Grüne gegen ORF: Kein Rückgrat

Es sei ein journalistisches Armutszeugnis, die Regierung mit Sendezeit in der "Zeit im Bild" "milde stimmen" zu wollen, wettert Dieter Brosz (Grüne).

Grüne gegen ORF: Kein Rückgrat
Grüne gegen ORF: Kein Rückgrat
Grüne gegen ORF: Kein Rückgrat – (c) Michaela Bruckberger

Wien. Dieter Brosz, seines Zeichens Mediensprecher der Grünen, ist geladen. „Der Konflikt mit dem ORF rennt schon seit einigen Wochen“, sagt er. Neue Nahrung erhält sein Gefühl, vom TV-Sender unfair behandelt zu werden, durch die Auswertung der „ZiB“-Daten durch die Agentur „MediaAffairs“ für Juli. Wie „Die Presse“ berichtete, entfielen in der „Zeit im Bild“ drei Viertel der innenpolitischen Sendezeit auf die Regierungsparteien, in der „ZiB 2“ waren es sogar 82 Prozent.

Ein „journalistisches Armutszeugnis“ sei das für den öffentlich-rechtlichen Sender, wettert Brosz. Er ortet im ORF „mangelndes Rückgrat“. Der Grün-Mandatar glaubt, dass der ORF die Regierungsparteien „milde stimmen will“, damit er doch noch eine Verlängerung der Gebührenrefundierung erhält. Für die Jahre 2010–2013 bekam der ORF dafür vom Bund 160 Millionen Euro. Man müsse für die unausgewogene Berichterstattung inzwischen auch Chefredakteur Fritz Dittlbacher „persönlich in die Verantwortung ziehen“, sagt Brosz. Lange genug habe die Opposition sich vom ORF sagen lassen, dass die Regierung bloß deswegen mehr Sendezeit erhalte, weil nur sie auch Vorschläge umsetzen könne. Nun aber könne vor der Nationalratswahl ohnedies nichts mehr beschlossen werden, also falle dieses Argument des ORF weg, sagt Brosz. Er ortet ein „Schuldeingeständnis“ des öffentlich-rechtlichen Senders zudem darin, dass in der „ZiB 24“ um Mitternacht sehr wohl genügend Sendezeit den kleinen Parteien gewidmet werde. „Wenn die Leute nicht zuschauen, dann ist die Opposition wieder für den ORF relevant“, sagt Brosz zur „Presse“.

 

Dittlbacher: Entscheidungen der Redaktion

ORF-Chefredakteur Dittlbacher weist alle Vorwürfe zurück. „Journalistische Entscheidungen fallen in der Redaktion und nicht in Parteibüros, auch nicht in grünen“, sagt er. Die Auswahl der Beiträge habe mit der Gebührenrefundierung nichts zu tun. Internationale Studien würden zudem zeigen, dass in Medien generell etwa zwei Drittel bis drei Viertel der innenpolitischen Berichterstattung auf Regierungsparteien entfielen.

Die Analytiker von MediaAffairs kamen zudem zu dem Schluss, dass die Grünen im Juli kaum eigene Initiativen setzten. Brosz sieht das aber anders: So sei im Juli etwa „überall“ über das grüne Wirtschaftsprogramm berichtet worden, nur im ORF nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2013)

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