Stronach will 30 Prozent und den Bundeskanzler stellen

Stronachs Partei überlegt ein Antreten bei der Kärntner Landtagswahl, nachdem fünf Gemeinderäte aus Spittal an der Drau zu ihm übergelaufen sind. Gespräche mit weiteren Nationalräten laufen.

Stronach trat in Spittal an der Drau vor die Presse.
Stronach trat in Spittal an der Drau vor die Presse.
Stronach trat in Spittal an der Drau vor die Presse. – (c) APA/GERT EGGENBERGER (GERT EGGENBERGER)

Der austro-kanadische Milliardär Frank Stronach möchte bei der nächsten Nationalratswahl mit seiner Partei 20 bis 30 Prozent der Stimmen erreichen. Das erklärte er am Freitag in der Kärntner Bezirksstadt Spittal an der Drau vor Journalisten, wo er seinen bisher prominentesten Mitkämpfer, den Bürgermeister und Nationalratsabgeordneten Gerhard Köfer, der wegen seines neuen Engagements aus der SPÖ ausgetreten ist, besuchte.

Mit Köfer traten weitere vier Mitglieder des Gemeinderats aus der SPÖ aus und bieten nun als wilde Mandatare Stronach ihre Dienste an. Es sind dies Traugott Hanke, Kurt Hämmerle, Peter Schneider und Vizebürgermeister Hartmut Prasch. Auch die ehemalige FPÖ-Politikerin aus der Steiermark, Waltraud Dietrich, war nach Spittal gekommen, um ihren neuen Parteiobmann zu treffen. Ebenso zählt die ehemalige Handballerin Karin Prokop zu seinen Gefolgsleuten. Köfer sprach von einer "Aufbruchstimmung" und Interesse aus allen Parteien, bei Stronach mitzumachen

Die neue sozialdemokratische Fraktion in Spittal umfasst nun neun Gemeinderäte, so heißt es in einer Aussendung der SPÖ. Der Zusammenhalt in der Fraktion sei größer als je zuvor. Bis zur nächsten regulären Gemeinderatssitzung am 25. September will sich die SPÖ in Spittal nun neu organisieren. Am Montag fährt Landesparteivorsitzender Peter Kaiser zu einer Informationsveranstaltung für Parteimitglieder in die Bezirksstadt. Weiters sind eine Stadtparteikonferenz wie eine Klubklausur geplant.

Ehrgeizige Pläne

Stronach bekundete ehrgeizige Pläne. So hoffe er doch, dass seine Partei den Bundeskanzler stellen werde, meinte er. Das werde aber sicher nicht er sein, er sei kein Politiker, präzisierte er. Er spreche aber "mit sehr interessanten Leuten".

Ob seine Partei auch bei der Kärntner Landtagswahl antreten werde, überlasse er Köfer. "Das ist seine Entscheidung. Gerhard kennt sich da besser aus", meinte Stronach. Köfer erklärte dazu, dass er "nicht ausschließt" als Spitzenkandidat in die nächste Landtagswahl zu gehen. Die Entscheidung über eine Kandidatur der Stronach-Partei in Kärnten soll nächste Woche fallen.

Auf der Suche nach dem dritten Nationalrat

Dass er für sein Antreten bei der Nationalratswahl die notwendigen Unterschriften von drei Nationalratsabgeordneten bekommen werde, davon ist Stronach überzeugt. Er habe mehr als drei, die ihn unterstützen würden, Namen wollte er aber keine nennen. Bisher sind Köfer und Erich Tadler ("wilder" Ex-BZÖ-Abgeordneter) bekennende Stronach-Unterstützer.

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) würde einen etwaigen Antrag auf Klubstatus, für den Fall dass Frank Stronach die dafür nötigen fünf Abgeordneten von anderen Parteien abwerben kann, eingehend prüfen. In den Samstag-Ausgaben der Tageszeitungen "Der Standard" und "Österreich" kündigt Prammer an, dass sie sich das gegebenenfalls "sehr genau anschauen" würde. Dazu müsste es ihrer Auffassung nach "ausführliche Beratungen der Präsidiale und viele Rechtsexpertisen" geben.

Zweiter Nationalrat dabei

Der zweite Nationalrat in Stronachs Reihen, Erich Tadler, habe "schon seit längerem" Gespräche mit dem austro-kanadischen Multimillionär geführt. Er könne sich mit Stronachs Ideen identifizieren, erklärte Tadler. Dass er mit Frank Stronach auch wegen seiner Herkunft einen guten Draht hat, gibt er gerne zu: "Beide sind wir gebürtige Steirer - seine grüne, steirische Herzlichkeit taugt mir richtig."

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Tadler hatte 2010 im Zuge der Abspaltung der Kärntner Freiheitlichen den BZÖ-Klub verlassen müssen. BZÖ-Chef Josef Bucher behauptete damals, Tadler habe seinen Verbleib bei den Orangen an finanzielle Bedingungen geknüpft, was dieser bestritt.

Seither war der Salzburger relativ unauffällig als "wilder Abgeordneter" tätig. Laut rund um ihn wurde es vor Stronach erst wieder bei der Fußball-Europameisterschaft in diesem Jahr. In Warschau meinten Augenzeugen gesehen zu haben, wie er eine Löwen-Statue vor dem polnischen Präsidentenpalast mit den deutschen Nationalfarben beschmiert habe. Tadler erklärte hingegen, die Farben lediglich weggewischt zu haben.

Parteidetails folgen im Herbst

Parteiname und Parteiprogramm würden Ende September feststehen, sagte Stronach. Er erneuerte seine Ablehnung des Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM. Als Ziel seines Engagements nannte er "Werte, wie Wahrheit, Fairness und Transparenz". Er wolle Arbeitsplätze halten und neue schaffen sowie den Wohlstand in Österreich verbessern.

Team Stronach: Die Mitstreiter des Milliardärs

(APA)

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