Homestorys: Das Haus des Architekten

Sie bauen für die anderen – doch wie wohnen sie selbst? Architekten setzen bei ihrem Zuhause auf Persönlichkeit: ein Blick hinter die Fassade, der sich lohnt.

Haus des Architekten Karl Hengl
Haus des Architekten Karl Hengl
Haus des Architekten Karl Hengl – f2p architekten/Karl Hengl

Architekten, die sich ihre eigenen vier Wände schaffen, müssen nicht unbedingt neu bauen. Die Inneneinrichtung zeigt sich auch nicht immer in Weiß, wie man vielleicht vermutet. Welche Vorstellungen heimische Profis und Entwerfer in ihrem Heim umsetzen.

„Es ist spannend, etwas zu reflektieren, das eine Geschichte erzählt“, sagt Christian Formann von formann2puschmann architekten, der in einer Verbindung von Alt und Neu ein Refugium für die Familie geschaffen hat. Entstanden ist ein Haus mit zwei Gesichtern: In ein Jahrhundertwendehaus wurde ein moderner Glaskubus gesetzt, der den Wohnraum ins Grüne hinaus erweitert und wie ein Deck über dem Garten schwebt, von der Straße aus aber nicht wahrnehmbar ist (siehe Bild oben).

 

Rückzug und Gemeinschaft

Die Giebelfront nach Süden wurde in der Dreiecksfläche verglast und birgt einen Galeriebereich als elterlichen Rückzugsort sowie eine Schlafkoje, „falls eines unserer drei Kinder einmal Exil braucht“, schmunzelt der Architekt. Im Erdgeschoß spielt sich das bunte Familienleben ab. Hier dominieren dunkles Holz und weiße Möbel. Farbliche Akzente werden durch Accessoires wie Teppiche und Pölster gesetzt, in der Küche leuchtet die Rückwand in Orange, es solle schließlich nicht steril aussehen: „Wir haben ausführlich darüber diskutiert, wie viel Weiß gut ist.“ Den Fernseher hat man übrigens aus dem Wohnraum verbannt, „er nimmt ja oft einen zentralen Platz ein – bislang hat sich unsere Lösung bewährt“.

 

Kommunikation fördern

Marion Wicher, Architektin yes architecture, hat in ihrer Altbauwohnung die meisten Wände entfernt und so einen offenen, fließenden Grundriss realisiert, in dem die Wohnzonen ineinander übergehen, Kommunikation fördern und meist nur durch Möbel oder einzelne mobile Elemente voneinander getrennt sind (siehe Bild Seite 2). „Auch das Badezimmer ist mehr Wohnbad als Fliesenhalle, es ist mit einem Parkettboden ausgestattet und geht offen in den Ankleide- und Schlafbereich über.“

Es sei nicht von der Hand zu weisen, meint Wicher angesichts ihrer ausgeprägten Sammelleidenschaft, dass sich ihr Berufsstand „durch eine gewisse Designaffinität auszeichnet, dass wir ein erhöhtes Bewusstsein für Formen und Farben haben“. Wenn Wicher eine Reise tut, dann gehen auch die Möbel auf Reisen – oneway aus der Ferne Richtung Heimat. „Wenn mir Dinge gefallen, nehme ich sie mit – ungeachtet dessen, wo ich gerade bin und wie aufwändig der Transport ist.“ Und jedem Fundstück wohne schließlich eine „Seele“ und auch eine Schönheit inne, die man manchmal erst erkennen müsse.

Altbauten werden von Architekten oft aufgrund ihrer baulichen Qualitäten und der zumeist zentralen Lage geschätzt. Die privaten vier Wände der Architekten Martin Mutschlechner und Barbara Lanz – in einem Altbau – punkten laut Bewohnern vor allem durch die großzügigen und dadurch flexibel nutzbaren Räume. Diese bieten besondere Ausblicke, Lichtstimmungen und Proportionen. Die beiden haben ihr Heim „einfach eingerichtet, aber zum Großteil mit handwerklich hochwertigen Maßmöbeln aus Eiche ausgestattet“. Alte Ausstattungsstücke wie der Ofen, Bilder und Bücher stellen die einzige „Dekoration“ dar.

