Heldenplatz: Mahnwache als „Dauereinrichtung“

Verteidigungsminister Klug will die Burschenschafter am 8. Mai dauerhaft vom Heldenplatz vertreiben. Die neu gestaltete Krypta soll 2015 präsentiert werden.

'TOTENGEDENKEN' DER BURSCHENSCHAFTER AM 8. MAI
'TOTENGEDENKEN' DER BURSCHENSCHAFTER AM 8. MAI
'TOTENGEDENKEN' DER BURSCHENSCHAFTER AM 8. MAI – APA/HERBERT P. OCZERET

Wien. Fackeln, Säbel und Demonstrationen: Seit Jahren verwandelt sich der Wiener Heldenplatz am 8.Mai in einen ideologischen Kampfplatz. Am vergangenen Jahrestag der Kapitulation Nazi-Deutschlands versammelten sich rund 200 Burschenschafter auf dem Heldenplatz, um ihr alljährliches umstrittenes „Totengedenken“ abzuhalten. Doch dies könnte das letzte Mal gewesen sein.

Denn das österreichische Bundesheer hält am Mittwoch von sieben bis 18 Uhr eine Mahnwache ab. Und zwar ganz bewusst, um „einschlägigen Gruppen“ keinen Platz mehr zu bieten, sagt Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) am Dienstag. Und er geht auch einen Schritt weiter. „Meines Erachtens spricht nichts dagegen, dass das zu einer Dauereinrichtung wird.“ Denn: „Wo Burschenschafter in den vergangenen Jahren die Niederlage betrauert haben, wird das Bundesheer der Opfer gedenken.“ Er habe diese Mahnwache als deutliches politisches Zeichen für die Opfer des Faschismus angeordnet.

Die Mitglieder des Wiener Korporationsringes (WKR), die bisher das „Totengedenken“ organisiert hatten, wollen dennoch dabei sein. Die nun geplanten Veranstaltungen seien „an Erhabenheit nicht zu überbieten“, hieß es in einer Stellungnahme. Man wolle dem Festakt als „stille Teilnehmer“ beiwohnen und von einer eigenen Veranstaltung absehen.

Dass die Veranstaltung des Bundesheeres zumindest im Vorfeld bereits deeskalierend wirkt, zeigt ein Anruf bei der Wiener Polizei. 15 Standkundgebunden rund um den Heldenplatz seien angemeldet, allerdings keine einzige von den Burschenschaften. „Die Veranstaltungen werden etwa von der Sozialistischen Jugend oder den Grünen organisiert“, meint ein Sprecher. Dennoch sei die Polizei auf jeden Fall anwesend, im Notfall würde man auch Absperrungen vornehmen.

Hochrangige FPÖ-Politiker werden übrigens bei der Mahnwache nicht anwesend sein: Der Dritte Nationalratspräsident, Martin Graf, etwa, der über Jahre Gast des „Totengedenkens“ war, weile derzeit mit einer FPÖ-Delegation in China, hieß es aus dessen Büro. Parteichef Heinz-Christian Strache könne ebenso wenig dabei sein.

 

Neu gestaltetes Denkmal

Verteidigungsminister Klug nutzte am Dienstag auch gleich die Gelegenheit, um die Umgestaltung der Krypta am äußeren Burgtor am Heldenplatz anzusprechen: Im Mai 2015 soll das neu gestaltete Denkmal präsentiert werden. Die Leitlinien dafür werden bis Ende des Jahres erarbeitet, im Oktober 2014 soll dann der Auftrag ausgeschrieben werden.

Zuständig für das Projekt ist Heidemarie Uhl von der Militärhistorischen Denkmalkommission. Sie sagt, das neu gestaltete Burgtor solle zu einem Lernort werden. Schließlich sei es das einzige Denkmal in Österreich, das für die Gefallenen im Ersten und Zweiten Weltkrieg stehe. „Unser Ziel ist es, die Verwerfungen dieses Ortes zu zeigen und sie nicht durch eine komplette Veränderung zu übertünchen.“

Den Auftrag zur Neugestaltung des Denkmals hatte jedoch nicht Klug, sondern sein Vorgänger, Norbert Darabos, gegeben: Spätestens seitdem man vergangenen Juli in der Skulptur des „Unbekannten Soldaten“ ein nationalsozialistisches Huldigungsschreiben entdeckt hatte, wurden die Rufe nach einer Umgestaltung laut. Zuvor hatte Darabos die Streichung von SS-Kriegsverbrechern aus den Totenbüchern, die in der Krypta auflagen, vorgenommen.

Auf einen Blick

Mahnwache. Heute gedenkt das Bundesheer mit einer Mahnwache der Opfer des Faschismus. Damit will man das „Totengedenken“ der Burschenschaften verhindern. Am Abend initiiert das Mauthausen-Komitee ein „Fest der Freude“ mit einem Gratiskonzert der Wiener Symphoniker.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.05.2013)

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