Wohngeschichte

Salzburg, Nonnberg: Freiraum für die Kunst

Die Künstlerin und ehemalige Kamerafrau Ulli Halmschlager wohnt seit 1996 unterhalb des Festungsberges in Salzburg – und nutzt eine Halle in Hallein als Atelier.

Ulrike Halmschlager im Atelier.
Ulrike Halmschlager im Atelier.
Ulrike Halmschlager im Atelier. – (c) Margit Winkler

Hübsch ist es hier, durchaus: Die Straßen ringsum heißen nach Ludwig van Beethoven, Franz Gruber oder Anton Bruckner, in der Nähe befinden sich der Leopoldskroner Weiher, der Almkanal und die Hellbrunner Allee. „Die Innenstadt ist fußläufig gut zu erreichen, meistens fahre ich mit dem Fahrrad durch ein kleines Stück des Donnenberg-Parks und schon bin ich im Zentrum,“ erzählt Ulli Halmschlager. „Durch die Tätigkeit für den ORF lag die Wohnung günstig: das Landesstudio Salzburg ist eine Auto-Fahrminute entfernt.“
Die 1996 erworbene Wohnung misst 68 m2, dazu kommen ein Ostbalkon und ein Kellerabteil. Die Lage: Ost-West. „Meine Vorgänger hatten schon eine Wand entfernt und einen 30-m2-Raum geschaffen, der mir sofort gefallen hat.“ Alles weitere baute sie selbst um: „Es war eng, die verwendeten Baumaterialien waren ziemlich schlecht. So hab ich mit Hilfe eines Kredits die Wohnung komplett saniert.“ Und mit Hilfe des Architekts Gerhard Koppe sowie einigen Handwerkern.


Marmor vom Untersberg


Die Küchenwand wurde entfernt – so entstand ein Raum in L-Form mit Küche, Ess- und Arbeitsbereich, im Vorraum fand ein Einbaukasten Platz. „Da ich alleine wohne, will ich mit meinen Gästen in Kontakt bleiben, auch während des Kochens.“ Gekocht wird ausschließlich mit Gas „geht schnell und ist effizient“, die Grillfläche mit Lavasteinen fungiert als Brottoaster.
Die Toilette wurde versetzt und das durch eine Wandentfernung größer. Die elektrischen Leitungen wurden erneuert, eine Gasetagenheizung eingebaut, der 1960iger-Jahre Parkett gegen einen Fischgrät-Eichen-Parkett ausgetauscht. Dazu kam eine Fußbodenheizung im Bad.

Wohngeschichte: Nonntal


Ihre Inspiration? „Der Architekt Roland Rainer fasziniert mich in seiner Schlichtheit zu bauen und ist ein Vorbild bezüglich seiner Einstellung zu Baumaterialen – Regionales zu nehmen. Mir war klar, ich will Untersberger Marmor in Küche, Bad und Toilette.“ Nun sind Waschbecken und Arbeitsplatte in der Küche aus Untersberger Regenbogenforellen Marmor.
Und im Bad? „Bei einem Besuch im Steinbruch fand ich nach einem Regenguss genau den perfekten Marmorblock. Die daraus geschnittenen, drei Zentimeter dicken Platten zieren jetzt meine Badezimmerwände, ein Teil kleidet die Toilette aus, der Rest fand Platz als Platte auf dem Schuhkasten im Vorzimmer.“ Die Farbtöne wechseln von gelb, grün bis ocker.


Farben und Einfallswinkel


Die Regale für die Musik-CDs wurden von einem Tischler angefertigt, in zinnoberrot lackiert, passend zum türkischen Teppich. Die Farbe der Küchenkästen ist graubraun und soll mit dem Eichenparkett harmonieren. Nur ein Relikt aus vergangenen Tagen hat überlebt: Ein großer eingebauter Bücherkasten im Stil der 70iger – er war Bestandteil der alten Wohnung.
Einer ihrer Lieblingsplätze ist am Computer, wo sie hauptsächlich ihre Fotos bearbeitet. Am Balkon schützen Pflanzen vor neugierigen Blicken – und ist vor allem an heißen Sommerabenden ein begehrtes Plätzchen.
„Generell fühle ich mich sehr wohl in meinen Wänden. Schön wäre aber ein abgetrennter Raum für Gäste“, erzählt Halmschlager von den kleinen Nachteilen.

Auch die Mittagssonne vermisst sie zeitweise. „Ein durchgehendes Tageslicht und der perfekte Sonnen-Einstrahlungswinkel sind für mich das Schönste beim Wohnen.“ Ob sie vielleicht doch noch irgendwann umzieht? „Wer weiß? Ich dachte immer, mit 50 Jahren höre ich mit der Kamera auf und mache etwas anderes. Seit drei Jahren arbeite ich nur noch wie ich will, die Kamera und sämtliches Equipment ist verkauft. Also möglich wäre es schon.“


Experimente in der Kunsthalle


Bis es, vielleicht, soweit sein sollte, nutzt sie eine alte Fabrikshalle in Hallein, die in einiger Zeit abgerissen werden soll. „Darin kann ich mich verwirklichen und alles was ich in meiner Wohnung nicht machen konnte, umsetzen: Großzügiges Ausbreiten und an den Wänden gestalten, meine Bilder aufhängen und mit nötigem Abstand betrachten, mit Öl auf großer Leinwand malen, auch Fotografieren mit fantastischen Lichtverhältnissen, denn das Licht kommt durch ein langes Glasdach in den Raum.“
Die Bank und verschiedene Sitzmöglichkeiten dienen dazu, unterschiedliche Positionen einzunehmen. „Ich übe mich in der Langsamkeit und im Erkennen was noch zu tun ist. Meine künstlerische Ader lebe ich aus in der Fotografie, gestalte Stoffmuster und lasse Stoffe bedrucken.“ Die gemusterten Stoffe werden von Schneiderinnen zu Kleidern genäht. „Wer weiß wie es weiter geht, ich freue mich auf's Unbekannte.“

Zum Ort, zur Person

Der Salzburger Stadtteil Nonntal liegt, sehr zentral, südlich der Altstadt unter dem Festungsberg und ist eine beliebte Wohngegend. Gebrauchte Eigentumswohnungen kosten in Salzburg zwischen 1807,1 und 4127,6 Euro/m2.
Ulrike Halmschlager war bis 2016
selbstständige Kamerafrau für ORF und ATV. 2010 veröffentlichte sie den Film „Ilse wo bist du?“ zum Thema Alzheimer. www.ulrikehalmschlager.at

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