Baugeschichte

Kärnten

Ein steiles Grundstück, der Wunsch nach Ausgefallenem und unberührter Natur: Wie Architekt Roland Winkler im Kärntner Wald einen anspruchsvollen Auftrag umsetzte.

Drei Jahre lang wurde geplant - drei Häuser mit je rund 150 Quadratmetern und ein Schuppen sind es geworden, angelegt wie ein kleines Dorf. Und zum Vermieten an Urlaubsgäste gedacht, pro Haus finden bis zu zehn Personen Platz. „Der Bauherr wollte etwas haben, was er vorher noch nie gesehen hat“, erzählt Roland Winkler, der Architekt des Ensembles. „Er ist eigentlich Schauspieler und wollte so etwas wie eine Bühne haben, um eine Geschichte zu erzählen.“ Das ist gelungen: es wurde 2018 mit dem ZV-Bauherrenpreis ausgezeichnet.

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Die Ausgangslage war denkbar schwierig. Das Grundstück auf der Turracherhöhe liegt mitten im Wald und ist äußerst steil. Dem Architekten gelang es aber, die Häuser so zu verteilen, dass „nur drei Bäume gefällt werden mussten“, wie er stolz erzählt. Und er ließ sich von der dort üblichen Holzbauweise inspirieren. „Das Problem war nur, dass die klassische Blockbauweise, Baumstamm auf Baumstamm, wegen der Wärmedämmwerte heute nicht mehr so bewilligt wird.“

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Geschafft haben sie das mit einer zusätzlichen Feder aus Mineralwolle als Dämmstoff, durch die die Baumstämme luftdicht miteinander verbunden wurden, wodurch bei einer Dicke von nur 20 cm der erforderliche Wärmedämmwert erreicht wurde.
Alle drei Häuser mussten aufgrund der Steilheit in den Hang hineingebaut werden und verfügen über drei oder vier Geschoßebenen.

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Da wegen der Bauweise die Länge der Holzbalken vorgegeben ist, sind die Räume sehr klein. „Das Material gibt in dem Fall die Form und den Raum vor, es sind also im Prinzip Turmhäuser geworden, in jedem Geschoß findet ein Raum Platz. Die Häuser werden damit zu einem vertikalen Labyrinth, das eine bestimmte Dramaturgie aufweist. Man muss sie wie einen Berg besteigen, jedes Geschoß hat seine eigene innere Spannung.“ Die Haupträume, die sogenannten Stuben mit einem Kamin, sind meist im Erdgeschoß untergebracht. Gedeckt sind die Häuser mit Holzbrettern.

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„Jedes Haus ist anders. Jedes Haus hat sich quasi von selbst entwickelt, wurde nacheinander aufgrund der Lage geplant und gebaut“, erklärt Winkler. Und jedes Haus wird von einem Vorbau aus Sichtbetonbau erschlossen. In diesem sind die Stiegenhäuser und Vorratsräume untergebracht – und auch hier ist Individualität das herausstechendste Merkmal, denn jeder dieser Vorbauten, mit einer Holzverschalung gegossen, hat ein anderes Gesicht.

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Der Baustoff setzt sich im Inneren fort: Der Beton wurde so belassen, nur geschliffen, der Fußboden kommt ebenfalls ohne Aufbau aus.
Die Holzhäuser werden „durchstochen von einer Betonsäule, einer Wasser- und Feuersäule, in der nicht nur der Kamin für die Stube untergebracht ist, sondern an die auch die Nassräume angeschlossen sind“, erläutert Winkler. Als zusätzliche Heizung, „es kann hier sehr kalt werden“, wurde eine Fußbodenheizung installiert, die Häuser sind an eine öffentliche Hackschnitzelheizanlage angeschlossen.

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„Es war irrsinnig schwierig, hier zu bauen. Fast jedes Teil haben wir selbst herstellen müssen“, erinnert sich Winkler. Was aber auch den Reiz ausgemacht hat, „das Wachsen war im Entwurf sozusagen mitgedacht“.
Natürlich ist auch das Innere in diesem Sinn gestaltet. Holz ist das Material der Wahl. „Der Hausherr designt sehr gern und hat bis zu Geschirr und Besteck fast alles selbst entworfen“, sagt Winkler.

