Experten: "Stronach kann Einzug in Nationalrat schaffen"

Mit seiner Haltung - "raus aus dem Euro" - könnte Frank Stronach vor allem FPÖ und BZÖ Konkurrenz machen. Mit einem "Kernthema" könnte er seinen gewissen "Peinlichkeitsfaktor" ausmerzen.

Politologen Stronach sehen gute
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Politologen Stronach sehen gute
Der Industrielle Frank Stronach – (c) REUTERS (STRINGER/AUSTRIA)

Der Industrielle Frank Stronach kündigte im Interview mit der "Presse am Sonntag" an, er werde Spitzenkandidat seiner Partei bei der kommenden Nationalratswahl und wolle mehr als zehn Prozent erreichen. Ein Ziel, das laut Meinungsforscher Peter Hajek und Politologe Thomas Hofer nicht ausgeschlossen ist. Mit seinen Positionen "raus aus dem Euro, rein in den Schilling" und die "EU ist böse" würde Stronach vor allem der FPÖ und dem BZÖ schaden, sagte Hofer am Montag - die ÖVP wäre weniger betroffen. Die SPÖ und die Grünen können einem Antreten Stronachs gelassen entgegensehen, auch mit den Piraten gebe es wenig Schnittmenge, meinte Hajek.

Hinsichtlich der Nichtwähler waren sich die Politologen nicht einig. Personen, die schon zwei oder drei Mal nicht zur Urne gegangen sind, würden nur bei echten Richtungsentscheidungen dorthin zurückkehren, so Hajek. "Dass Stronach und die Piraten eine große Hebung der Wahlbeteiligung bewirken, glaube ich nicht." Hofer betonte dagegen, der Austrokanadier hätte prinzipiell ein "sehr großes Potenzial". Es sei jetzt aber noch schwer zu sagen, wie viel davon er abschöpfen könne.

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Mit dem von Stronach angekündigten Wahlkampfbudget von über 20 Millionen Euro sei ein Einzug in den Nationalrat jedenfalls schaffbar. 

Schwachpunkt: "Peinlichkeitsfaktor"

Als Schwachpunkte des Industriellen nannte Hofer seine teils "extremen Positionen" und seine Steuerveranlagung - Stronach soll den Großteil seines Vermögens steuerschonend im Schweizerischen Zug veranlagt haben. Zudem habe er den Nachteil, als Nicht-Parlamentspartei an den großen TV-Diskussionen nicht teilnehmen zu können. Angesichts seiner bisherigen TV-Auftritte könnte das aber auch ein Vorteil sein, so Hofer. Denn ein gewisser "Peinlichkeitsfaktor" sei gegeben. Für Hajek liegt die Hauptschwäche Stronachs in seinen sehr allgemein gehaltenen Positionen: "Er braucht ein Kernthema, mit dem er sich klar und deutlich von den Mitbewerbern abhebt, sonst ist er austauschbar."

Einig sind sich die Experten darüber, dass ein Einzug Stronachs in den Nationalrat die Koalitionsbildung erschweren würde. Zudem sei es der Magna-Gründer gewohnt, Dinge selbst zu entscheiden und das könnte zu Kommunikationsschwierigkeiten in einer etwaigen Regierung führen, so Hajek. Sollte Stronach den Sprung schaffen, werde die Wahrscheinlichkeit für eine Dreier-Koalition größer. Wenn er dabei das BZÖ nicht rauskippt, sondern dieses die Vier-Prozent-Hürde erneut schafft, "wird eine Dreier-Koalition fast unausweichlich", meinte Hofer.

"Strohfeuer": FPÖ und BZÖ orten keine Gefahr

Trotz der Prognosen der Politologen ortete die FPÖ am Montag keine Gefährdung der eigenen Wahlchancen. Generalsekretär Herbert Kickl verweist darauf, dass neuen Gruppierungen regelmäßig "überdimensionale Erfolgspotenziale für Wahlen" vorausgesagt würden. Jedenfalls hätten die Freiheitlichen einen "langen Atem", während sich Stronachs Engagement rasch als "Strohfeuer" entpuppen könne: "Bei Frank Stronach weiß man ja nicht, ob das in zwei Monaten noch Gültigkeit hat."

Auch das BZÖ gab sich "gelassen". "Frank Stronach hat eine sehr gute Vergangenheit, das BZÖ eine sehr gute Zukunft", sagte ein Parteisprecher am Montag.

a: b

(APA)

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