Wien: Gemeindebau reloaded

Mit dem Favoritner Barbara-Prammer-Hof wird heuer der erste „Gemeindebau Neu“ bezugsfertig. Bis 2020 sollen 4000 Gemeindewohnungen auf Schiene sein. Einige Beispiele.

Der "Cuuube"-Gemeindebau in der Berresgasse.
Der "Cuuube"-Gemeindebau in der Berresgasse.
Der "Cuuube"-Gemeindebau in der Berresgasse. – Linsberger

Im Herbst werden die ersten Mieter in den Barbara-Prammer-Hof in der Fontanastraße einziehen. Die Anlage übernimmt dabei eine Vorreiterrolle, ist sie doch der erste sogenannte Gemeindebau Neu. „Das Projekt baut auf den Grundsätzen des Wiener Gemeindebaus der Zwischenkriegszeit auf und führt diesen mit drei neuen Elementen fort“, erklärt Architekt Sascha Bradic von NMPB Architekten. Neben anpassbaren und kompakten Grundrissen gehören dazu begrünte Innenhöfe und private Freiflächen wie Balkone und Gemeinschaftsflächen. „Drittes Element ist die unverwechselbare, angemessene Gestaltung mit den Ausdrucksmitteln der Gegenwart“, so Bradic. „Das ergibt in Summe hohe Wohnqualität zu angemessenen Preisen.“


Das Konzept gilt grundsätzlich für alle Gemeindebauten Neu, die an die Wiener Erfolgsgeschichte des Gemeindebaus anknüpfen und – jedenfalls ein wenig – Entspannung auf dem Wiener Wohnungsmarkt bringen sollen, wie Karin Ramser, Direktorin von Wiener Wohnen, ergänzt. Begonnen mit dem Metzleinstaler Hof 1924, endete die Bau-Ära dieser Sozialwohnungen 2004, ab 2008 wurden Gemeindebauten vermehrt saniert.


► Barbara-Prammer-Hof: Diese neue Anlage in Favoriten mit 120 Ein- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen besteht aus drei Baukörpern mit vier, fünf und neun Geschoßen, die auch den Rahmen für drei begrünte Innenhöfe bilden. Neben einem Gemeinschaftsraum entsteht auch eine Terrasse mit Gemeinschaftsgarten. Die nahe U1-Station Oberlaa sowie 78 Stellplätze in der angrenzend entstehenden Sammelgarage sollen die Mobilität der zukünftigen Bewohner sichern.

► „Am Seebogen“: Eine Sammelgarage ist auch beim Gemeindebau Neu in der Seestadt Aspern geplant. Im Quartier „Am Seebogen“ entstehen nach Plänen von Querkraft Architekten bis Herbst 2021 auf acht Geschoßen 75 Gemeindewohnungen zwischen 35 und 70 m2. Insgesamt werden im neuen Stadtteil „Am Seebogen“ rund 3000 geförderte Wohnungen, Geschäfte, Lokale, Freiraum und zahlreiche Gemeinschafts- und Mobilitätsangebote entstehen.

► Berresgasse: Die Arbeiten am „Cuuube“-Gemeindebau in der Berresgasse 2 in der Donaustadt beginnen diesen Herbst: Insgesamt 229 Wohnungen werden hier nach Plänen von Architektin Nerma Linsberger in drei quadratischen Bauteilen entstehen. Tiefgarage, mehrere Spielplätze – etwa mit Wasser- und Sandmatsch –, begrünte Gemeinschaftsterrassen zum Garteln, Balkone und Loggien komplettieren die Anlage. Besonderes Highlight in manchen Wohnungen: ein natürlich belichtetes Bad mit Ausgang auf die Loggia. Im Stiegenhaus sorgen Oberlichten sowie der alle Geschoße umfassende Lichtbrunnen für Sicht. Die klar strukturierten Wohnungen – circa die Hälfte wird als Zwei-Zimmer-Wohnungen mit rund 55 m2 realisiert – sollen größtmögliche Flexibilität bei sich ändernden Lebensverhältnissen bieten.

► Wolfganggasse: Auch auf dem Areal der Wiener Lokalbahnen in der Wolfganggasse in Meidling wird ein neuer Stadtteil mit rund 850 geförderten Wohnungen entstehen, davon 105 Gemeindewohnungen Neu. Die von Peretti + Peretti geplanten Wohnungen sind mit Balkonen oder Loggien ausgestattet. Eine begrünte Gemeinschaftsdachterrasse mit Hochbeeten lädt zum Garteln ein.

Gemeindebau Neu

Hintergrund. Die neu errichteten Gemeindebauten stehen im Eigentum der Wigeba – Wiener Gemeindewohnungs-Baugesellschaft und damit im Eigentum der Stadt Wien. An der Wigeba sind zu 51 Prozent die in der Verwaltung von Wien Holding stehende Gesiba (Gemeinnützige Siedlungs- und Bau AG) und zu 49 Prozent Wiener Wohnen beteiligt.

Kosten. Mieter der Gemeindewohnungen Neu müssen weder Eigenmittel noch Kaution erlegen, die Wohnungen werden ohne Befristung vermietet. Die Bruttomiete beträgt 7,50 Euro pro Quadratmeter. Der Schlüssel zu einer Gemeindewohnung ist das Wiener Wohn-Ticket, das den früheren Vormerkschein ersetzt hat. Beantragt wird es bei der Wohnberatung Wien.

Kriterien. Ein Mindestalter von 17 Jahren, ein seit zwei Jahren aufrechter Hauptwohnsitz in Wien, eine österreichische Staatsbürgerschaft (oder eine gleichgestellte) sowie ein Einkommen unter der Höchstgrenze müssen vorliegen, ebenso Wohnbedarf, etwa durch Überbelag oder Altersgründe.

Nähere Infos: www.wohnberatung-wien.at/wohnberatung/gemeindewohnungen

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