Umzug ohne Pech und Pannen

Wenn ein Umzug ins Haus steht, kann man sich von Freunden helfen lassen – oder professionelle Hilfe suchen. Wie man seriöse Anbieter erkennt und wie sich Schäden vermeiden lassen.

(c) Pixabay

„Dreimal umziehen ist so schlimm wie einmal abbrennen“, wusste schon der amerikanische Verleger, Naturwissenschaftler und Politiker Benjamin Franklin. Auch heute treibt eine bevorstehende Übersiedlung so manchem die Schweißperlen auf die Stirn. Immer öfter vertrauen Übersiedlungswillige daher auf die Unterstützung durch Profis. Zahlreiche Umzugsunternehmen buhlen um die Gunst der Kunden – und weil unter diesen zwar nur wenige, aber dennoch schwarze Schafe zu finden sind, zahlt es sich aus, die infrage kommenden Unternehmen genauer unter die Lupe zu nehmen. „Man sollte nicht das erstbeste Angebot im Internet wählen, sondern mehrere vergleichen“, sagt Maria Ecker vom Verein für Konsumenteninformation. Gerade von Lockangeboten im Netz werde man in der Praxis oft enttäuscht. „Wenn jemand verspricht, drei Räume um 800 Euro zu übersiedeln, sollten die Alarmglocken schrillen“, sagt auch Katarina Pokorny, Obfrau der Fachgruppe Wien der Kleintransporte.

 

Impressum, Festnetznummer

Ein ausführliches Impressum, eine Festnetznummer und Firmenadresse seien weitere Indizien für Seriosität. „Man kann sich auch in der Wirtschaftskammer nach dem Unternehmen erkundigen“, rät Ecker. Oder auf deren Website nach Firmen suchen, die das von der Wirtschaftskammer Wien ins Leben gerufene Gütesiegel tragen. Dieses erhält, wer einen 24-stündigen Kurs absolviert. Auf dem Stundenplan stehen neben kaufmännischen Inhalten Themen wie Anbotslegung, Eigenmarketing, Kundenrechte sowie Ladesicherung und Fahrsicherheitstraining.

Die Vorgangsweise der schwarzen Schafe ist in der Regel ähnlich: Am Tag der Übersiedlung wird mehr verlangt als vereinbart – die Übersiedlung kann dann statt der vereinbarten 300 auf einmal 2000 Euro oder mehr kosten, sagt Pokorny. Begründet werden die gestiegenen Kosten meist mit zusätzlichem Personal- oder Zeitaufwand. „Oft drohen die Unternehmen damit, die Übersiedlung abzubrechen – und in der Not unterschreibt der Kunde die neuen Bedingungen“, sagt Ecker. Wer sich in dieser Situation gar bedroht fühlt, sollte – so rät Pokorny – nicht zögern, die Polizei zu rufen.

Dass es immer wieder zu unliebsamen Vorfällen kommt, ist nach Pokornys Ansicht aber auch der „Geiz ist geil“-Mentalität mancher Auftraggeber geschuldet. Diesen Trend erkennt auch Andreas Bohner, Geschäftsführer des Umzugsunternehmens Zug um Zug: „Viele Kunden fragen nur nach dem Preis“, erzählt er. Wie die meisten seiner Kollegen legt er Wert darauf, die Wohnung vor dem Umzug – kostenlos – zu besichtigen. „Nur so kann man einen seriösen Kostenvoranschlag abliefern.“

 

Genauer Kostenvoranschlag

Darin steht nicht nur, wie viele Personen für die Übersiedlung benötigt werden, sondern auch, wie viel Packmaterial man braucht. Auch sämtliche anderen anfallenden Leistungen, von der Einrichtung einer Ladezone bis zur Miet- und Kilometergebühr für den Transporter, sind ersichtlich. „Immer öfter lassen Kunden auch die Kartons von uns packen“, erzählt Bohner. Wer das lieber selbst tut, erhält von ihm nicht nur Kartons und Seidenpapier, sondern auch eine Anleitung, wie Teller, Tassen und Vasen optimal verstaut werden. Was nicht in Kartons passt, wird von Bohners Mitarbeitern verpackt – vom Sessel bis zum Schrank. Sollte ein Möbelstück trotzdem beschädigt werden, ist das ein Fall für die Versicherung des Unternehmens. Gleiches gilt, wenn der Frachtführer eine Kiste fallen lässt und dadurch ein Schaden entsteht. Das kommt laut Bohner aber so gut wie nie vor: „Ich hatte in den letzten 17 Jahren nur eine oder zwei Beanstandungen.“

Findet sich in einem unversehrten Umzugskarton, den der Kunde gepackt hat, eine zerbrochene Tasse, übernimmt das Übersiedlungsunternehmen den Schaden nicht. Gleiches gilt für Schäden an Wänden, Böden oder Türen, wenn das Unternehmen darauf hingewiesen hat, aufgrund der örtlichen Gegebenheiten keine Gewährleistung übernehmen zu können.

Was Sie beachten sollten beim Wohnungswechsel

Tipp 1

Gut geplant ist halb gewonnen. Ein Umzug sollte sorgfältig und vor allem rechtzeitig geplant werden. Unter Druck kann es zu Schwierigkeiten kommen. „Was vom Hab und Gut soll mit, wovon will oder muss man sich trennen?“ ist nur eine Frage von vielen, die man sich schon früh stellen sollte. Auch das Verpacken braucht Zeit, und ebenso das Einholen von Anboten von Umzugsfirmen.

Tipp 2

Auf den Zahn gefühlt. Das in Frage kommende Unternehmen sollte man genau unter die Lupe nehmen und bei verschiedenen Stellen (Wirtschaftskammer, ev. Firmenbuch) Erkundigungen einholen. Auch eine aussagekräftige Website ist ein Kriterium, ebenso ein allenfalls vorhandenes Gütesiegel. Wichtig ist es auch, nachzufragen, ob der Anbieter versichert ist.

Tipp 3

In den neuen vier Wänden: Was kommt wohin? Welche Möbelstücke an welchen Platz in der neuen Wohnung kommen, sollte vorher festgelegt werden. Wichtig ist es auch, die Kartons zu beschriften, um zu wissen, was in welchen Raum gehört. Wichtige Dinge, wie etwa Medikamente oder Windeln, sollte man zudem so verpacken, dass man sie gleich parat hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.06.2018)

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