Studentenwohnen

Günstig und nahe der Uni zieht

Rund elf Prozent der Hochschüler in Österreich leben in Heimen – in Zeiten steigender Mieten gefragter denn je. Manches Objekt fällt jedoch in die Kategorie Luxus.

Sportliche Eingewöhnung im "Smartments".
Sportliche Eingewöhnung im "Smartments".
Sportliche Eingewöhnung im "Smartments". – (c) Rudolf Schmied

In Wien, aber auch in anderen Universitätsstädten stehen Studentenheime hoch im Kurs. 43.000 Studentenheimplätze gibt es derzeit in knapp 300 Heimen österreichweit, rund elf Prozent der Studierenden an Österreichs Universitäten nutzen diese Möglichkeit des Wohnens. Im internationalen Vergleich ist das ein geringer Anteil: In den USA wählen etwas mehr als 40 Prozent diese Wohnform, in der Slowakei sind es rund 37 Prozent.

Neue Projekte schießen daher wie die sprichwörtlichen Schwammerln aus dem Boden. Mit dem Wintersemester wurde zum Beispiel in der Bundeshauptstadt das Smartments Student Wien der deutschen GBI AG, einem gewerblichen Anbieter, im zehnten Bezirk in Betrieb genommen. 165 Studierende und Auszubildende sind nach Angaben der GBI AG dort eingezogen, der durchschnittliche Mietpreis liegt bei rund 495 Euro. In dem Preis inkludiert sind nicht nur Miete und Betriebskosten, sondern auch die Nutzung der Möblierung sowie eine Internet-Flatrate. Erstmals bezogen wurden auch die neuen Heime der gemeinnützigen Stuwo in der Seestadt Aspern in Wien sowie in Innsbruck. „Wir haben überall volle Zimmer“, sagt Walter Tancsits, Vorstand der Stuwo, mit 3709 Plätzen drittgrößter Anbieter für Studentenheimplätze.

Neue Standards

Mitten in dieser Boomphase kommt die vor Kurzem präsentierte Novelle zum Studentenheimgesetz gerade recht: Demnach müssen sich gewerbliche Heimbetreiber künftig entscheiden, ob sie wie die gemeinnützigen dem Studentenheimgesetz oder dem Mietrechtsgesetz unterliegen. Derzeit können Verträge sogar außerhalb beider Regelwerke, und zwar nach dem Allgemein Bürgerlichen Gesetzbuch, abgewickelt werden (siehe auch Kasten). Die Novelle soll für Vereinheitlichung und Transparenz sorgen, was auch die Betreiber goutieren.

Mit den oft tristen, doppelt belegten Boxen mit WC und Dusche auf dem Gang vergangener Semester haben die neuen Studentenheime nur mehr wenig zu tun: Entsprechend dem steigenden Anspruch an Komfort und Privatsphäre haben sich auch diese Unterkünfte weiter entwickelt, Einzelzimmer mit eigenem Bad und Kleinküche sind mittlerweile fast überall State of the Art. Mindestens genau so wichtig, wenn nicht sogar wichtiger, ist die Höhe der Monatsmiete, ist doch das Budget der Studierenden begrenzt. „Studierende geben durchschnittlich 36 Prozent ihres Budgets für Wohnraum aus“, weiß Marita Gasteiger, Vorsitzteam der ÖH-Bundesvertretung. Dieses liegt der Studierenden-Sozialerhebung zufolge bei durchschnittlich 1132 Euro pro Monat. „Der Punkt dabei ist: Je weniger Budget ein Student hat, desto höher steigt der Anteil der Wohnkosten“, sagt Gasteiger. Gleichzeitig wählen vor allem Studierende aus niedrigeren Schichten laut Sozialerhebung über alle Alterskategorien hinweg kostengünstigere Wohnformen. „Der Bedarf an günstigem, qualitativ hochwertigem Wohnraum ist also gegeben“, ist sie daher überzeugt. Das sieht Bernhard Tschrepitsch, Generalsekretär der Akademikerhilfe, genauso: „Günstig ist das Thema“, sagt er.

Günstig wohnen

Durchschnittlich 400 Euro sind in den Stuwo-Heimen pro Kopf und Nase zu berappen, die Internetnutzung ist ebenfalls inkludiert. Damit liege man im oberen Drittel der gemeinnützigen Anbieter, so Tancsits. Verlangen diese durchschnittlich 350 und 450 Euro pro Heimplatz, sind je nach Ausstattung von Heim und Zimmer bei gewerblichen Anbietern, die nicht dem Kostendeckungsprinzip unterliegen, bis zu 800 oder 900 Euro zu berappen.

„Ich wünsche allen viel Glück, die das verlangen“, sagt dazu Bernhard Tschrepitsch. Die Akademikerhilfe verfügt über 4500 Plätze in 36 Heimen. Studierende seien weniger an luxuriöser Ausstattung interessiert, sondern vielmehr an Lage und günstigem Preis des Heims. „Je näher dieses an der Universität liegt, desto besser“, sagt Tschrepitsch. Je größer die Entfernung zur Uni, desto unzufriedener seien die Studierenden mit ihrer Wohnsituation, habe eine Befragung der Akademikerhilfe gezeigt.

STUDENTENHEIMGESETZ

Die wichtigsten Änderungen der Novelle:

• Gewerbliche Heimbetreiber müssen sich entscheiden, ob sie wie die gemeinnützigen dem Studentenheimgesetz oder dem Mietrechtsgesetz unterliegen.

• Präzisierung der Kündigungsgründe.

Kriterien für die Platzvergabe muss öffentlich sein (Internetseite).

• Flexiblere Gestaltung der Vertragsdauer, Studenten können während des Semesters aussteigen.

Begrenzung der Kaution auf zwei Monatsmieten.

• Heimvertretungen erhalten ein Zustimmungsrecht zum Heimstatut.

Betreiber müssen einen Besuch zumindest 48 Stunden vorher ankündigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2018)

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