Vom Hitzeschutz zum Statussymbol

Sonnenschutztrends. Auf Terrassen halten Lamellendach und Pergola verstärkt Einzug – am Balkon bleibt die Markise uneingeschränkter Platzhirsch. Sonnensegel sind wieder rückläufig.

(c) Fritz Hoellhuber

Markise und Sonnenschirm – das war lange Zeit der Inbegriff von Sonnenschutz für Terrassen und Balkone. Im Laufe der letzten Jahre hat sich das Sortiment merklich erweitert, ein stärkeres Bewusstsein für unterschiedliche und nachhaltige Produkte hat sich entwickelt.

Das dürfte auch am Aufkommen des Fachhandels liegen, der für professionelle Beratung, Betreuung und Montage verantwortlich ist. „Früher ging man, so bald es zu sonnig wurde, zum Baumarkt und kaufte sich die nächstbeste Markise. Heute ist die Sonnenschutzanlage zum Investitionsobjekt geworden“, sagt Heiner Praun, Geschäftsführer von Sonne-Licht-Schatten, der Fachhandelskooperation für ausgewählte Sonnenschutzfachbetriebe in Österreich. Es soll nicht nur vor Hitze schützen, sondern UV-Strahlen sicher abhalten, ökologisch und nachhaltig sein – und zum Haus passen.

 

Für alle Wetter

„Markisen sind nach wie vor die Klassiker. Die Terrassen werden aber immer größer, und eine Markise stößt ab vier Meter an ihre Grenzen, weil sie nur an zwei Punkten an der Mauer montiert ist.“ Das eröffnet Sonnensegeln und Pergolen Einsatzfelder. Gefragt sind auch Pergolamarkisen, bei denen die Markise durch Stützen windsicherer und stabiler ist. Unübersehbar kamen in den vergangenen sechs Jahren Sonnensegel auf. „Dieser Trend hat den Zenit erreicht und ist wieder rückläufig“, meint Maximilian Praun, Sohn von Heiner Praun, der in Graz einen der 16 Sonne-Licht-Schatten-Partnerbetriebe leitet. „Stattdessen sind Pergolen und Lamellendächer auf der Überholspur.“ Woran das liegt? „Lamellendächer und Pergolen sind ein Allwetterschutz. Man kann auch bei einem Wetterumschwung im Freien verweilen. Das kann man bei einem Sonnensegel nicht.“ Doch es hat andere Vorteile – so ist die Optik bei vielen ausschlaggebend. „Zu modernen Häusern passt es mit der luftig lockeren leichten Optik einfach gut dazu“, meint Heiner Praun, der den Sonnensegelrückgang nicht ganz so dramatisch empfindet wie sein Sohn.
Auch auf Dachterrassen von Neubauhäusern erblickt man zunehmend fix integrierte Lamellendächer. Hierbei handelt es sich meist um funktionale Modelle mit fixen Lamellen. Teurer, aber auch interessanter sind drehbare Lamellen, die je nach Witterung gekippt oder geschlossen werden können und bioklimatische Belüftung und Kühlung mit einem Schutz gegen Sonne und Regen kombinieren. „Mit Lamellen lassen sich Licht und Schatten optimal dosieren. Durch Zusatzfeatures wie Faltwände und Glastüren kann die Pergola flexibel seitlich abgeschlossen werden. Es wird immer mehr zum eigenen Raum“, sagt Heiner Praun.

Doch nicht jeder Freiraum lässt sich einfach schützen, vor allem auf Dachterrassen sind stützende Wände oft nicht vorhanden. Dann sind ebenso kreative Ideen von Nöten wie bei besonderen Wünschen – etwa einem Sommergarten auf dem Dach. „Sonderlösungen sind auch gefragt, wenn ein Dachlüftungsflügel oder ein sogenanntes Cabriodach, das zu 75 Prozent geöffnet werden kann, das Ziel ist“, erklärt Christa Gätz-Thurnher, Geschäftsführerin von Alco Wintergärten, die sich auf außergewöhnliche Terrassenüberdachungen spezialisiert haben. Je nach System und Saison belaufen sich die Lieferzeiten der Terrassenüberdachungen auf acht bis zwölf Wochen.

 

Freie Sicht

Am Balkon bleibt die Markise der Bestseller. „Weil sie die einzige Sonnenschutzanlage ist, die keine Steher benötigt. Man fährt sie zurück und hat nicht die geringste Sichteinbuße“, so Maximilian Praun. Bei Sonnensegel und Pergolen bleiben Stützen im Weg. Auf kleinem Raum ist das störend. Bei westlich ausgerichteten Markisen ist darauf zu achten, dass sie Zusatzscreens besitzt, die dafür sorgen, dass auch die tiefstehende Sonne nicht blendet.

Eine hochwertige Pergolamarkise kommt der untersten Preiskategorie einer klassischen Pergola schon sehr nahe. Hochwertige Markisen liegen bei etwa 6000 Euro. In dieser Preiskategorie starten in etwa Sonnensegel. Für gute Pergolamarkisen muss man mit rund 8000 Euro rechnen, eine Pergola startet bei 10.000 Euro und Lamellendächer ab 15.000 Euro. „Es ist ähnlich wie beim Autokauf“, meint Maximilian Praun. Der VW unter den Sonnenschutzprodukten reiche aus, um eine zufriedenstellende Beschattung zu erzielen. Wer mehr als nur Funktion wolle, greife zu BMW oder Mercedes und wer sich von seiner Nachbarschaft klar abheben möchte, wähle den Ferrari unter den Sonnenschutzanlagen.

PREISKATEGORIEN

Sonnensegel und Markisen starten ab 6000 Euro, bei Pergolamarkisen beginnt die Auswahl ab etwa 8000 Euro. Um mit einer Pergola Sonne, Wind und Wetterzu trotzen, muss man mit mindestens 10.000 Euro rechnen, bei Lamellendächern sind rund 15.000 Euro das Beginner-Level.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2018)

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