Architektur

Dachkonstruktionen: Neue Interpretationen, alte Vorlieben

Die gestalterischen Möglichkeiten bei Dachkonstruktionen sind vielfältig. Letztlich kommt es aber auf die Funktion an.

Form, Farbe und Material von Dachziegeln tragen wesentlich zum Charakter eines Hauses bei.
Form, Farbe und Material von Dachziegeln tragen wesentlich zum Charakter eines Hauses bei.
Form, Farbe und Material von Dachziegeln tragen wesentlich zum Charakter eines Hauses bei. – Sonos Architektur

Satteldach, Walmdach, Pultdach, Mansardendach oder Flachdach. Die Eindeckung mit Dachziegeln, Dachsteinen, Aluminium, Kupfer oder Zink – es gibt viele Möglichkeiten, das Hausdach individuell zu gestalten. Noch dazu, da örtliche Bauvorschriften im Gegensatz zu früher den gestalterischen Spielraum des Bauherrn kaum noch einengen. Dachte man einst, gleiche Dachformen in einer Siedlung würden zu einem ansprechenden Gesamtbild führen, setzt man heute fast überall auf Vielfalt.

Selbst bei der Sanierung älterer Häuser lässt sich mit etwas Kreativität Neues auf dem Dach schaffen, weiß Stefan Punz, Architekt bei Sonos Architektur im oberösterreichischen Königswiesen. Sein Büro baut für junge Auftraggeber öfters alte Bauernhöfe um. An sich müssten die Steildächer solcher Häuser erhalten werden. Punz geht einen anderen Weg: „Wir versuchen, das traditionelle Satteldach neu zu interpretieren, etwa indem wir auf den Dachvorsprung verzichten und die Grenze zwischen Dach und Fassade mit Aluminiumelementen auflösen.“ Solche außergewöhnlichen Lösungen überzeugten die Baubehörden bislang immer.

Für den oberösterreichischen Architekten ist das Dach mehr als ein rein gestalterisches Element. „Ein Dach muss so gebaut sein, dass man es auch nutzen kann“, lautet sein Credo. Daraus ergebe sich zwar nicht immer, aber sehr oft eine Präferenz für das Flachdach, erzählt er, „denn hier kann man die darunter liegenden Räume vollwertig verwenden“. Ganz flach sind solche Lösungen aber nur selten. „Wir nehmen quasi als Zitat gern eine leichte Neigung aus dem Satteldach auf.“ Bei Bedarf wird das Dach auch genützt, um Licht in die Innenräume zu bringen oder in begrünter Form den Garten zu erweitern. Resultat sind in allen Fällen Häuser mit eigenständiger Architektur und nutzbarem Obergeschoß. Bedenken wegen technischer Probleme, die Flachdächern oft nachgesagt werden, hat Punz nicht. Er setzt auf eine optimierte Konstruktion, bei der selbst eine Undichtheit keine Probleme bringen würde. Für winterliche Schneelasten müsse sowohl das Flach- als auch das Steildach ohnehin entsprechend der Normen konstruiert werden, meint er.

 

Steildach trotzt dem Wetter

Auf weniger Begeisterung stoßen Flachdächer bei Herstellern von Dachziegeln oder Dachflächenfenstern, deren Produkte bei dieser Konstruktion nicht benötigt werden. Mit der „Initiative Steildach“ wollen sie Bauherrn deshalb von den Vorteilen eines Sattel-, Walm- oder Pultdaches überzeugen. Entgegen kommt ihren Argumentationen der Klimawandel und die damit verbundene Zunahme extremer Wetterereignisse. Hier könne das Steildach punkten, argumentiert Reinhold Lindner, Sprecher dieser Initiative. So helfe die Dachneigung, selbst hohe Regenmengen schnell abzuleiten, starkem Wind halte sie ebenfalls besser stand: „Beim Steildach brechen die Windkräfte am First und die Sogkräfte auf der dem Wind abgewandten Seite sind somit nurmehr gering.“ Auch bei sommerlicher Hitze biete diese Konstruktion Vorteile, betont er. Ein hinterlüftetes Unterdach oder ein durchlüfteter Dachbodenraum trügen zu angenehmeren Raumtemperaturen bei.

In der Gunst der österreichischen Bauherrn liegt das traditionelle Steildach jedenfalls vorn. Das ergab zumindest eine vom Market-Institut im Auftrag der Initiative durchgeführte Umfrage. 87 Prozent der Österreicher setzen im Hausbau auf eine Steildachlösung, lediglich rund 14 Prozent auf ein Flachdach. Platz eins unter allen Dachvarianten nimmt dabei das klassische Satteldach mit zwei Dachflächen ein (45 Prozent). Bei Häuslbauern lässt sich eine klare Tendenz zum vierflächigen Walmdach erkennen (26 Prozent).

 

Ein „Kleid“ aus Aluminium

Neben den in verschiedenen Farben, Formaten und Formen erhältlichen Dachsteinen aus Beton und Dachziegeln werden für die Eindeckung auch Elemente aus Aluminium, Kupfer oder Stahlblech eingesetzt. Es gibt sie in klassischen Formen, aber ebenso in bis zu 15 Meter langen Bahnen. Abseits des Mainstreams eröffnen vor allem die Bahnen spannende Gestaltungsmöglichkeiten. Dach und Fassade lassen sich beispielsweise mit Aluminium durchgehend im selben Material und in derselben Farbe verkleiden. Aluminium biete außerdem den Vorteil, dass es besonders leicht sei, erläutert Leo Höld vom Hersteller Prefa: „Das Aluminium für einen Quadratmeter Dach wiegt 2,3 Kilogramm.“ Besonders zähle das bei schwer zugänglichen Baustellen wie etwa Schutzhütten in den Bergen. Dort komme zudem die hohe Beständigkeit des Materials gegen die Einflüsse von Wind, Regen, Schnee und Sonne zum Tragen. Ökologisch gebe es keine Bedenken: „Aluminium kann recycelt werden“, betont Höld.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2019)

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