Strasser-Protokoll: "Die Lotterien mussten viel zahlen"

Es liegen Protokolle aus Gesprächen des EU-Abgeordneten mit als Lobbyisten getarnten britischen Journalisten vor. Die Gespräche gibt Strasser zu.

KORRUPTIONS-U-AUSSCHUSS: STRASSER
KORRUPTIONS-U-AUSSCHUSS: STRASSER
APA/HELMUT FOHRINGER

In der Lobbying-Affäre um den früheren ÖVP-Europaabgeordneten Ernst Strasser sind neue Details aufgetaucht. Dem "Kurier" liegen Protokolle der Gespräche vor, die als Lobbyisten getarnte, britische Journalisten mit Strasser Ende 2010/Anfang 2011 geführt haben. Strasser erzählt laut diesen Protokollen den Journalisten über seine Kunden und u.a. von Geldflüssen von den Lotterien: "Die Lotterien, die zahlen mehr, die zahlen mehr (...) Sie haben viel Geld, es war gutes Geld, und ich glaube, wir haben gute Arbeit geleistet. Sie mussten viel zahlen." Für Ernst Strasser gilt die Unschuldsvermutung.

Auch über seine Aktivitäten für die Tabakindustrie wird Strasser zitiert: "Also gestern bat mich jemand um Hilfe, das Problem in der Tabakindustrie zu lösen (...) es gibt ein paar Ideen, dass jede Zigarettenschachtel nur mit dem Weiß verkauft werden soll."

Golf in Portugal oder Tennis in Wimbledon

Was den Umgang mit EU-Kommissaren betrifft, empfiehlt er den vermeintlichen Lobbyisten: "Sie führen den Verantwortlichen in der Kommission für ein Wochenende nach Portugal (...) Ja, mit ihm Golf spielen oder was auch immer, ja, laden Sie ihn nach Wimbledon ein." Weiters verrät Strasser den getarnten Journalisten: "Die meisten Parlamentarier sind so faul wie ich, die ganze Arbeit machen die Mitarbeiter, ja." Manchmal verrate er, wer sein Klient sei, manchmal nicht, manchmal wisse er nicht einmal, für wen er da zu lobbyieren versuche, wird Strasser in den Protokollen zitiert.

Seine Rückkehr in die Politik erklärt der Ex-Innenminister damit, dass ihn sein Parteiführer (Josef Pröll, Anm.) gebeten habe, Spitzenkandidat der ÖVP für den Wahlkampf zu werden. Und Gott sei Dank wurde der Wahlkampf gewonnen. Und jetzt sei er hier. Es sei ein Versehen, wenn man so will, führte Strasser weiter aus. Und für ihn sei es natürlich wunderbar, weil er seinem Parteivorsitzenden gesagt habe, dass er das jetzt mache, aber nach fünf Jahren oder so wolle er zur Gänze seine Firma führen.

Strasser gibt Gespräche zu

Nach seiner Zeit als Innenminister habe er EU-Kommissar werden wollen, aber das habe nicht funktioniert, weil EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso eine Frau aus Österreich gewollt habe. "Also habe ich beschlossen, aus der Politik rauszugehen, und ich bin in eine Investmentbank gegangen, um Erfahrungen zu sammeln", so Strasser.

Strasser bestreitet den Verdacht der Korruption. Er behauptet die Gespräche mit den Briten geführt zu haben, weil er gewusst habe, dass diese Personen nicht diejenigen sind, für die sie sich ausgeben und er die Hintermänner aufdecken habe wollen. Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen des Verdachts der Bestechlichkeit; es wird in Kürze bekanntgegeben werden, ob Anklage erhoben wird.

(APA)

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