Wohngeschichte

Inspiration

Lichtdesignerin Megumi Ito lebt und arbeitet in einem Pawlatschenhaus in der Wiener Innenstadt. Mit Blick auf Franziskanerkirche und Vogelnest.

Von Japan – Megumi Ito stammt aus Kamakura bei Tokyo – führen viele Wege nach Wien. Einer davon über die Angewandte: Ito studierte Textildesign und wollte sich dem Charme Wiens auch nach dem Abschluss nicht entziehen. Ihr Domizil im zweiten Stock eines aus dem 16. Jahrhundert stammenden typischen Wiener Pawlatschenhauses ist nicht ihr erstes in der Stadt. Sie zog vor drei Jahren vom Karmelitermarkt im zweiten Bezirk hierher in den ersten – und hat ihre Wahl bis heute nicht bereut.

Doris Barbier

„Ich wohne sehr gern in der Altstadt. Alles ist schnell erreichbar, meine Termine sind oft in der Innenstadt, und ich kann danach sofort wieder nach Hause gehen und weiterarbeiten, das ist ein Riesenvorteil.“ Doch was den Reiz der Vierzimmerwohnung ausmacht, ist vor allem das Ambiente und der Ausblick: Dieser fällt auf die Franziskanerkirche. Und auf ein Innenhofidyll samt Vogelnest. „Sie zwitschern in der Früh sofort nach Sonnenaufgang und bevor es dunkel wird“, erzählt die Designerin, die vor Kurzem auch die Lampen für das Café Sacher kreiert hat. „Das inspiriert mich. Genauso, wie ich für meine Arbeit Ruhe brauche.“

 

Doris Barbier

Die 110 Quadratmeter große Wohnung mit zentraler Wohnküche und Durchreiche, rechteckigem Esstisch aus Holz und Stühlen von Arne Jacobsen zeigt den sehr persönlichen Stil seiner Bewohnerin: eine bunt zusammengewürfelte Mischung aus Japan und Europa, alt und modern, mit spielerischen und ernsthaften Elementen. Da gibt es Antik-Augarten-, Meissen- und Imari-Porzellan, Biedermeiermöbel und Nippon'sche Plastikpuppen. Geschirr aus Japan, Kimonos als Wandbilder. Und die zahlreichen Kimono-Lampen, die immer wieder in allen möglichen Größen und Formen in der Wohnung auftauchen.

Doris Barbier

Die Wiener Pawlatschenarchitektur harmoniert überraschend gut mit den zahlreichen japanischen Einflüssen im Leben der Besitzerin, Stilbrüche sind aber auch durchaus gewollt: Der grüne Tee wird aus der gelben Kanne aus Gmundner Keramik in die japanischen Teetassen aus zartem Porzellan gegossen. Dazu werden japanische Bonbons in Pastellfarben gereicht, die – man wagt es kaum, sie zu verzehren – wie kostbare und filigrane Schmuckstücke in einer Papierschachtel präsentiert werden.

Doris Barbier

„Alles hat vor zwanzig Jahren mit meinen selbst gefertigten Lampen begonnen“, erzählt die Designerin. „Ich habe den Stoff bedruckt und den Lampenfuß aus Bambus mit Beton gegossen. Die Serie hat sich sofort sehr gut verkauft, und seitdem erzeuge ich fast nur mehr Lampen.“ Mittlerweile bekommt Ito nicht nur Aufträge von Privatpersonen, sondern auch von Hotels. Neben dem Sacher hat sie auch im Haus Hirt in Gastein alle Lampen kreiert.

Doris Barbier

Dabei gehe sie wie eine Haute-Couture-Designerin vor, erzählt sie: „Ich passe mich den Wünschen meiner Kunden an und entwerfe ganz nach Gefühl, aber erst, nachdem ich mir von dem Ort, wo meine Lampen zum Einsatz kommen sollen, ein Bild gemacht habe.“ Badewanne gegen Winterblues Gearbeitet wird dabei nicht in einem Atelier, sondern zu Hause: Hier entwickelt Ito die Lampen und Lampenschirme, ohne dabei je auf ihre Wurzeln zu vergessen.

Doris Barbier

So darf auch das Häufchen Salz am Gang nicht fehlen: „Dem Salz wird im Shintō eine reinigende Wirkung zugesprochen. Da es in einem langen Prozess aus Magma entsteht, gilt es als Essenz der Erdkräfte. Vor Geschäften, aber auch in Wohnhäusern soll Salz böse Geister fernhalten.“ Auch Sonne und Wärme sind für die Lichtdesignerin ein sehr wichtiges Element: „Mein Pawlatschenbalkon ist sehr hell, fast den ganzen Tag lang genieße ich hier die Sonnenstrahlen.“ Weshalb sie noch etwas unbedingt braucht, um sich in einer Wohnung wohlzufühlen: „Eine Badewanne, weil die Winter hier so kalt und lang sind.“

Doris Barbier

Zum Ort, zur Person:
► Das Viertel um die Franziskanerkirche im ersten Wiener Bezirk gilt als eher gemütliches Grätzel. Gebrauchte Eigentumswohnungen kosten in der Innenstadt zwischen 3050 Euro/m2 (mäßige Lage) und 7724 Euro/m2 (sehr gute Lage). Mietwohnungen liegen zwischen 10,3 und 17,9 Euro/m2.
► Designerin Megumi Ito wuchs in der antiken Stadt Kamakura in Japan auf. Sie studierte Textil und Modedesign an der Universität für angewandte Kunst in Wien.

