Spielplatz im Garten

Haus, Garten, Familie – immer mehr Jungfamilien packen die Gelegenheit beim Schopf und verwandeln den eigenen Garten in einen Kinderspielplatz. Was dabei möglich – und was zu beachten ist.

Sandkiste mit Rutschbahn und Kräuterhang.
Sandkiste mit Rutschbahn und Kräuterhang.
Sandkiste mit Rutschbahn und Kräuterhang. – www.gartenplanung-fedl.at

Rutschen, Schaukeln, Sandkisten: Den Trend zum eigenen Spielplatz kennen auch die Baumärkte und stocken ihr Sortiment jährlich auf. Fachhändler bieten Modulsysteme an, bei denen Schaukeln, Klettertürme, Rutschen und andere Geräte individuell kombiniert werden können. Wer handwerklich geschickt ist, legt selbst Hand an.

„Wichtig ist, dass die Geräte stabil genug sind. Handwerklich weniger begabte Gartenbesitzer sollten dagegen lieber zu handelsüblichen Spielgeräten greifen“, sagen die Gartenarchitekten Agnes und Nikolaus Fedl aus Fernitz-Mellach in der Steiermark. „Eine Sandkiste mit verspielter Einfassung, ein kleines Spielhaus, ein Weidentipi, ein Freiluftduschplatz oder eine überschirmte Sitznische können zum Sommerprojekt für die Familie werden.“


Weniger ist mehr


Erste Regel bei der Gartenplanung für Jungfamilien ist, eine genügend große Bewegungsfläche zu sichern. „Diese Fläche sollte gar nicht überall eben sein. Neben dem Ballspielplatz kann die Rasenfläche auch einmal ansteigen. Kinder lieben es, sich abzurollen, herunterzupurzeln oder mit dem Schlitten herunterzurutschen“, sagt das Gartenarchitekten-Duo. Steilere Böschungen ließen sich durch Stufen und eine Rutsche als Spielfläche nützen. „Eine luftige Verbindung wäre eine Hängebrücke zwischen Böschungsoberkante und einem Stelzenhaus mit einem Podest.“
In jedem Fall muss man darauf achten, dass um die aufgestellten Spielgeräte genügend Platz zum Herumtoben und Herumlaufen bleibt. „Für die Spielgeräte gilt oft: Weniger ist mehr“, sagt Agnes Fedl, betont aber gleichzeitig, dass für einen eigenen privaten Spielplatz nicht automatisch eine riesige Gartenfläche notwendig ist. „Jeder Platz in jeder Größe kann ein Spielplatz werden.“ Es sei eine Frage der Intention, wie und in welcher Intensität man die zur Verfügung stehende Fläche nützen will. Die Garten- und Landschaftsplaner haben zahlreiche Tipps auf Lager. „Ein Baum- oder Stelzenhaus kann die Spielfläche vertikal erweitern und eine Mehrfachnutzung ermöglichen“, so zum Beispiel ein Ratschlag von Nikolaus Fedl. Der Kreativität sollten keine Grenzen gesetzt werden. „Auch eine Sandkiste muss nicht immer rechteckig sein und kann zum Beispiel auch als Fallschutz für eine kleine Rutsche genutzt werden.“


Kreative Umsetzung


Kreativ sein, das ist auch der Tipp von Günter Weiskopf vom Büro für Spielräume aus Lustenau. „Lösen Sie sich vom Erwachsenen-Spielplatz-Denken und werden Sie ,ver-rückt‘, also spielerisch offen. Erwachsene definieren Spiel oft nur über Spielplatz und vergessen dabei, wie und wo sie selbst gespielt haben.“ Der gelernte Sozialarbeiter kennt Untersuchungen, wonach Kinder übliche Spielgeräte nur rund zwölf Minuten lang bespielen, danach versinken sie im Spiel dort, wo sie selbst gestalten und kreativ sein können.

Seiner Meinung nach bedarf es Räume und Strukturen, die Veränderungen zulassen und Eigeninitiative fördern. „Ein Spielplatz ist immer eine Krücke, ein Behelf, um ein Spielangebot für Kinder zu schaffen. Daher sollten wir uns anstrengen, diese Krücke so zu entwickeln und zu gestalten, dass sie möglichst gut funktioniert und den Kindern ein hohes Maß an Spielintensität ermöglicht.“ Weiskopf gestaltet in Vorarlberg auch Leitfäden für mehr Sicherheit auf Spielplätzen.


Sichere Ausrüstung


Unfälle passieren vor allem aufgrund von fehlendem Fallschutz, zu geringen Sicherheitsabständen, fehlender Wartung und Instandhaltung sowie nicht normgerechter Spielgeräte. Normen, die für den öffentlichen Bereich verbindlich sind, müssen auf dem privaten Spielplatz nicht eingehalten werden. Für den privaten Bereich angebotene Spielgeräte weisen zwar teilweise Prüfplaketten auf, dabei handelt es sich aber nur um die Prüfung einer Norm für Spielzeug, die nichts über die Gebrauchssicherheit aussagt. Wer es sich leisten kann und qualitativ nur das Beste will, wendet sich an Spielgerätehersteller, die öffentliche Spielplätze ausrüsten, bei denen die Gerätenorm eingehalten werden muss. Zum Beispiel das Unternehmen Freispiel aus Wien, Mitbegründer des Spielplatzverbands Austria, der die Richtlinien ganz genau regelt.


„Kinder aus Sicherheitsgründen beim Spielen in ihrem Bewegungsdrang einzuschränken, wäre der falsche Weg“, sagt Ilona Schöppl, Leiterin des Bereichs Haushalts-, Freizeit- und Sportsicherheit im Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV). Dennoch sollten Spielplätze so gestaltet und ausgestattet werden, dass das Verletzungsrisiko auf ein Minimum reduziert wird und einige grundlegende Aspekte beachtet werden. Der Geräteuntergrund sollte also mit dämpfendem Material, wie Gras, Sand oder Rindenmulch, ausgestattet sein. Und: Der Spielplatzbereich sollte klar von der Straße abgegrenzt und frei von giftigen Pflanzen sein.

Tipps für den Gartenspielplatz


Sonne und Schatten. Erste Grundregel: Nicht zu viele Geräte zu nah beieinander aufstellen. Gleichzeitig sollte man bei der Platzierung auch auf die Besonnung achten und temporäre Beschattung sichern. Neben Sonnensegel und -schirm auf Baumschatten setzen! Da die Geräte nach dem Regen bald wieder bespielbar sein sollten, sollten sie gut trocknen können.

Optimale Platznutzung. Am Fuße einer Böschung könnte eine Sandfläche mit Sitzstufenreihe oder Sitzmauer eingefasst werden. Begehrt sind Spielecken mit „Naschmeile“: Beerenobst gibt Kraft für den Spieltag. Wenn man bereits bei der Geländemodellierung die Spielmöglichkeiten bedenkt, kann man den Platz besser nutzen und das Spiel auf eine „Abenteuer“-Qualität heben.

Für jedes Alter. Optimalerweise ist der Bereich für Kleinkinder in Hausnähe und von der Küche aus einsehbar. Die Großen können sich in ihre weiter weg liegenden „Verstecke“ zurückziehen, auf einer Slackline balancieren oder auf der Ballwiese toben. Dazwischen als Treffpunkt eine Bank unter einem Baum oder bei der Schaukel. Tipp: ein Schaukelkorb, in dem mehrere Kinder Platz haben.

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