"Ungeheuerlich": Kärntner wehren sich gegen Stronach

Landeschef Köfer und der Landesparteivorstand wurden abgesetzt. Aus Protest legte nun auch Vize-Chef Rutter sein Amt zurück. Der neue Parteichef Schalli steht vorerst isoliert da.

Kaernten Team Stronach steht
Kaernten Team Stronach steht
Gerhard Köfer – (c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Das Kärntner Team Stronach steht vor der Zerreißprobe. Erst Mittwochabend hatte Parteigründer Frank Stronach den bisherigen Landesparteichef Gerhard Köfer abgesetzt. Donnerstag früh wurde bei einer Landtagssitzung bekannt, dass dies nicht die einzige Neuerung bleibt: Der Milliardär hat auch den gesamten Landesparteivorstand abgesetzt.

Die Landtagsabgeordneten Hartmut Prasch, Isabella Theuermann und Martin Rutter stellten sich daraufhin demonstrativ hinter Köfer. Sie betonten in einem Brief, "uneingeschränkt" hinter Köfer zu stehen. Das würde auch für sämtliche Bezirksvorsitzenden gelten. Zudem wird Stronach von der Kärntner Fraktion eine "ungeheuerliche Machtdemonstration" vorgeworfen.

Vizeparteiobmann Rutter legt Amt zurück

Der vierte Stronach-Abgeordnete, der neue Landesparteichef Siegfried Schalli, stand vorerst isoliert da, gab sich ob der Turbulenzen aber gelassen. "Wenn Vernunft einkehrt, wird es konstruktive Gespräche und eine Lösung geben", meinte Schalli, der nicht an eine Spaltung des Teams glauben will. Für alle Beteiligte bleibe "die Hand ausgestreckt".

Ein Angebot, dass scheinbar auf taube Ohren stieß. Denn nur wenige Stunden später legte Rutter sein Amt als Stellvertreter des Neo-Obmannes zurück - dieses hatte Rutter am Mittwoch im Zuge der Demontage Köfers erhalten. "Ohne Einbindung unseres Landesrates Gerhard Köfer und des restlichen Teams in Kärnten, sowie ohne strategischen Masterplan, lehne ich diese Ernennung entschieden ab, vor allem auch in Hinblick dessen, dass sie mit mir niemals besprochen wurde", schrieb Rutter in einem Mail, das an die künftige Klubobfrau des Team Stronach im Parlament, Kathrin Nachbaur, gerichtet war.

Neben Rutter war von Stronach auch Theuermann zur Stellvertreterin Schallis ernannt worden. Ob sie ihr Amt annimmt oder wie Rutter ablehnt, war vorerst unklar.

Macht Köfer mit eigener Bewegung weiter?

Köfer hatte die Umbauten in der Landespartei zuvor nur knapp kommentiert: "Es ist die Entscheidung von Stronach, ich wünsche dem Neuen alles Gute." Dass er nun mit einer eigenen politischen Bewegung weitermachen wird, wollte er nicht ausschließen. Schon am Mittwoch hatte er gegenüber der "Wiener Zeitung" betont: "Die Kärntner Bewegung ist auf mich und meinen Namen aufgebaut." Auf die Frage, ob er Stronach nicht zum politischen Überleben braucht, sagte Köfer: "Nein, braucht man nicht."

Für kommenden Montag ist eine Landesparteivorstandssitzung geplant, dabei sollen "Konsequenzen" diskutiert werden.

Das Kärntner Team ist aber nicht das einzige, dass nach der Pleite bei der Nationalratswahl umgebaut wurde. So fanden auch in der Bundes- und in mehreren Landesparteien Personalrochaden statt.

(APA/Red.)

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