Doris Barbier
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Von Japan – Megumi Ito stammt aus Kamakura bei Tokyo – führen viele Wege nach Wien. Einer davon über die Angewandte: Ito studierte Textildesign und wollte sich dem Charme Wiens auch nach dem Abschluss nicht entziehen. Ihr Domizil im zweiten Stock eines aus dem 16. Jahrhundert stammenden typischen Wiener Pawlatschenhauses ist nicht ihr erstes in der Stadt. Sie zog vor drei Jahren vom Karmelitermarkt im zweiten Bezirk hierher in den ersten – und hat ihre Wahl bis heute nicht bereut.

Doris Barbier

„Ich wohne sehr gern in der Altstadt. Alles ist schnell erreichbar, meine Termine sind oft in der Innenstadt, und ich kann danach sofort wieder nach Hause gehen und weiterarbeiten, das ist ein Riesenvorteil.“ Doch was den Reiz der Vierzimmerwohnung ausmacht, ist vor allem das Ambiente und der Ausblick: Dieser fällt auf die Franziskanerkirche. Und auf ein Innenhofidyll samt Vogelnest. „Sie zwitschern in der Früh sofort nach Sonnenaufgang und bevor es dunkel wird“, erzählt die Designerin, die vor Kurzem auch die Lampen für das Café Sacher kreiert hat. „Das inspiriert mich. Genauso, wie ich für meine Arbeit Ruhe brauche.“

 

Doris Barbier

Die 110 Quadratmeter große Wohnung mit zentraler Wohnküche und Durchreiche, rechteckigem Esstisch aus Holz und Stühlen von Arne Jacobsen zeigt den sehr persönlichen Stil seiner Bewohnerin: eine bunt zusammengewürfelte Mischung aus Japan und Europa, alt und modern, mit spielerischen und ernsthaften Elementen. Da gibt es Antik-Augarten-, Meissen- und Imari-Porzellan, Biedermeiermöbel und Nippon'sche Plastikpuppen. Geschirr aus Japan, Kimonos als Wandbilder. Und die zahlreichen Kimono-Lampen, die immer wieder in allen möglichen Größen und Formen in der Wohnung auftauchen.

Doris Barbier

Die Wiener Pawlatschenarchitektur harmoniert überraschend gut mit den zahlreichen japanischen Einflüssen im Leben der Besitzerin, Stilbrüche sind aber auch durchaus gewollt: Der grüne Tee wird aus der gelben Kanne aus Gmundner Keramik in die japanischen Teetassen aus zartem Porzellan gegossen. Dazu werden japanische Bonbons in Pastellfarben gereicht, die – man wagt es kaum, sie zu verzehren – wie kostbare und filigrane Schmuckstücke in einer Papierschachtel präsentiert werden.

Doris Barbier

„Alles hat vor zwanzig Jahren mit meinen selbst gefertigten Lampen begonnen“, erzählt die Designerin. „Ich habe den Stoff bedruckt und den Lampenfuß aus Bambus mit Beton gegossen. Die Serie hat sich sofort sehr gut verkauft, und seitdem erzeuge ich fast nur mehr Lampen.“ Mittlerweile bekommt Ito nicht nur Aufträge von Privatpersonen, sondern auch von Hotels. Neben dem Sacher hat sie auch im Haus Hirt in Gastein alle Lampen kreiert.

Doris Barbier

Dabei gehe sie wie eine Haute-Couture-Designerin vor, erzählt sie: „Ich passe mich den Wünschen meiner Kunden an und entwerfe ganz nach Gefühl, aber erst, nachdem ich mir von dem Ort, wo meine Lampen zum Einsatz kommen sollen, ein Bild gemacht habe.“ Badewanne gegen Winterblues Gearbeitet wird dabei nicht in einem Atelier, sondern zu Hause: Hier entwickelt Ito die Lampen und Lampenschirme, ohne dabei je auf ihre Wurzeln zu vergessen.

Doris Barbier

So darf auch das Häufchen Salz am Gang nicht fehlen: „Dem Salz wird im Shintō eine reinigende Wirkung zugesprochen. Da es in einem langen Prozess aus Magma entsteht, gilt es als Essenz der Erdkräfte. Vor Geschäften, aber auch in Wohnhäusern soll Salz böse Geister fernhalten.“ Auch Sonne und Wärme sind für die Lichtdesignerin ein sehr wichtiges Element: „Mein Pawlatschenbalkon ist sehr hell, fast den ganzen Tag lang genieße ich hier die Sonnenstrahlen.“ Weshalb sie noch etwas unbedingt braucht, um sich in einer Wohnung wohlzufühlen: „Eine Badewanne, weil die Winter hier so kalt und lang sind.“

Doris Barbier

Zum Ort, zur Person:
► Das Viertel um die Franziskanerkirche im ersten Wiener Bezirk gilt als eher gemütliches Grätzel. Gebrauchte Eigentumswohnungen kosten in der Innenstadt zwischen 3050 Euro/m2 (mäßige Lage) und 7724 Euro/m2 (sehr gute Lage). Mietwohnungen liegen zwischen 10,3 und 17,9 Euro/m2.
► Designerin Megumi Ito wuchs in der antiken Stadt Kamakura in Japan auf. Sie studierte Textil und Modedesign an der Universität für angewandte Kunst in Wien.

Doris Barbier
Kommentar zu Artikel:

Wohnen in einem typischen Wiener Pawlatschenhaus

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.