Habsburg: Ein Fürstentitel um 100.000 Euro

Ulrich Habsburg-Lothringen, ein Nachfahre Maria Theresias, meint, der Staat solle Adelstitel auf Zeit verkaufen. Adelige Familien sollten aber nicht zahlen müssen.

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Ulrich Habsburg-Lothringen – (c) Fabry

Wien. Der 70-jährige langjährige Grün-Politiker, Land- und Forstwirt, ist bekannt dafür, die Politik mit nur wenigen Worten aufzumischen. Das war schon 2010 so, als er anregte, dass auch Mitglieder einst regierender Häuser für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren sollen dürfen. Mit seinem Individualantrag beim Verfassungsgericht auf Abschaffung des „Habsburger-Paragrafen“ trug Ulrich Habsburg-Lothringen indirekt zum passiven Wahlrecht für Seinesgleichen bei.

Spaltpilze Religion und Stammbaum

Diesmal sind es nur wenige Zeilen aus einem Referat, das er erst halten wird: Am Samstag wird Habsburg bei den „21. Zeitgeschichte-Tagen“ in Braunau am Inn darüber sprechen, warum Adel polarisiert. Seine These, die er vorab gegenüber der „Presse“ ausbreitet: weil der christliche Glaube beim heutigen Adel „noch stärker ausgeübt wird als im anderen Kollektiv“. Weil adelige Familien ihre Geschichte 1000 Jahre zurückverfolgen können, „bei Normalen ist das nicht so weit möglich“.

Und: weil ihre Mitglieder Titel hatten, die sie seit 1919 in Österreich nicht mehr offiziell führen dürfen – die aber „vor allem über die republikanische, öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt weiterverbreitet werden“. Der ORF zeige „haufenweise Sendungen über Hochzeiten in adeligen Häusern. Von einem Bundespräsidenten, der zwei Mal geheiratet hat, ist nicht so viel zu sehen.“

Adelstitel sollten deshalb, wie in Deutschland, auch in Österreich als Teil des Namens geführt werden dürfen, damit sie wieder „offensichtlich“ und nicht verdeckt sind. „Wir sollten zu unserer Geschichte stehen.“ So viel von Habsburgs Referat ist auch schon via „Kurier“ publik geworden. Im „Presse“-Gespräch legt der Spross des Habsburger-Hauses nach: Nicht nur sollten Adelige ihre Titel – kostenfrei – wiedererlangen. Der Staat solle auch an Titeln verdienen können: So könnte die Republik Fürstentitel um 100.000 Euro oder ein „von“ vor dem Nachnamen um 5000 Euro verkaufen – und zwar an „jedermann“, aber mit zeitlicher Befristung, sagt Habsburg. „Adelstitel werden in Österreich auf zehn Jahre vergeben. So wie Wunschkennzeichen“, lautet sein Plädoyer.

Als Querkopf kennt man Ulrich „Uli“ Ferdinand Gudmund Habsburg-Lothringen, geboren 1941 in Wolfsberg in Kärnten, Gutsbesitzer mit Bauernhaus in Sankt Georgen im Lavanttal, schon länger. In die grüne Gemeinde- und Regionalpolitik gelangte er 1986 über kritische Leserbriefe zur Causa Waldheim. Vor seinem Haus steht ein Feinstaubmessgerät, von dem er selbst sagt, die Werte seien so hoch, dass viele sie für nicht repräsentativ halten. Dass Landeshauptmann Gerhard Dörfler, der Nachfolger Jörg Haiders, ihm das Gespräch verweigere, sieht er als positives Zeichen. Als Gemeinderat zog er sich auf ein Ersatzmandat der Grünen zurück, nachdem er die Debatte um eine Adeligen-Kandidatur für den Bundespräsidenten belebt hat.

Der SPÖ richtete er aus, es wäre „lustig“, würde „die SPÖ die Einhundertjahrfeier der Republik mit einem Habsburger begehen“ – wohl wissend, dass ihn die SPÖ bei der Bundespräsidentenwahl 2016 nicht zum Kandidaten machen wird. Doch ohne eine Großpartei im Rücken käme ein Antreten für ihn nicht in Frage, sagte Habsburg der „Presse“. Obwohl die Habsburger jetzt dürfen.

„Adel verpflichtet“ ist der Titel seines Referats in Braunau. Und Habsburg, Sohn einer Dänin und eines Salzburgers, einst Universitätsassistent für Bodenkultur in Wien, danach Forstwirt, weiß, wovon er spricht: Selbst verheiratet mit Friederike und Vater dreier Kinder, ist Ulrich Habsburg-Lothringen ein Ur-Ur-Ur-Ur-Urenkel von Königin Maria Theresia, Urenkel des letzten Großherzogs der Toskana, Ferdinand IV., sowie Neffe dritten Grades von Otto Habsburg.

Ob er selbst den Titel „Erzherzog“ führen würde, sollte er sich mit seinem Vorstoß durchsetzen? „Da bin ich mir gar nicht so sicher“, sagt Habsburg. „Ich bin ja auch Diplomingenieur und Doktor“, verweist er auf seine Abschlüsse in Naturwissenschaften.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2012)

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