Kleinstunternehmen: Raus aus dem Home-Office

Bürogemeinschaften und Business Center bieten sich je nach Bedarf als kostengünstige Alternative zum Büro im Eigenheim an.

Kleinstunternehmen Raus HomeOffice
Kleinstunternehmen Raus HomeOffice
(c) APA (SCHNEIDER Harald)

Ist man sein eigener Chef und hat genug von der Arbeit in den eigenen vier Wänden, gibt es für Start-up- und Einpersonenunternehmen preiswerte Möglichkeiten, um in einem repräsentativen Umfeld mit der nötigen Ausstattung tätig zu werden. Je nach Bedarf bietet sich eine Bürogemeinschaft oder ein serviciertes Büro in einem Business Center an. Anbieter beider Lösungen werben mit Rundum-sorglos-Paketen, doch die inkludierten Leistungen und das Umfeld unterscheiden sich maßgeblich.

Martina Gruber von der Plattform Raumdirekt.com, die sich auf die Vermittlung von Büroflächen für kleine Unternehmen spezialisiert hat, beziffert die durchschnittlichen Kosten in einer Bürogemeinschaft mit rund 300 Euro pro Monat für einen Arbeitsplatz mit guter Infrastruktur in guter Lage in Wien. Inkludiert sind meist der Internetzugang, die Reinigung und die Nutzung von Besprechungsräumen. „In entsprechend repräsentativer Lage steigen die Preise auf 450 bis 500 Euro, es gibt aber bei privat initiierten Bürogemeinschaften schon Plätze ab 150 bis 180 Euro“, so Gruber.

Bürogemeinschaften eignen sich vor allem für Selbstständige, die vom Austausch mit Kollegen profitieren wollen. Büros in Business Centers hingegen sind flexibler, geeignet für Unternehmen, die auf Wachstum ausgelegt sind, hohen Investitionsbedarf beispielsweise in der IT haben oder sich einzig auf den Geschäftszweck konzentrieren wollen, während andere Leistungen wie Buchhaltung und Sekretariat angemietet werden.

In der Bürogemeinschaft von Julian Wiehl in der Wiener Mariahilfer Straße gibt es einen Schreibtisch mit Regalfläche bereits ab 177 Euro pro Monat inklusive Reinigungskosten. Drucker und Kopierer können optional gemietet werden. „Man geht mit einer ganz anderen Energie an die Arbeit als daheim“, sagt der Filmemacher und Herausgeber und möchte nicht auf den persönlichen Charakter einer Bürogemeinschaft verzichten, „auch wenn dieser für internationale Businesskunden zu leger und zu wenig neutral wirken könnte.“

 

Von Kontakten und Bedürfnissen

Die Gemeinschaft hilft auch, nützliche Kontakte zu knüpfen. Wiehl selbst hat Programmierer und auch Kunden im eigenen Büro gefunden. „Man wird von anderen motiviert, bekommt viel mehr mit als in einer abgeschlossenen Büroeinheit und kann sich austauschen“, so Wiehl.

Die Stärke von Business Centers liegt darin, dass nicht nur die gemieteten Flächen, sondern auch optionale Serviceleistungen laufend auf die Bedürfnisse der Mieter angepasst werden können. „Wir bieten Leistungen an, bei denen ein Mieter normalerweise Bindungen eingehen oder Investitionen tätigen muss“, sagt Alexander Varendorff vom Serviced-Office-Anbieter Bena. Gemeint ist damit etwa neben dem Mobiliar die IT- und Kommunikationsinfrastruktur, Veranstaltungsflächen, aber auch das Marketing oder die Buchhaltung. Diese zusätzlichen Leistungen können den Preis in Business Centern in die Höhe treiben, jedoch können viele Leistungen, auch ganze Arbeitsplätze, auf Stunden- beziehungsweise Tagesbasis genutzt werden. „Bei zusätzlichen Leistungen bezahlt der Mieter, was er tatsächlich in Anspruch nimmt. Es handelt sich um All-inclusive-Preise, negative Überraschungen bei den Betriebskosten wie etwa Stromnachzahlungen am Jahresende gibt es nicht“, sagt Michael Graf vom Anbieter Your Office.

Basislösungen mit rund zehn Quadratmetern sind bei Bena ab 260 Euro pro Monat zu haben. In den Mingo-Büros der Wirtschaftsagentur Wien gibt es Arbeitsplätze in sogenannten Co-Working Spaces ab 290 Euro, Mingo-Einzelbüros sind je nach Standort ab 350 Euro zu haben. Arbeitsplätze in Bürogemeinschaften eignen sich besonders für Kreative und werden etwa auch von Konnex im Rochuspark oder der Schraubenfabrik angeboten. Bei Your Office, das speziell Firmen (etwa Kleinunternehmen, die global agieren) mit hohen Anforderungen an Lage, Außenauftritt, repräsentativen Standort und Rundum-Services ansprechen will, kostet ein eigenes Büro mit rund 15 Quadratmetern an die 650 Euro pro Monat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.12.2010)

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