Holzhäuser. Das Naturmaterial Holz wird auch bei Luxusbauten immer beliebter.

Nachwachsender Baustoff in edlem Design.

Haus in Hinterbrühl
Haus in Hinterbrühl
Haus in Hinterbrühl – (c) Holzarchitekten

Lange Zeit waren sie entweder kompakte Blockhütten oder alpine Chalets, bodenständig, rustikal, gesund und energiesparend. Mit Luxus oder gar Glamour brachten wohl nur die wenigsten Holzhäuser in Verbindung. Bis eine ganz eigene Art von Bauherren sich für das Material auch im Zusammenhang mit Luxusimmobilien zu interessieren begann: „Angefangen haben damit die russischen Oligarchen“, erzählt Yves Kießling, Geschäftsführer der deutschen Niederlassung des internationalen Herstellers Woody-Holzhaus. „In Russland hat der Holzbau eine längere Tradition, und dann haben dort Bauherren, die nicht wissen wohin mit ihrem Geld, Millionenobjekte mit hunderten Quadratmetern gebaut.“

Warmes Material

Mittlerweile ist der luxuriöse Holzhausbau nicht mehr auf russischen Boden beschränkt, auch in Österreich entstehen Häuser aus Holz, die die Millionengrenze überschreiten. Zu den Vorteilen des Materials gehören vor allem seine hervorragenden Isoliereigenschaften und das angenehme Raumklima, dasbesonders Allergiker zu schätzen wissen, da sich kaum Hausstaub bildet. Aber auch unter Nachhaltigkeitsaspekten erfreuen sich die Häuser aus dem nachwachsenden Rohstoff großer Beliebtheit. „Viele unserer Kunden sind junge Leute mit einem akademischen Abschluss und entsprechendem familiären Background“, berichtet Andreas Webhofer, Sales and Marketing Manager des Südtiroler Holzhaus-Spezialisten Rubner Haus, „aber auch gut situierte Menschen in ihren Fünfzigern oder sogar Siebzigern, von denen sich viele für einen Zweitwohnsitz aus Holz entscheiden.“

Bei den jungen Eltern stehen vor allem die ökologische Verträglichkeit und gesunde Raumluft im Vordergrund, so Kießling: „Das sind wohlhabende Familien, die einfach für ihre Kinder das Beste wollen“, weiß er. Besonders beliebt im hochwertigen Segment sind die massiven Vertreter ihrer Art: „Früher war eher die Riegelwand Standard, jetzt entscheidet man sich oft für ein Massivholzhaus, wenn man es sich leisten kann“, erklärt Andreas Voit, Partner bei den steirischen Holzarchitekten. „Das ist einfach die ökologisch beste Variante.“ Rund 20 Prozent mehr müssen investiert werden, wenn man sich dafür entscheidet, so Voit, bei einem Riegelwandhaus sei man ab 2000 Euro pro Quadratmeter ab Kelleroberdecke dabei. Für die Massivholzvariante müssen rund 2400 Euro veranschlagt werden, je nach Form des Hauses.

Bei dieser müssen aber schon lang keine Abstriche mehr gemacht werden. Bereits 1999 zeigte Rubner Haus in Zusammenarbeit mit Matteo Thun und dem Modellhaus „Heidi“, dass Holzhäuser innen wie außen modernen Designansprüchen gerecht werden können. Und die Musterhäuser von Woody-Holzhaus muten zum Teil wie kleine Paläste an. „Wir haben kürzlich für einen Kunden in China ein klassisches Landhaus mit 800 Quadratmetern Wohnfläche gebaut“, so Kießling, „das sieht wirklich aus wie ein kleines Schloss.“