 

 

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> > Die ausgezeichneten Projekte des ZV-Bauherrenpreises 2018

 

(Im Bild: Das "Paneum" von Coop Himmelb(l)au)

Markus Pillhofer
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Drei Jahre lang wurde geplant - drei Häuser mit je rund 150 Quadratmetern und ein Schuppen sind es geworden, angelegt wie ein kleines Dorf. Und zum Vermieten an Urlaubsgäste gedacht, pro Haus finden bis zu zehn Personen Platz. „Der Bauherr wollte etwas haben, was er vorher noch nie gesehen hat“, erzählt Roland Winkler, der Architekt des Ensembles. „Er ist eigentlich Schauspieler und wollte so etwas wie eine Bühne haben, um eine Geschichte zu erzählen.“ Das ist gelungen: es wurde 2018 mit dem ZV-Bauherrenpreis ausgezeichnet.

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Die Ausgangslage war denkbar schwierig. Das Grundstück auf der Turracherhöhe liegt mitten im Wald und ist äußerst steil. Dem Architekten gelang es aber, die Häuser so zu verteilen, dass „nur drei Bäume gefällt werden mussten“, wie er stolz erzählt. Und er ließ sich von der dort üblichen Holzbauweise inspirieren. „Das Problem war nur, dass die klassische Blockbauweise, Baumstamm auf Baumstamm, wegen der Wärmedämmwerte heute nicht mehr so bewilligt wird.“

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Geschafft haben sie das mit einer zusätzlichen Feder aus Mineralwolle als Dämmstoff, durch die die Baumstämme luftdicht miteinander verbunden wurden, wodurch bei einer Dicke von nur 20 cm der erforderliche Wärmedämmwert erreicht wurde.
Alle drei Häuser mussten aufgrund der Steilheit in den Hang hineingebaut werden und verfügen über drei oder vier Geschoßebenen.

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Da wegen der Bauweise die Länge der Holzbalken vorgegeben ist, sind die Räume sehr klein. „Das Material gibt in dem Fall die Form und den Raum vor, es sind also im Prinzip Turmhäuser geworden, in jedem Geschoß findet ein Raum Platz. Die Häuser werden damit zu einem vertikalen Labyrinth, das eine bestimmte Dramaturgie aufweist. Man muss sie wie einen Berg besteigen, jedes Geschoß hat seine eigene innere Spannung.“ Die Haupträume, die sogenannten Stuben mit einem Kamin, sind meist im Erdgeschoß untergebracht. Gedeckt sind die Häuser mit Holzbrettern.

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„Jedes Haus ist anders. Jedes Haus hat sich quasi von selbst entwickelt, wurde nacheinander aufgrund der Lage geplant und gebaut“, erklärt Winkler. Und jedes Haus wird von einem Vorbau aus Sichtbetonbau erschlossen. In diesem sind die Stiegenhäuser und Vorratsräume untergebracht – und auch hier ist Individualität das herausstechendste Merkmal, denn jeder dieser Vorbauten, mit einer Holzverschalung gegossen, hat ein anderes Gesicht.

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Der Baustoff setzt sich im Inneren fort: Der Beton wurde so belassen, nur geschliffen, der Fußboden kommt ebenfalls ohne Aufbau aus.
Die Holzhäuser werden „durchstochen von einer Betonsäule, einer Wasser- und Feuersäule, in der nicht nur der Kamin für die Stube untergebracht ist, sondern an die auch die Nassräume angeschlossen sind“, erläutert Winkler. Als zusätzliche Heizung, „es kann hier sehr kalt werden“, wurde eine Fußbodenheizung installiert, die Häuser sind an eine öffentliche Hackschnitzelheizanlage angeschlossen.

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„Es war irrsinnig schwierig, hier zu bauen. Fast jedes Teil haben wir selbst herstellen müssen“, erinnert sich Winkler. Was aber auch den Reiz ausgemacht hat, „das Wachsen war im Entwurf sozusagen mitgedacht“.
Natürlich ist auch das Innere in diesem Sinn gestaltet. Holz ist das Material der Wahl. „Der Hausherr designt sehr gern und hat bis zu Geschirr und Besteck fast alles selbst entworfen“, sagt Winkler.

 

 

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> > Die ausgezeichneten Projekte des ZV-Bauherrenpreises 2018

 

(Im Bild: Das "Paneum" von Coop Himmelb(l)au)

Markus Pillhofer
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Turracher Höhe: Drei Häuser im Wald

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