Frauenpolitik, kein gutes Thema für den Wahlkampf

Die Parteien vernachlässigen Themen wie Gewalt gegen Frauen oder Gleichberechtigung - oder dringen damit in den Medien nicht durch. Schuld daran sind auch die Verhandlungen zum Lehrerdienstrecht.

PK - LEHRERDIENSTRECHT: HEINISCH-HOSEK
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PK - LEHRERDIENSTRECHT: HEINISCH-HOSEK
Heinisch-Hosek – APA/HERBERT NEUBAUER

Wien. Das Lehrerdienstrecht steht zwar noch (lange) nicht, doch es sind schon ungeahnte Auswirkungen spürbar. Nein, nicht im Bildungsbereich oder in der Diskussion rund um Dienstzeiten und Gehälter. Vielmehr ist SPÖ-Verhandlerin Gabriele Heinisch-Hosek so sehr damit beschäftigt, dass sie in den vergangenen Monaten ein anderes Thema vernachlässigt hat: die Frauenpolitik.

Zumindest spiegelt sich dies in der Berichterstattung wider. Das ergibt eine Analyse des Forschungsinstituts Media-Affairs. Fünf Tageszeitungen, auch „Die Presse“, wurden dafür in den Monaten Mai und Juni unter die Lupe genommen, in diesem und im vergangenen Jahr. Fazit: Während Frauenministerin Heinisch-Hosek 2012 noch 5400 Wörter über Frauenpolitik in den untersuchten Printmedien unterbrachte, waren es in diesem Jahr nur 670. Dementsprechend selten äußerte sich die SPÖ insgesamt zu diesem Thema.

Und der Teufelskreis geht weiter: Denn thematisiert die Frauenministerin vergleichsweise selten Anliegen wie Quoten, Gehälter, Gleichberechtigung oder Gewalt gegen Frauen, müssen andere Parteien nicht darauf reagieren. Das gewohnte Parteiengezänk bleibt aus, Ausnahme ist derzeit wohl die Debatte zu den Frauenpensionen.

Und auch die anderen Parlamentsparteien halten sich auffallend zurück. Für den Wahlkampf scheinen eher Arbeit und leistbares Leben interessant zu sein. Im verglichenen Zeitraum 2012 gab es viermal mehr politisch besetzte frauenzentrierte Berichterstattung als in diesem Jahr. Die Aufteilung unter den Parteien bleibt allerdings relativ gleich: 55 Prozent davon fallen auf die SPÖ – mit einer Frauenministerin kein Kunststück.

 

ÖVP-Berichterstattung gering

Auffällig ist die ÖVP: Sie übernimmt nur zehn Prozent der politischen Frauenberichterstattung. Unternimmt die Volkspartei denn nichts auf dem Gebiet? Nicht unbedingt. Laut Maria Pernegger von Media-Affairs dringt ihre Frauensprecherin, Dorothea Schittenhelm, medial kaum durch.

Besser arbeiten hier die Grünen: Dreißig Prozent der Berichterstattung fallen auf die Partei mit Chefin Eva Glawischnig. Doch auch sie halte sich in den vergangenen Wochen bedeckt, so Pernegger. Die restlichen fünf Prozent teilen sich FPÖ und BZÖ, das Team Stronach spiele in dem Bereich keine Rolle.

Zumindest die nächsten Wochen versprechen Besserung: Heinisch-Hosek ist bereits auf Tour (inklusive einer Pappfigur als „Superheldin“), auch die ÖVP-Ministerinnen wollen bald unter dem Motto „Stark. Schwarz. Weiblich“ durch die Bundesländer reisen.

 

Unterschiede in den Medien

Abseits der Parteipolitik nahm die frauenzentrierte Berichterstattung in den Medien zu. Auffällig dabei: Während sich „Presse“, „Standard“ und „Kurier“ eher den Themen Prostitution, Feminismus, Gewalt gegen Frauen und Migrantinnen annahmen, ignorierten dies „Kronen Zeitung“ und „Österreich“. Die beiden Zeitungen konzentrierten sich auf Gesundheit, Mutterrolle und Kinderbetreuung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2013)

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