Wohngeschichte: Haus mit Garten in Tulbing

Warum Schauspieler und Hobbygärtner Rainer Doppler so gern in Tulbing ist? Das Haus mit Garten und Vergangenheit ist ein Kommunikationsschnittpunkt der Generationen.

Rainer Doppler bei der Gartenarbeit.
Rainer Doppler bei der Gartenarbeit.
Rainer Doppler bei der Gartenarbeit. – Doris Barbier

Wenn er nicht gerade dreht oder auf der Bühne steht, zieht sich der Wiener Schauspieler Rainer Doppler gerne an den Tulbinger Kogel zurück – in Haus und Garten voller alter Bäume, Andenken und Erinnerungen. „Oft sitzen wir – ich, meine Frau und meine Tochter – am Abend zusammen und lauschen den Anekdoten, die mein fast 92-jähriger Vater zum Besten gibt“, erzählt Doppler. „Meine Eltern haben 1966 in Tulbing einen Grund vom Bauern Schultheiss gekauft. Und bis 1967 ein Haus mit 120 m2 Wohnfläche auf zwei Etagen gebaut.“ Ein Teil der unteren Etage ist in das abfallende Grundstück gegraben und bildet den Keller mit Heiz- und Lagerräumen. Eine offene Stiege führt ins Obergeschoß. „Als kurz vor Fertigstellung das Grundgerüst – ohne Trittstufen – vorhanden war, war es mir vierjährigem Knirps vorbehalten, einen eleganten Salto ins Untergeschoß zu vollführen, dessen Folgen mit dem sprichwörtlichen blauen Auge recht glimpflich waren“, erzählt Doppler.

Designlinie: Familienfundus


Die Familie versammelt sich meist im großzügigen Esswohnraum im ersten Stock, an den sich insgesamt fünf Schlafzimmer anschließen. „Grundsätzlich befindet sich das Haus fast im Zustand der Erstausstattung.“ 2008 wurde es thermisch isoliert, die Ölheizung auf Pelletsanlage umgestellt. Die Waschbetonterrasse wurde abgetragen, etwas vergrößert und mit Granitplatten verlegt. 2015 wurde im ersten Stock ein Eichenholzboden verlegt.
200 Meter oberhalb des Hauses, unmittelbar hinter den Weingärten, beginnt der Wiener Wald: Anlass für ausgiebige Spaziergänge, bei denen eifrig Bärlauch, Brombeeren oder Steinpilze gesammelt – und in der Küche eingekocht, getrocknet, püriert, eingemacht werden. „Und spätestens zu Weihnachten vertilgt oder verschenkt.“ Auch der Garten mit Feuerstelle, Walnussbaum und Blutbuche, in denen Generationen von Kindern geklettert sind, befindet sich teilweise noch im 1967 angelegten Zustand. Zudem gedeihen auf 150 m2 40 Paradeiserstauden unterschiedlichster Sorten und zahlreiches Gemüse wie Fisolen, Kartoffeln und Pastinaken, sogar Malabarspinat und Kardonen. „Eine Verwandte der Artischocke“, erklärt der Hobbygärtner. „Gedüngt wird mit selbst angesetzter Brennessel- und Beinwelljauche, die nur ausgebracht werden darf, wenn meine Frau bereits gegessen hat.“
Der Hauptwohnraum wird durch einen großen Raumteiler in zwei Bereiche gegliedert: Die dänische Essecke mit einer fixen Sitzbank, Tisch, Sessel und einer großen Anrichte, und ein Bücherregal, das Lesestoff für lange Sommerabende liefert. Vieles sind Relikte aus dem Familienfundus, die heute zum Haus gehören wie der Ziegelbau, die Kellerwände aus Betonschalsteinen und das relativ flache Satteldach. „Die Suppenschüssel sowie Teile weiteren Geschirrs stammen von meiner Urgroßtante Franziska Bergmann, die in Berlin als Gattin eines gutsituierten Cafetiers ein vergnügliches Gesellschaftsleben geführt hat, jedoch nach dessen jähem Ableben bestohlen und verarmt mit zwei Koffern Restutensilien nach Wien zurückkehrte“ erzählt der Schauspieler. „Und der ¾ Liter Krug von der Firma Ostmark-Keramik stammt noch aus den Kriegsjahren. Er dient bei uns einzig und allein als Maß für die Holler- und Himbeersirupproduktion.“
Die große Vase war ein Kauf seiner Mutter, die sich augenblicklich in sie verliebt hatte. Sie gehörte somit zu den ersten Dingen, die im Haus Einzug hielten. „Die Benutzung ist allerdings nur im Trockenbetrieb möglich, da sie seit jeher leckt“, erklärt der Hausherr.
Der Marmorcouchtisch aus Stahlrohr aus den frühen 1970-Jahren ist allerdings ein Duplikat: „Da meine Mutter seinerzeit den Lieferanten besorgt fragte, ob die knapp bemessene Aufhängung die Marmorplatte auch wirklich halten könne und er im tiefsten Brustton der Überzeugung meinte, man könne darauf tanzen, habe ich ihn noch am selben Abend – meine Eltern waren ausgegangen, um auf den neuen Tisch anzustoßen – prompt beim Wort genommen. Mit dem Resultat, dass der Tisch bei immer wilder werdender Tanzausführung schlussendlich doch nachgegeben hat und ich mitsamt der Platte durch den Rahmen und die Platte in ihre Bestandteile zerfiel.“

Zum Ort, zur Person

Tulbing ist seit 1996 eine Marktgemeinde im Bezirk Tulln/NÖ - und wurde bereits 1109 als „Tulpingun“ erwähnt. Bekannt ist die 1967 von Clemens Holzmeister erbaute Aussichtswarte am Tulbinger Kogel. Häuser kosten im Bezirk Tulln zwischen 964 und 2821,7 Euro/m2 , Baugrundstücke zwischen 54,5 und 401,9 Euro/m2.
Rainer Doppler ist als Schauspieler unter anderem am Landestheater NÖ, dem Theater der Jugend sowie als Sprecher und Sprechtechniktrainer tätig.

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