Schlaff provoziert mit Gestapo-Vergleich

Live-Ticker Nachlese: Der Milliardär Schlaff war der letzte Zeuge im U-Ausschuss. Zu den Ostgeschäften der Telekom entschlug er sich, die Abgeordneten fühlten sich "gepflanzt".DiePresse.com berichtete live.

Jetzt live Milliardaer Schlaff
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Investor Martin Schlaff trifft im U-Ausschuss ein

Das Finale der Befragungen im Korruptions-U-Ausschuss war geprägt von einem Solo des Investors Martin Schlaff. Gleich zu beginn stellte der Milliardär klar: „Ich werde zu den Telekom-Ostgeschäften nichts sagen." Unverdrossen warf FPÖ-Fraktionsführer Harald Vilimsky die erste Frage in den Ring: Ob Schlaff Kontakt zu Ausschuss-Mitgliedern habe? Der Investor blieb stumm. Ausschuss-Vorsitzender Walter Rosenkranz scharf: „Antworten Sie mit Ja oder Nein." Schlaff konterte: „Herr Vorsitzender, Sie sind ein junger Mann. Wissen Sie, was Kreisky zu Ja-oder-Nein-Fragen gesagt hat? Dass ihm diese zuletzt von der Gestapo gestellt worden sind." BZÖ-Mann Stefan Petzner polterte: „Ich verbitte mir diese Dritte-Reich-Vergleiche. Sie pflanzen uns." Schlaff entschuldigte sich darauf für seinen „Gag".

Der Auseinandersetzung folgten weitere Wortduelle: „Wir wären schneller, wenn Sie sich benehmen würden", fuhr der Orange den Milliardär an. Schlaff: „Ich lasse mir von Ihnen keine Benimmregeln vorgeben. Zivilisierte Menschen würden sich entschuldigen." Das tat Petzner auch, Antworten erhielt er trotzdem keine. Die SPÖ verzichtete gänzlich auf eine Befragung.

Der grüne Abgeordnete Peter Pilz ließ sich nicht entmutigen - und holte aus: Schlaff und seine Partner Josef Taus, Herbert Cordt und die Bawag hätten 2001 die serbische Mobiltel um 820 Millionen Euro erstanden. 2005 verkaufte sie Schlaff an die Telekom um 1,6 Milliarden Euro. Der Verdacht lautet auf Untreue, Betrug und Bestechlichkeit. In den Deal soll der russisch-israelische Geschäftsmann Michail Cherney verwickelt sein - nach diesem wird international gefahndet. Schlaff unterbrach den Grünen: „Sie fadisieren mich. Können Sie nicht, wenn Sie mit ihren langweiligen Vorträgen fertig sind, sagen: 'Wachsen Sie auf, ich habe eine Frage.' Und ich entschlage mich dann?" Pilz: „Immer, wenn es ernst wird, werden Sie ungehalten."

Dann zitierte der Grüne einen FBI-Bericht - auf Englisch. Darin hieß es, dass Schlaff in kriminellen Kreisen als Schwindler bekannt sein soll. Schlaff erbost: „Hier unterbreche ich Sie. Ich sage Ihnen auch nicht, dass Sie mit Ihrer Wohn- und Gehaltssituation ein Sozialschmarotzer sind."

Schlaff war der 132. Zeuge, der im Ausschuss befragt wurde. Mit 53 Sitzungstagen war er der bisher wohl arbeitsintensivste. Rekordverdächtig ist auch der Umfang der ans Parlament übermittelten Unterlagen: Wären die fast 1,6 Millionen Aktenseiten für die fünf Fraktionen und die Parlamentsdirektion ausgedruckt worden, hätte das einen Papierstapel mit fast einem Kilometer Höhe und 47 Tonnen Gewicht ergeben.

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