hierzulande durchzusetzen.

Überquellende Briefkästen sind eindeutige Signale der Abwesenheit der Hausbesitzer.
Überquellende Briefkästen sind eindeutige Signale der Abwesenheit der Hausbesitzer.
Überquellende Briefkästen sind eindeutige Signale der Abwesenheit der Hausbesitzer. – (c) BilderBox

Sommerzeit ist nicht nur Urlaubs-, sondern auch Einbruchszeit. Häuser und Wohnungen, die leer stehen, weil sich die Bewohner andernorts die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, sind beliebte Ziele von Einbrechern. Überquellende Briefkästen, vertrocknete Blumen und sich vor der Haus- oder Wohnungstür stapelndes Werbematerial sind eindeutige Signale der Abwesenheit der Hausbesitzer – und eine Einladung für ungebetene Gäste. Diese Zeichen der Abwesenheit zu vermeiden, reduziert nach Angaben des kriminalpolizeilichen Beratungsdienstes das Risiko von Einbrüchen enorm.

Findet sich allerdings unter den Bekannten und Verwandten niemand, der sich zwischenzeitlich um die allein gelassenen vier Wände kümmert, bieten sich Haussitter an. Sie sorgen dafür, dass Haus oder Wohnung trotz Abwesenheit der Bewohner nicht unbewohnt erscheinen. Etwa, indem sie regelmäßig vorbeikommen, um Briefkästen zu leeren – oder auch, um Blumen zu gießen, zu lüften und Haustiere zu versorgen. So macht es Die Haussitterin, Andrea Gaisbauer, die in Wien und Wien-Umgebung nach dem Rechten sieht. Oder aber die Betreuungspersonen ziehen während der Abwesenheit des Eigentümers fix in die vier Wände ein – diese Variante bevorzugt Guido Kollaritsch von der Hauswache. „Dann wirkt das Haus nämlich wirklich bewohnt“, sagt er.

Bewohner auf Zeit

Mit einem Pool von 20 bis 30 fixen Haussittern betreut der frühere steirische Vize-Sicherheitsdirektor Immobilien in ganz Österreich. Und zwar nahezu rund um die Uhr. Nur drei bis vier Stunden täglich dürfen seine Haussitter die ihnen anvertraute Immobilie verlassen, um persönliche Besorgungen zu erledigen. „Aber immer zu unterschiedlichen Zeiten, damit Einbrecher kein Muster ableiten können“, sagt Kollaritsch.

Während für ihn der Präventionsgedanke an erster Stelle steht, bewegen seine Auftraggeber meist andere Motive. „70 Prozent unserer Kunden sind Tierbesitzer“, erzählt der Sicherheitsexperte. Ihr vorrangiges Ziel ist daher die optimale Versorgung von Hund, Katz, Vogel und Co. während ihrer Abwesenheit. Dass das Domizil durch die Bewohner auf Zeit auch vor Einbrüchen geschützt ist, gewinnt erst allmählich an Bedeutung. „Was darüber hinaus zunehmend zum Thema wird, sind Unwetter und sonstige Katastrophen“, sagt Kollaritsch. Bei Schäden aller Art setzen die interimistischen Bewohner in Absprache mit den Eigentümern die am dringendsten nötigen Schritte.

Während Haussitting in den USA und Großbritannien, aber auch in Deutschland gang und gäbe ist, ist es hierzulande nach wie vor ein Nischenprodukt. „Das Interesse ist zwar da, der Knackpunkt sind aber die Kosten“, sind sich Gaisbauer und Kollaritsch einig. 26 Euro pro Stunde verrechnet Gaisbauer ihren Kunden, innerhalb von Wien sind die Fahrkosten bereits inkludiert. Bei der Hauswache belaufen sich die täglichen Kosten auf 75 Euro. Sollen mehr als zwei Tiere betreut werden, fallen ein paar Euro an zusätzlichen Gebühren an. Gleiches gilt, wenn im Haus lebende ältere Personen betreut werden sollen.

 

Frage der Mentalität

Und auch der Mentalitätsunterschied ist ein Thema: „Man tut sich hierzulande immer noch schwerer, Fremde in den eigenen vier Wänden wohnen zu lassen“, glaubt Gaisbauer. Allerdings seien diese Vorbehalte in den vergangenen Jahren etwas weniger geworden, stellt sie fest – was auch Kollaritsch bestätigt.

Um solche Bedenken weiter auszuräumen, legen beide Wert darauf, in einem Vorgespräch eine Vertrauensbasis zu schaffen. Dabei wird beispielsweise vereinbart, welche Räume für die Haussitter tabu sind. Sehr sorgfältig geht Kollaritsch auch bei der Wahl der Mitarbeiter vor. „Ich schaue mir jeden selbst an“, sagt er. Dazu gehört nicht nur die sicherheitspolizeiliche Überprüfung – ein tadelloses polizeiliches Führungszeugnis ist ein absolutes Muss. Zusätzlich verlangt er zum Beispiel auch Dienstzeugnisse und ähnliche Unterlagen zu sehen.

Dazu besucht er potenzielle Haushüter sogar in deren eigenen vier Wänden. „Ich möchte sehen, wie sie wohnen und leben“, erzählt Kollaritsch, dessen Haushüter alle älter als 50 Jahre sind. „Reifere Menschen sind erfahrener, haben meist weniger Probleme damit, längere Zeit in einem Haus sein zu müssen, und erwecken eher Vertrauen.“

Was Sie beachten sollten beim . . . Einbruchsschutz

Tipp 1

Gefährdungssituation. Besonders gefährdet sind laut dem polizeilichen Beratungsdienst Häuser oder Wohnungen in ruhigen Wohnsiedlungen. Auch dichte Hecken oder Büsche rund ums Haus, die Personen Sichtschutz bieten, erleichtern einen Einbruch. Besonders häufig werden Terrassentüren oder Fenster an der Hausrückseite aufgebrochen.

Tipp 2

Schutzmaßnahmen. Eingangs-, Terrassen- und Kellertüren sollten gut gesichert sein (am besten mechanisch und elektronisch), ebenso alle Fenster, auch Dachfenster, sowie Kellerschächte. Türschlösser sollten hochwertig sein und Reserveschlüssel nie in Hausnähe versteckt werden. Zeitschaltuhren, die das Licht steuern, und eine Außenbeleuchtung wirken ebenfalls abschreckend.

Tipp 3

Links zum Einbruchsschutz (Auswahl):
www.hauswache.at
www.diehaussitterin.at
www.whu.at
www.bundeskriminalamt.at/201/
start.aspx
www.stadt-wien.at/immobilien-wohnen/schutz-vor-einbruch/poli zeilicher-beratungsdienst.html
eigenheimsicherheit.wkoratgeber.at/

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2018)

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