Gärtnern auf Balkonien

Obst und Gemüse kann man auch auf Balkon und Terrasse ernten? Natürlich – wenn man die richtigen Sorten kennt, damit die Nachbarn nicht belästigt und es in Sachen Quantität nicht übertreibt.

Tomaten und Kräuter auf dem Balkon.
Tomaten und Kräuter auf dem Balkon.
Tomaten und Kräuter auf dem Balkon. – (c) Getty Images/iStockphoto (simonidadjordjevic)

Gemüse und Früchte, die man selbst gepflanzt, gepflegt und geerntet hat – dazu muss man nicht auf dem Land leben. Selbst in Großstädten lässt sich das auf Balkonen und Terrassen verwirklichen. Ein Trend, dem immer mehr Menschen folgen. „Die Städte zu begrünen wird immer mehr zum Thema“, weiß Mara Müller von der Arche Noah. Nicht nur, weil eigenes Gemüse dem zunehmenden Bedürfnis nach Regionalität entgegenkomme. „Man trägt damit auch zu einem angenehmeren Stadtklima bei“, sagt Müller.


Grundsätzlich könne jeder Balkon oder jede Terrasse in einen Topfgarten verwandelt werden. Vorausgesetzt, man wählt die passenden Kulturen. „Ist der Balkon sonnig, steht die ganze Bandbreite zur Verfügung – von Chili über Paprika, Paradeiser, Salaten bis zu Melanzani, Ribiseln oder Erdbeeren“, sagt Müller. Auch mediterrane Kräuter schätzen einen Platz an der Sonne und fühlen sich in Töpfen wohl. Je schattiger der Balkon, desto sorgfältiger müssen hingegen die Kulturen gewählt werden. „Man kann dort beispielsweise Schnittlauch und Basilikum pflanzen“, ergänzt Katja Batakovic von der Garten Tulln. Für Obst sind diese Lagen jedoch meist weniger geeignet. „Aroma und Süße sind auf schattigen Balkonen weniger ausgeprägt“, sagt sie. Wer Äpfel, Birnen und Co. auf Balkon und Terrasse ernten will, dem legen beide übrigens Säulenobst oder kleinwüchsige Züchtungen ans Herz. Bei Paradeisern sollten Stadtgärtner ebenfalls eher zu buschig und niedrig wachsenden Sorten greifen. „Sie können besser in Töpfen gezogen werden als jene, die zu riesigen Stauden werden“, sagt Müller. Und Batakovic ergänzt: „Alles, was klein ist, hat mehr Freude auf dem Balkon.“


Traglast checken


Hat man die Wahl getroffen, gilt es, noch andere Faktoren zu berücksichtigen. „Das Wichtigste sind ausreichend große Töpfe und damit entsprechendes Erdvolumen“, erklären die beiden Expertinnen. Je größer die Pflanzgefäße – von Blumentöpfen über Balkonkästen bis zu eigens für den Balkon designeten Hochbeeten –, desto eher könnten und Temperaturunterschiede ausgeglichen und Wasser gespeichert werden. „Bei Mangold und Karotten sowie Ribiseln und Himbeeren sollte man zu mindestens 20 Liter fassenden Gefäßen greifen“, rät Batakovic. Zumindest Fünf-Liter-Töpfe sollten es bei Paradeisern sein. Beide Expertinnen geben in diesem Zusammenhang eines zu bedenken: nämlich auf die Traglast des Balkons zu achten. Denn Pflanzgefäße und Erde bringen schon allein ordentlich Gewicht auf die Waage. Wird dann noch gegossen, kommen noch ein paar Kilo dazu. „Man sollte bei der Hausverwaltung unbedingt nach der Traglast von Balkon und Terrasse fragen“, so die beiden. Um Gewicht zu reduzieren, können beispielsweise Blähtonkügelchen auf den Boden des Pflanzgefäßes gegeben werden. Sie verbessern darüber hinaus die Fähigkeit, Wasser zu speichern.


Tropfen vermeiden


Apropos Wasser: Beim Gießen der Pflanzen sollte man Übertöpfe oder Untersetzer verwenden, damit überlaufendes Gießwasser nicht auf den Balkon des im Stock darunter wohnenden Nachbarn tropft. Denn dieser muss das Überlaufen von Gießwasser keineswegs tolerieren.
Für gesunde Pflanzen und eine reiche Ernte müssen Topfgärtner weiters auf eine gute Nährstoffversorgung achten. „Bei Gemüse geht der Nährstoffvorrat bald zur Neige, man muss die ganze Saison regelmäßig nachdüngen“, rät Batakovic. Humus und organischer Dünger sind daher auch im Stadtgärtnerhaushalt unverzichtbar. Und kann mithilfe einer Wurmkiste sogar da erzeugt werden. „In der Kiste, die man in die Wohnung stellen kann, wandeln Kompostwürmer den anfallenden Biomüll in Humus und Dünger um“, beschreibt Müller. Ohne Schmutz und Geruchsentwicklung sei somit auch in einer Wohnung eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft möglich. Wer Regenwürmer lieber nicht als direkte Mitbewohner haben möchte, dem legt Batakovic eine Humusbox ans Herz.

 

Möglichkeiten nutzen


Und noch etwas sollten Topfgärtner nicht vergessen: nämlich, die Erde mit einer Mulchschicht abzudecken. Sie kann beispielsweise aus Hanf, Flachs oder auch Schafwollflies bestehen und sorgt ebenfalls dafür, dass die Pflanze nicht so rasch austrocknet. „Man kann aber auch für anderen Bodenbewuchs sorgen“, sagt Müller. Paradeiser würden – wie danach auf dem Teller – beispielsweise die Gesellschaft von Basilikum schätzen. „Und beides schmeckt auch besser“, weiß Müller. Monatserdbeeren wiederum können mit Schnittlauch kombiniert werden. „Auf Balkonen geht viel mehr als meist gedacht“, sagt Müller.

Dos & Don'ts

Kein Balkon ist zu klein, um nicht in einen Minigarten verwandelt zu werden. Vorausgesetzt, er ist stabil genug, um Töpfe samt Erde, Pflanzen und Gießwasser – in Summe kann das ganz schön schwer werden – zu tragen. Und apropos Gießwasser: Es darf die Nachbarn nicht belästigen.

Gut zu wissen: Pflanzen, die in Töpfen oder Balkonkästen wachsen, sind in der Regel auch anfälliger für Schädlinge und Krankheiten. Falsches Gießen, zu wenig Nährstoffe und andere Pflegefehler machen der Pflanze Stress und schwächen sie. Daher am besten Sorten auswählen, die robust sind.

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