Hausgeschichte

"Mein Zuhause ist mein Kraftplatz"

In ihrem Haus in Wien Währing, erbaut von einem Loos-Schüler, kann Alexandra Palla ihre Kreativität ausleben. Die besten Ideen habe man, wo man sich wohlfühlt.

Alexandra Palla in der Küche.
Alexandra Palla in der Küche.
Alexandra Palla in der Küche. – Barbier

Alexandra Palla ist Bloggerin, Kochbuchautorin und Designerin. Und tankt Energie gern zu Hause: im grünen Cottageviertel in Wien Währing. Das Haus mit Garten, das von einem Loos-Schüler 1933 im Stil der klassischen Moderne erbaut wurde, ist auf drei Etagen angesiedelt, die alle sehr offen und großzügig miteinander verbunden sind. Licht, Luft und eine gewisse Leichtigkeit dominieren hier. Das Haus setzt der Kreativität seiner Bewohner ganz offensichtlich keine Grenzen.

Blick in die Wohnung. – Barbier


„Ich bin hier aufgewachsen und lebe immer noch da“, erzählt Palla. „Meine Kinder gehen heute mit den Kindern meiner Schulfreunde in die Schule.“ Da gebe es Freundschaften, die schon seit Generationen halten. „Diese tiefe Verwurzelung hat für mich eine unglaubliche Lebensqualität und ist für mich und mein Leben sehr wichtig.“
Ob das die beiden Töchter auch so sehen, wird sich allerdings erst zeigen. Palla ist da ganz pragmatisch: „Schauen wir mal, wie lange es meine große Tochter, die seit drei Jahren in Berlin lebt, dort aushält.“

Haus mit Vergangenheit

Das Bauwerk des Loos-Schülers, das vor ein paar Jahren sogar von einem Architekturmagazin als Haus des Jahres ausgezeichnet wurde, habe seit seiner Errichtung schon viel durchgemacht, erzählt Palla. „Als wir es in den 1990er-Jahren bezogen haben, wurde es gemeinsam mit dem Architekten Georg Drindl ,freigelegt‘, noch vorhandene originale Elemente wurden hervorgeholt“, erzählt sie.
Die Einrichtung ist schlicht und sparsam, da gibt es etwa einen alten Musiknotenschrank, der aus dem Familienfundus stammt und in dem jetzt die Weingläser stehen.

Das Bild „Der Hausgeist“. – Barbier


Und das Bild „Der Hausgeist“. „Es beschützt unsere Familie“, sagt Palla, die zufrieden auf ihr neuestes Werk blickt, eine Kollektion mit dem Namen „Kitchen Kouture“, die aus Geschirrhangerlstoffen Mode macht.
„Sie ist Ausdruck meiner Persönlichkeit und verbindet meine Leidenschaften für Design, Kochen und traditionelles Handwerk“, erklärt sie. Die Stoffe der (gar nicht kleinkarierten) Kleider, Hosen und Röcke kommen laut der Designerin alle aus Manufakturen in Österreich.
Nach umfangreichen Recherchen besuchte sie dafür die wenigen Webereien, die es in Österreich noch für traditionelle Geschirrtuchstoffe gibt. Etwa die Leinenweberei Vieböck im oberösterreichischen Mühlviertel. „Ich wollte diese wunderbaren Stoffe von der Küche hinaus ins Freie bringen“, erklärt Palla, „denn auch das Kochen findet heute nicht nur in geschlossenen Räumen statt.“

Esstisch - mit weißer Wand. – Barbier


Gestartet wurde im Sommer mit Modellen in Blau-Weiß und Rot-Weiß, heute ist die Nachfrage laut der Designerin bereits so groß, dass sich die Teile auch in herbstlicheren Tönungen präsentieren.
Zu Farben hat die Designerin eine etwas zwiespältige Beziehung – jedenfalls wenn es um ihre Wohnumgebung geht. „Es gab Zeiten, da hatte die Wand hinter dem Esstisch alle möglichen Farben von bunt bis erdig, dann war sie lange silberfarben. Erst im Sommer wurde sie wieder blütenweiß, das beruhigt mich heute.“
Die Küche ist für Palla so etwas wie der Nabel ihrer Welt, und sie verschmilzt mit dem Wohn- und Essraum. „Alles ist sehr offen, um das großes Pult in der Wohnküche wird gearbeitet, gekocht, getratscht und getanzt.“ Auch nach mehr als 20 Jahren ist sie mit dem Raum, so wie er ursprünglich gestaltet wurde, zufrieden: „Mir fehlt nichts in meiner Küche, ich würde sie heute wieder so anlegen.“


Esstisch als Familientreffpunkt


Lieblingsplatz ist der große Esstisch, er ist immer noch der erste und letzte Treffpunkt der Familie an jedem Tag die Woche. Gearbeitet werde dagegen überall, zu Hause und anderswo: „Als Selbstständige und Unternehmerin ist man ja immer im Dienst.“ Wobei das Haus in Wien Währing auch für die kreative Arbeit ein Fixpunkt ist: „Die besten Ideen entstehen eben da, wo man sich wohlfühlt“, sagt Palla. „Mein Zuhause ist mein Kraftplatz.“
Auch weil man von fast allen Räumen in einen kleinen, wilden Garten schaut, mit alten, hohen Bäumen. „Unser Schlafzimmer ,liegt‘ in einer Baumkrone. Wenn die Türen im Sommer ganz offen sind, fühlt man sich wie auf einem Ausguck im Wald.“

Zur Lage, zur Person

InlineBild (f2535321)In Wien Währing kosten Einfamilienhäuser je nach Wohnlage und Wohnwert 2511 bis 5040,5 Euro pro Quadratmeter. Gebrauchte Eigentumswohnungen sind für 2074,1 bis 4556 Euro pro Quadratmeter zu haben (Quelle: Immo-Preisspiegel der WKO).
Alexandra Palla betreibt eine auf Lebensmittel und Kommunikation spezialisierte Agentur (Studio Alexandra Palla). Sie ist Kochbuchautorin, Food-Bloggerin, Designerin und Organisatorin des Austria Food Blog Award.

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