Neuer Down-Syndrom-Test: Zank um Massen-Screening

Darf der Bluttest nur bei Schwangeren mit Risiko oder allgemein zum Einsatz kommen? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Das Gesundheitsministerium prüft.

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(c) AP (John Cross)

Wien/Uw. Sollen die neuen Bluttests bei Schwangeren, mit denen man feststellt, ob das Ungeborene das Down-Syndrom hat, bei jeder Patientin durchgeführt werden, die das will? Oder nur dann, wenn eine Indikation, sprich ein Risiko wie höheres Alter, vorliegt?

Darüber gehen die Meinungen auseinander. Peter Husslein, Leiter der AKH-Frauenheilkunde, ist dezidiert für ein (indikationsloses) Massen-Screening. Begründung: Auch für bisherige Tests wie das „First Trimester Screening“ (Ultraschall plus weitere Tests), die auch das Down-Syndrom-Risiko untersuchen, brauche es keine Indikation. Auf eine Indikation als Bedingung hingegen pochen Genetiker Markus Hengstschläger und Gerhard Aigner, Leiter der Rechtssektion im Gesundheitsministerium. Wobei Aigner zugibt: „Das Gentechnikgesetz gibt keine eindeutige Antwort.“ Derzeit prüfe man die Rechtslage. Tatsächlich, so Husslein, werde der deutsche Test, der in Österreich bald erhältlich sein wird, in den Spitälern ohnehin kaum verwendet werden. Das anfängliche Interesse wird einerseits von den Kosten (etwa 1300 Euro) gedämpft, die im Vergleich zum Nutzen – bloße Präzisierung der jetzigen Verfahren – zu hoch seien: „Die Patienten müssten es sich wohl selbst zahlen.“ Andererseits seien die Vertragsbedingungen wie die lange Bindungsfrist kritisch. Immerhin würden bald neue, bessere, billigere Tests (auch das AKH forscht) kommen.

Husslein ortet Handlungsbedarf: Weil jeder Gynäkologe den Test nach Deutschland schicken könne, drohe Missbrauch: „Mit der Angst der Leute lässt sich Geld machen.“ Zudem müsse das Ministerium schon jetzt über neue Bluttests etwa für schwere, monogenetische Erkrankungen nachdenken: „Das ist heikel, aber ich sehe keinen Grund, Massen-Screenings kategorisch zu verbieten.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2012)

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