Wien: Hotel im k.k. Telegrafenamt an der Börse?

Im Straflandesgericht soll das Dachgeschoß ausgebaut werden, das Krankenhaus Nord wurde in Floridsdorf vorgestellt. Damit die Öffentlichkeit die Bauarbeiten beobachten kann, wurde ein Infocenter eröffnet.

(c) FABRY Clemens

Wien. Neue Entwicklungen bei Wiener Bauprojekten: Das leer stehende Telegrafenamt beim Börseplatz ist verkauft worden und wird möglicherweise in ein Hotel umgewandelt. Das Straflandesgericht soll aufgestockt werden, in der neuen Etage (5. Stock) sollen neue Verhandlungssäle und Büros entstehen. Und Bewegung gibt es auch bei einem der größten Wiener Bauprojekte, dem Krankenhaus Wien Nord. Dort wurde jetzt mit dem Aushub begonnen. Zugleich wurde am Mittwoch das Info-Center präsentiert.

Postpalais, neue Nutzung. Anfang nächsten Jahres soll am Wiener Ring, im ehemaligen Palais Hansen neben der Börse, ein neues Luxushotel der Nobelkette Kempinski den Betrieb aufnehmen. Die Bauarbeiten laufen auf Hochtouren. Doch möglicherweise wird das Kempinski nicht das einzige Tophotel in dem sonst eher stillen Börseviertel sein. Denn in nächster Nähe, am Börseplatz 1, hat vor Kurzem ohne großes Getöse eine Immobilie den Besitzer gewechselt, die beste Voraussetzungen hat, ebenfalls ein Hotel der Spitzenklasse zu werden – die „K.K. Telegrafen Centrale“, das alte Post- und Telegrafenamt.

Das denkmalgeschützte Innenstadthaus wurde Ende vergangenen Jahres von der Grazer Investmentfirma Immovate gekauft. Die Zukunft des Hauses sei offen, sagte Geschäftsführer Alexander Petritz der „Presse“. Derzeit würden fünf, sechs Varianten geprüft – darunter sowohl der Ausbau von Apartments als auch von Büroflächen. Aber auch die Nutzung als Botschaft werde überlegt – immerhin liegt das neue Opec-Gebäude gleich daneben. Und dann gebe es natürlich die Variante Hotel. „Wir prüfen, wo es für den Stadtteil den größten Bedarf gibt. Entschieden wird aber erst in einigen Monaten“, sagt Petritz.

Das 1873 erbaute Haus wurde bis 1996 von der Post genutzt und hat noch einen Postturm am Dach. Dann hat Wlaschek-Schwiegersohn Thomas Hönigsberger das Gebäude gekauft und wollte daraus ein Hotel machen. Doch damals machte der Denkmalschutz Schwierigkeiten. 2006 wurde das Gebäude an eine Privatstiftung verkauft, hinter der unter anderem der kroatische Ex-General Vladimir Zagorec steht. (Dieser befindet sich seit 2009 in Kroatien wegen Amtsmissbrauchs in Haft.) Die Eigentümer präferierten jedenfalls erneut einen Hotelausbau.

Doch nichts geschah. Dann wurde aufgrund finanzieller Probleme das Gebäude an die Hypo-Alpe-Adria-Bank verpfändet, die das Telegrafenamt – und eine Immobilie auf der Hohen Warte – jetzt an Immovate veräußerte. In den letzten Jahren stand das Palais leer. Einige Jahre hat Paulus Manker in den Sälen in den oberen Etagen seine Alma aufgeführt, war dann aber aus Ärger über den Wiener Kulturstadtrat, der seine Produktion nicht subventionieren wollte, weggegangen. Bis zur endgültigen Entscheidung über die Zukunft der Immobilie sei der Regisseur durchaus eingeladen, wieder zu spielen.

In welche Richtung das Projekt auch geht, für das Börseviertel ist es gewiss eine Aufwertung. Schon der Bau des Luxushotels Kempinski strahle auf das Viertel aus, heißt es im Büro von Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel. So könnten sich künftig etwa mehr Lokale oder auch Geschäfte in dem sonst ruhigen Wohnviertel ansiedeln. Allzu große Umbrüche will man in dieser Gegend, die als lärmfreie Wohngegend geschätzt wird, ohnehin nicht.

Dazu gibt es andere Bereiche im Ersten: So wird derzeit nicht allzuweit entfernt vom Telegrafenamt Am Hof das Hotel Four Seasons gebaut und gleich anschließend an dieses Hotel soll ja – wie berichtet – um die Bognergasse herum eine glamouröse Einkaufsmeile entstehen.


Infocenter Krankenhaus Nord. Ein Immobilienprojekt der anderen Art wurde am Mittwoch in Floridsdorf vorgestellt. Auf dem ehemaligen ÖBB-Gelände an der Brünner Straße soll ja Wiens modernstes Krankenhaus entstehen – das Krankenhaus Nord. Auf dem Bauplatz wurden in den letzten Monaten die Vorbereitungen für eines der größten Bauvorhaben in Österreich getroffen. Am Mittwoch erfolgte der Spatenstich für den Aushub der Baugrube, im Sommer soll mit den tatsächlichen Bauarbeiten begonnen werden. 2015 soll das KH Nord in Teilbetrieb gehen.

Damit die Öffentlichkeit die Bauarbeiten beobachten kann wurde ein Infocenter eröffnet. Dort können Interessierte sich nicht nur in zwei Musterzimmern die Krankenhausbetten ansehen, sondern sich auch über den Baufortschritt informieren. Am Baufortschritt seien nicht nur Anrainer interessiert, sondern auch internationale Delegationen, sagte Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely zur APA.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2012)

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