 

Räumliche Nähe als Luxus

Peter Leeb von nurarchitektur würde es nicht im Traum einfallen, auf dem Land zu wohnen: „Denn ich bin einfach überzeugter Städter. Heute bedeutet Luxus in zunehmendem Maß auch, ein einfaches, unkompliziertes Leben führen zu können, in dem Wohnen, Arbeiten und Freizeit nicht zu weit voneinander entfernt sind, diese räumliche Nähe würde ich dann als Luxus bezeichnen.“

Der Architekt lebt in einem Gründerzeithaus, „das bestimmte Qualitäten hat, die nur im bewussten Umgang erfahrbar werden“. Daher wollte er im Zuge des Umbaus der Wohnung auch keine Selbstverwirklichung betreiben. Größe und Proportion der klassisch hohen Räume würden ohnehin eine moderne, loftartige Wohnsituation erzeugen, lobt er die Flexibilität von Jahrhundertwendebauten. Bei der Einrichtung setzt er auf die Persönlichkeit von zusammengesammelten Stücken. „Ich bin kein Stilfanatiker, es muss nicht alles Weiß in Weiß gehalten sein“, sagt Leeb, „wesentlich ist ein ruhiger und doch persönlicher Rahmen.“

 

Den Lebenszyklus einrechnen

Dass nachhaltiges, ökologisches Bauen vor einem Architektenwohnhaus nicht Halt machen darf, unterstreicht Ulrich Aspetsberger von Caramel Architekten. „Wir sollten nicht so riesige Eigenheime errichten und damit Sondermüll ohne Ende produzieren, sondern die Quadratmeterzahl und so auch den Wärmebedarf reduzieren.“ Er hält kleine, ausbaufähige modulare Systeme für sinnvoll, die sich durch einen geringeren Materialverbrauch, einen niedrigeren Energiebedarf und einen weniger hohen Entsorgungsaufwand auszeichnen – der Lebenszyklus des Hauses ist eingerechnet.

Aspetsberger hat für seine Familie auf nur 60 Quadratmetern einen Prototyp ins Grüne gesetzt, der nun als Fertighaus in Serie geht. Die Zimmer sind ineinander verschränkt, kluge Stapelungen und Durch- und Ausblicke generierten trotz des begrenzten Platzangebotes ein Gefühl von Großzügigkeit, so der Architekt.

Die Materialien sind schlicht, „wir haben keine starken Farben gewählt, die den Raum einschränken würden“.

Den Platz fürs Wohnen maximieren, den Flächenverlust für Stauraum minimieren – nach diesen Gesichtspunkten hat Veronika Vogelauer ihre Wohnung konzipiert. Intelligente Einbaumöbel lassen alles verschwinden, was man zur Haushaltsführung braucht. Kein Platz bleibt ungenutzt – von der Bettlade bis zum Badezimmerverbau für die Waschmaschine. Der Rest sei „Wachstum und Veränderung“, das Ergebnis dessen, „was man halt so zusammensammelt im Leben“.

 

Buntes Leben, selbst gemacht

Provisorisch, temporär, improvisiert – so beschreibt Architekt Tom Lechner von LP architektur seine persönliche Wohnsituation: „Ich bin wohl noch nicht ganz angekommen.“ Der Plan vom eigenen Haus wurde durch die Realität eingeholt, die in Gestalt von Caspar (6 Jahre), Emma (3) und Xaver (11) durch das Obergeschoß von Lechners Elternhaus wirbelt. In einer ersten Ausbauphase wurde daher in dem 1960er-Jahre-Bau eine neue Erschließung des Obergeschoßes in Sichtbeton realisiert, demnächst will man noch einen Zubau in Angriff nehmen. Die Räume selbst sind „in ihrer Materialität möglichst neutral gehalten, so gibt es keine permanenten ,Beeinflussungen‘. Womöglich liegt diese Wahl aber auch darin begründet, dass ich mich nicht dauerhaft für etwas entscheiden kann oder will“, fügt der Salzburger einen Nachsatz an. Weiße Wände, ein weißer Betonboden, weiße Möbel prägen das Interieur, „das bunte Leben machen ohnehin wir“.

Die Kinder geben auch im Zuhause von Karin Triendl den (Farb-)Ton an. „Eigentlich mag ich es reduziert“, sagt die Architektin, „mit Kindern muss man aber vor allem ästhetische Kompromisse machen“, erklärt sie und denkt an die verstreuten Kinderspielsachen und Ansammlungen von Polstern, die zum Höhlenbau unentbehrlich sind. „Dem muss man sich beugen“, lacht sie. Grundsätzlich ist die klassische Altbauwohnung „eigentlich sehr zeitgemäß geschnitten“: ein Eingangsbereich, aber keine Gangfläche, drei zueinander gerichtete Zimmer, die ein offenes Raumgefüge darstellen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2012)

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