Alpines Flair

Grundsätzlich sind den Holzhäusern beim äußeren Erscheinungsbild keine Grenzen gesetzt. Wer das Holz nicht als Blickfang haben will, kann mit einem entsprechenden Verputz dafür sorgen, dass nur Holzakzente oder auch gar nichts davon zu sehen ist. Wenn die Außenwände allerdings unverputzt bleiben sollen, empfehlen sich größere Dachüberstände, die dafür sorgen, dass das Regenwasser nicht direkt an der Hauswand abläuft. Was teilweise aber für schöne architektonische Effekte sorgt: Bei modernen Häusern wie dem Modell „Laminaria“, das durchaus auch in Hollywood stehen könnte, ebenso wie bei alpinen Modellen, bei denen die großzügigen Balkone für das traditionelle Flair sorgen. An der Frage modern oder klassisch scheiden sich derzeit noch die Geister: Die eine Hälfte der Kundschaft will auf das alpine Flair nicht verzichten, während die anderen 50 Prozent eher in Richtung zeitgenössisches Design gehen. „Oft geben aber auch die Bauvorschriften vor, wie das Haus auszusehen hat“, betont Webhofer. „Da sind beispielsweise in Bayern oder der Steiermark gewisse Dachneigungen vorgeschrieben und damit eine moderne Architektur gar nicht erlaubt.“ Und auch dort, wo es möglich ist, gehören die Bauherren von Holzhäusern oft nicht zu den absoluten Puristen: „Unsere Kunden sind nicht unbedingt auf superstylishe, ganz aufgeräumte Häuser aus Architekturzeitschriften fixiert“, kennt Voit seine Zielgruppe. „Dass jemand ein Holzhaus baut und dann gar keine Natur sehen will, kommt eher nicht vor.“ Mit Zirbenstubenromantik im Inneren hat diese Naturverbundenheit allerdings nichts mehr zu tun. Nur gut die Hälfte der Holzhausbauer sind echte Holzpuristen, für diejenigen, bei denen dieses Bedürfnis Grenzen kennt, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Wände den persönlichen Ansprüchen an das Interior-Design anzupassen. „Wenn ich gar kein Holz sehen will, verputze ich einfach“, erklärt Webhofer. „Bei größeren Budgets sind dann Lehmputze oder auch große Fliesen sehr beliebt.“

Keine Grenzen

Diejenigen, die Holz in gewissen Dosen zu schätzen wissen, von einer Finnischen-Sauna-Atmosphäre aber nichts wissen wollen, entscheiden sich zumeist für den Mittelweg: „Etwa für Farben, durch die sich die Maserung noch erkennen lässt, oder sie kalken es weiß,“ so Kießling. „Ich habe aber noch keinen Kunden gehabt, der die Holzwände komplett lackiert hätte. Wenn, dann werden eher Akzente gesetzt, indem sehr hochwertig gefliest oder eine tolle Tapete angebrachtwird.“

Grenzen sind den Holzbauherren heute weder innen noch außen gesetzt – wer sich wirklich für Palastbauten im Sinn von „Size matters“ entscheidet, kann das Material genauso nutzen wie der angehende Zweitwohnsitzeigner, der von einer urigen Almhütte träumt. „Was mit Holz alles möglich ist, zeigen etwa die Arbeiten des kanadischen Architekten Michael Green“, verweist Voit auf den Vater der modernen Holzarchitektur, der erst vor Kurzem im Rahmen einer Ausschreibung in Paris für einen 35-stöckigen Wolkenkratzer wieder für Aufsehen gesorgt hat. So hoch durfte nämlich bisher in der französischen Hauptstadt nicht aus Holz gebaut werden – aber für den Eiffelturm wurden ja auch ein paar Regeln geändert. (SMA)

INFO

Die Faktoren Nachhaltigkeit und Raumklima sind auch im Luxussegment die Hauptgründe, sich für ein Holzhaus zu entscheiden. Design kann, muss aber nicht unbedingt sein: Architekten, Hersteller und Makler haben sich den Kundenwünschen angepasst und bieten Objekte von traditionell/alpin bis hin zu zeitgenössisch gestylt an. In manchen Fällen sind Planern und Bauherrn allerdings durch die geltenden Bauordnungen auch Grenzen gesetzt.


[L8BDP]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2015)

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